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Das ewige Beigemüse
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Das ewige Beigemüse

Wir jammern oft über die oberflächliche Welt der Mode und der Werbung. Gefragt ist nur, wer gross, schlank (oder dünn) und im allgemeinen Sinn «attraktiv» ist. Für Leute, die aus dem Durchschnittsraster fallen, ist da kaum Platz. In Filmen und auf Theaterbühnen ist es nicht ganz so, dort ist ein breiter Raster an Typen gefragt. Aber auch hier gibt es Ausschlusskriterien. Ein Mann mit 160 Zentimetern Körpergrösse und 160 Kilo auf den Rippen wird kaum als jugendlicher Liebhaber besetzt, so unfair es sein mag.


Nur wenige Ausnahmen

Das Resultat: In den meisten Hollywoodproduktionen scheinen die Heldenrollen einem Schnittmuster entsprungen zu sein: Kantige Gesichtszüge, muskulöser Körperbau, stählerner Blick. Perfekt zum Anschmachten eben. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber das vor allem in Komödien. Wenn es lustig werden soll, darf auch Danny de Vito die Hauptrolle übernehmen, hinterm Lenkrad bei «The Fast and the Furious» würde er keine Chance kriegen. Durchschnittliche Typen wie Tom Hanks, durch die man - wäre er nicht berühmt - auf der Strasse einfach hindurchsehen, schaffen es dank ihres Ausnahmetalents, aber nicht aufgrund ihres Gesichts.


Was eigentlich schade ist. Schliesslich sollen Filme dem Leben entspringen, und wir sehen nun einmal nicht alle aus wie die Chippendales. Nachhaltig Eindruck machen uns aber meist diejenigen, die nicht aussehen, als wären sie im Fitnessstudio aufgewachsen, und die Wiedererkennung ist ja durchaus ein gesuchtes Merkmal bei Filmen und Serien. «Wo habe ich den schon mal gesehen?» ist ein beliebtes Ratespiel auf der Couch.


Gesichter ohne Namen

Beispiele dafür gibt es viele. Wer Steve Buscemi jemals auf die schiefen Zähne geschaut hat, vergisst den Mann nicht mehr. John Turturros irrer Blick ist unverwechselbar. Die beiden haben das Glück, dass Leute wie Quentin Tarantino oder die Coen-Brüder Freude an ihnen haben, ihre Namen kennt man als Filmfreund, und für winzige Rollen müssen sie keine Klinken putzen. Aber es gibt unzählige Schauspieler, die sich fast wie ein Einrichtungsgegenstand im Wohnzimmer anfühlen, weil sie dauernd präsent sind - nur ihre Namen bleiben ein Geheimnis.


Ein beliebiges Beispiel dafür ist William Devane. Jede Wette, dass fast alle dem schon mal in die Augen geschaut haben. Wenn es einen Spitzenpolitiker oder eine Figur an der Spitze einer Behörde zu besetzen gilt, denkt jeder Castingagent an Devane. So absolut amerikanisch, irgendwo zwischen aristokratisch und bürokratisch: Dieses Gesicht passt immer. Aber kaum jemand weiss, wie der Mann heisst.


Jeder Schauspieler will die Hauptrolle. Aber aus Zuschauersicht sind es die Begleitfiguren, die dem Ganzen den Reiz geben. Der schrullige Obdachlose, der an der Tankstelle den Helden anbettelt, die redselige Oma an der Hochzeitsfeier des titelgebenden Pärchens: Wären sie schauspielerisch nicht (mindestens) so begabt wie die grossen Namen, würde einiges fehlen. Es gibt in Hollywood Darsteller, die sich von Nebenrolle zu Nebenrolle hangeln und inzwischen eine dreistellige Filmografie vorzuweisen haben. Davon kann man übrigens durchaus leben. Vermutlich sogar besser als die Stars. Denn jeder kennt dich irgendwie - aber niemand will ein Autogramm, während du Milch kaufst.

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