Bild/Illu/Video: Sandra Peters

Abwechslungsreiche «ORF Lange Nacht der Museen»

Nun hatten wir die Qual der Wahl, da in diesem Jahr über 640 Museen in vier Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz und Fürstentum Liechtenstein) ihre Türen öffneten. Dank der übersichtlich gestalteten Webseite war es allerdings leicht die Museen auszuwählen, die regional gut erreichbar waren und speziell auch ein Programm für Kinder mit im Angebot hatten. Wir entschieden uns, individuell mit dem privaten PKW das Event zu besuchen, aber es gibt auch die Möglichkeit eines kostenlosen Shuttle Busses. Unsere Tour begannen wir in Vaduz mit dem Liechtensteinischen Landesmuseum. Ich selbst wollte dort unbedingt die Führung durch die Inuit Ausstellung mitmachen, für die Kinder gab es hier eine Museumsrallye, verbunden mit einem Quiz. Sie mussten sich viele Details merken und der Weg durchs Museum war damit auch für sie sehr kurzweilig. Absolutes Highlight für unsere Kinder war die Tierausstellung, denn sie konnten nicht nur sehr viele Tiere anschauen, sondern einige der Präparate durfte man auch ausdrücklich anfassen und im wahrsten Sinne des Wortes «begreifen».


Weiter ging es nach Rüthi zu «Jeanette’s Puppen- & Spielzeugsammlung», die wir bei dunkler Nacht erreichten, doch dank dem mit Baulichtern beleuchteten Weg konnten wir das Ziel nicht verfehlen. Sobald wir über die Schwelle traten, standen wir im Kinderzimmer aus einer anderen Zeit. Verteilt auf drei grosse Räume konnten wir Puppen aus Holz, Pappmaché, Wachs, Porzellan, Stoff, Celluloid, Masse und Vinyl bestaunen, die aus dem vorletzten, letzten und diesem Jahrhundert stammten. Auch Bären, Puppenstuben, Verkaufsläden, Kochherdchen, Bauernhof, Puppenspital und vieles mehr war hier liebevoll dekoriert. Jeder von uns hing an den Lippen von Jeanette, der Sammlerin all dieser Schätze. Sie wusste zu jeder Puppe, zu jedem Spielzeug eine Geschichte zu erzählen, die berührte. Ihre Führung durch dieses einmalige Museum war persönlich und voller Leidenschaft. Obwohl sie mit viel Herzblut sammelt, trennt sie sich auch immer mal wieder von einzelnen Schätzen und verkauft sie in einer extra dafür vorgesehenen Ecke. So kam es, dass meine Tochter jetzt im Besitz eines alten Kochherdes ist, der sie wohl für immer an diesen eindrücklichen Abend erinnern wird.


Obwohl es mittlerweile schon recht spät war, wollten wir alle unbedingt noch nach Oberriet ins Gemeindemuseum «rothus» Hier wird das bäuerliche Leben und Arbeiten in der Region im 19. und 20. Jahrhundert illustriert. Themen sind Torfstecherei, Maisanbau, Holzverarbeitung und Brauchtum. Vermittelt wurde es auf eine sehr besondere, menschliche Art und Weise. Der Empfang war sehr herzlich, unsere Kinder konnten ein Holzmotorrad anmalen und am Nachbartisch erschufen die grösseren Kinder kleine Kunstwerke. Es wurde viel und ausgiebig gemalt und jeder konnte sich im Gästebuch verewigen. Hier gab es Kunst nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Anfassen, zum selbst erschaffen und gestalten. Die Ratsstube lieferte dafür genau den richtigen, heimeligen Ort.


Zum Abschluss ging es dann nur wenige Meter entfernt davon noch ins Motorradmuseum Wüst, das im ehemaligen Stickereilokal eine beheimatet ist. Die Sammlung vom Inhaber Josef Wüst lässt sicherlich jedes Motorradfahrer-Herz höherschlagen. Überwiegend sind hier Motorräder aus den 1930er Jahren, sowie einige Rennmotorräder aus der Nachkriegszeit ausgestellt, denn mit diesem Museum hat er sich selbst einen Bubentraum nach über 30 Jahren Sammelleidenschaft erfüllt. Erfüllt sich der Wunsch von Josef Wüst, dann wird aus dem ehemaligen Stickereilokal mit seiner neuen Bestimmung künftig ein Ort der Begegnung für alle.


Die «Lange Nacht der Museen» war für uns als Familie ein Ferien-Highlight, über das wir noch lange sprechen werden. Hier trafen sich Qultur und Leidenschaft und machten ein Event für jedermann daraus.

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