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Bloss keine Innovationen!
Bild/Illu/Video: Christian Imhof

Bloss keine Innovationen!

Der Fall liegt schon einige Zeit zurück, aber er ist exemplarisch für die Unbeweglichkeit einer Branche, die sich selbst zuschreibt, kreativ und innovativ zu sein.


Stein des Anstosses: Ein kleiner, der breiten Mehrheit wohl eher unbekannter DAB-Radiosender versuchte etwas Neues. Wie jeder Sender gingen auch dort laufend viele Anfragen von jungen, neuen Bands ein, die hofften, ihr Titel schaffe es ins Programm. Der Radiosender reagierte mit einem Angebot: 180 Franken Gebühr, und der Song wird im Programm gespielt.


Das hätten die Radioleute wohl besser nicht getan. Diverse andere Sender und Experten erklärten daraufhin sofort wie falsch und böse dieses Vorgehen sei. Denn es gehe doch darum, die Schweizer Musikszene zu fördern und nicht darum, sie abzuzocken.


Ja, das klingt zunächst einmal ungewöhnlich. Aber die ganze Aufregung war völlig unverständlich. Zum einen: Ob man von einer Abzocke sprechen kann, wenn man Leistung gegen Geld erhält, ist mehr als fraglich, darauf basiert unsere ganze Gesellschaft. Und warum sollte ein privater Sender kein solches Bezahlmodell einführen? Nur weil es bisher nicht so gemacht wurde?


Tatsache ist: 99 Prozent der engagierten, leidenschaftlichen und motivierten jungen Musiker in diesem Land schaffen es nicht in die Playlist eines Radiosenders. Es gibt einfach zu viele von ihnen. Genau wie beim unerkannten literarischen Talent, das keinen Verlag findet, dürfte schon so manche Perle unentdeckt geblieben sein, weil sie nicht den Geschmack des diensthabenden Musikredaktors traf.


Zu verlangen, dass sich jeder noch so kleine (und nicht subventionierte) Radiosender selbstlos der Förderung des einheimischen Musikschaffens verschreiben muss, ist naiv und falsch. Wenn ein Sender durch neue, innovative Bezahlmodelle Geld macht, die den Betrieb sicherstellen und gleichzeitig Schweizer Musik läuft, die so Aufmerksamkeit generiert, dann ist das durchaus intelligent. Statt das mit Interesse zur Kenntnis zu nehmen, schwingen die Mitbewerber gleich die Moralkeule.


Tatsache ist: Das Modell hätte, wenn es sich durchgesetzt hätte, für mehr Schweizer Musik im Äther gesorgt. Und Tatsache ist auch: Hier sollte ja nicht für etwas bezahlt werden, dass es sonst gratis gegeben hätte – die wenigsten Bands schaffen den Sprung ins Programm.


Ich bin leider denkbar unmusikalisch. Wäre das nicht so, würde ich ein solches Angebot sofort wahrnehmen. Der Song ist geschrieben, ich glaube an ihn, ich will, dass er gehört wird. Es ist eine Investition in den Erfolg der eigenen Arbeit. Und immer noch besser, als 20 Sender mit einem MP3-File zu beglücken und eine Standardabsage zu erhalten. Das kostet auch Zeit, und Zeit ist Geld. Denn es ging bei der angeblich gefälschten Aktion nur um unbekannte Bands. Und die haben nichts zu verlieren – aber viel zu gewinnen.

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