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Buchtipp: Lars Mytting - «Die Glocke im See»
Bild/Illu/Video: Cover

Buchtipp: Lars Mytting - «Die Glocke im See»

1880: Es geht um Astrid. Und um eine Stabkirche. Eine Stabkirche in einem norwegischen Bauerndorf, die einer grösseren, moderneren und vor allem wärmeren Kirche weichen soll. Das Ganze wird vom neuen Pfarrer veranlasst, welcher in der Kälte des Winters den «Gefriertod» einer Dorfbewohnerin in eben dieser Stabkirche, während seiner Predigt mitansehen muss. Astrid ist Zeugin dieses tragischen Unfalls, denn sie sitzt neben der alten Dame, dessen Gesicht aus lauter Frost an der Wand kleben bleibt.


Ein tragischer Auszug aus dem Roman, welcher noch einige dieser tragischen Beispiele erzählt. Und alle sind so geschickt geschrieben, dass sie wirklich wahr sein könnten.


Astrid Hekne lernt im Roman den deutschen Gerhard Schönauer kennen, der dazu befugt wird, die alte Stabkirche abzubauen und in Dresden wiederaufzubauen. Die deutschen Architekten wollen diese über 700 Jahre alte Kirche retten, denn sie ist einzigartig, wie jede Stabkirche in Norwegen. Tatsächlich gibt es heute gerade einmal noch 28 in Norwegen. Früher waren es einmal 750.


Der Roman beschreibt die beschwerliche Reise des deutschen in das abgelegene, norwegische Dorf im Gudbrandsdalen, woher der Schriftsteller Lars Mytting selbst stammt. Das merkt man, denn Mytting beschreibt die Umgebung des Dorfes, jeden Hügel, jeden Hof, den See, haargenau, sodass man sich in seiner Fantasie ein tatsächliches Dorf ausmalen kann.


Die unverheiratete Bauerntochter Astrid steht zwischen den Stühlen. Sie interessiert sich für den neuen Pfarrer, gibt ihm Ratschläge und steht ihm bei Fragen zu den oft eigensinnigen Dorfbewohnern zur Seite. Gleichzeitig hegt sie Gefühle für den deutschen Architekturstudenten Gerhard Schönauer, welcher nicht nur die Stabkirche bis in Detail zeichnet, sondern manchmal auch Astrid.


Mit dem mühseligen Abbau der Kirche entsteht ein Konflikt und eine Schwangerschaft. Astrids Vorfahren gehörten die mächtigen Schwesternglocken, die im Glockenturm der Stabkirche nicht nur zur Predigt läuten, sondern auch dann, wenn sie die Bewohner vor etwas warnen wollen. Das tun die Glocken erstaunlicherweise ganz von selbst, noch bevor Gerhard mit ihnen nach Deutschland reisen kann.


Wessen Kind Astrid erwartet und weshalb (nur) eine Glocke im See landet, wird erst gegen Ende es geheimnisvollen Buches gelüftet.


Lars Mytting verbindet in diesem Roman eine Liebesgeschichte mit einer hochinteressanten Beschreibung eines armen und einfachen Dorflebens, er fügt den Aberglaube und die Rituale dazu perfekt und glaubwürdig ein, sodass man nicht unterscheiden kann, was die Leute im Gudbrandsdalen tatsächlich früher so gemacht haben und was nicht.  


Ein Roman in dem man unterhalten wird, in dem seine Fantasie beflügelt wird und in dem man zu guter letzt noch etwas über das Aussehen und die Bedeutung der schwindenden Stabkirchen lernen kann.

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