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Das fabriggli sucht Theaterbegeisterte

Was ist das fabriggli?

Das fabriggli bietet seit 40 Jahren Vorstellungen und Programm für Kinder und Jugendliche an. In öffentlichen Vorstellungen und in geschlossenen Schulvorstellungen. Zudem war es seit jeher ein Anliegen, dass diese Altersgruppe auch selbsttätig sein kann, sich auf der Bühne ausprobieren darf, Theater spielen entdecken kann. In den Anfängen entstanden immer wieder Theaterprojekte, in denen Kinder für einen kürzere Zeit in einem WorkShop, in einem Kurs, in einer Ferienwoche ...Theater spielten. Aber es gab keine Kontinuität. Kein Angebot, das sich über alle Altersklassen zog und wo einem die Möglichkeit geboten wurde, dran zu bleiben, von Klein bis Gross.

Und so haben wir vor Jahren, ich meine es sei das Jahr 2008 gewesen, den ersten «spiel.raum» ins Leben gerufen. Über die Jahre hat das Projekt dann Zuwachs bekommen, bis wir beim heutigen Stand angelangt sind: Theater.gruppen von den Altersgruppen 5-Jährige bis Erwachsene: «spiel.garten», «spiel.raum», «spiel.platz», «spiel.bude» und die fabriggli Eigenproduktionen.

Manche Kinder beginnen zu spielen und es nimmt ihnen den Ärmel rein und sie kommen Jahr für Jahr für Jahr. Sie pflegen regelmässig ein Hobby bei uns. Andere kommen für eine Saison, geniessen es, treten am Ende auf und wenden sich dann wieder anderen Interessen zu. Alles ist möglich.

Was sind eure Ziele mit dem Theater spielen?
Für uns ist es wichtig, dass es in allen Gruppen nicht nur ums Endprodukt geht (bei den zwei jüngeren Gruppen gar nie zentral) sondern dass die Teilnehmenden sich ausprobieren können, sich, den eigenen Körper, die eigene Stimme, den Atem .... kennenlernen. Wie geht man mit Lampenfieber um, wie muss man atmen, wenn man aufgeregt ist. Was hilft, wenn man meint, nichts geht mehr? Wie stelle ich mich hin, wie wirke ich auf andere? ....  Theater spielen hat viel mit Vertrauen zu tun. In sich, in die Gruppe und die Leitung. Man muss folgen und führen können. Sich einordnen, aber auch manchmal den Ton angeben. Texte lernen. Abläufe im Kopf haben. Bewegungen, Emotionen, Körperhaltung .... so Vieles spielt beim Theater eine wichtige Rolle. Ich höre immer wieder von Eltern, dass ihre Kinder im «Leben», in der Schule vom Theaterspielen profitiert haben. Sie tanken Selbstvertrauen. Und sie üben spielerisch Fertigkeiten, die sie an verschiedenen anderen Orten einsetzen können.

Was ist deine Rolle im fabriggli?
Ich leite im fabriggli das Ressort Kinder- und Jugendprogramm. Von daher liegt auch dieses Projekt bei mir. Ich habe es entwickelt, suche die Leitungen, habe auch schon selber Kurse geführt. Aktuell mache ich aber «nur» die Organisation. Anmeldungen, Begrüssungen, Informationen verfassen und weitergeben, Chats eröffnen, die Verbindung zum fabriggli machen, die Fäden in der Hand und die Übersicht behalten ... und eben auch für diese «Werk.stätten» werben.

Wie sind die Theatergruppen ausgelastet?
Der «spiel.garten» und der «spiel.raum» sind ausgebucht oder beinahe ausgebucht. In den zwei Gruppen für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen gibt es leider noch ziemlich viel Platz. Ich bin sicher, dass es viele junge Menschen gibt, die gerne Theater spielen würden und denen es als Ausgleich zu Schule und Berufsleben auch sehr guttun würde. Die Frage ist, wie wir diese Altersgruppe erreichen, informieren können. Die Gruppe der Oberstufen SchülerInnen war letztes Jahr sehr gut besucht. Nun haben aber viele in das Berufsleben oder eine weiterführende Schule gewechselt und möchten mal ein Jahr pausieren, um sich nicht zu überlasten. Nun muss «neues Blut» nachkommen.


Wie kann ich mir 5- Jährige beim Theater spielen vorstellen?
Sehr spielerisch und prozessorientiert. Da ist der Weg und nicht das Produkt das Ziel. Junge Kinder können noch nicht reproduzieren, das heisst, sie können Szenen schlecht wiederholen. Dinge entstehen im Moment. In dieser Gruppe geht es vor allem um den eigenen Körper kennenzulernen, Vertrauen in die Gruppe und in sich zu fassen, Spass zu haben in einer Gruppe, viele verschiedene theaterpädagogische Grundspiele zu machen, die Stimme zu erleben, am Ende auf einer Bühne stehen und sich im Rampenlicht vor Publikum trauen, zu spielen. Strahlende Gesichter zum Schluss sind der Lohn.


Wer liest die Theaterstücke aus, was für Stücke sind das?
In den zwei jüngsten Gruppen geht es, wie geschrieben, nicht um das Endstück. Da zeigen wir am Ende eine «werk.schau», ohne Anspruch auf Perfektion. Je nach Gruppen ist es ein zusammenhängendes kurzes Stück, eine gespielte Geschichte oder aber es ist ein Einblick in das Spielen während der ganzen Saison, gezeigte, geeignete spielerische Übungen. Die Entscheidung liegt bei der Leitung, im Blickwinkel immer die Kinder/die Gruppe. Bei den zwei älteren Gruppen liegt das Augenmerk auf den Endproduktionen. Das sind dann auch Eigenproduktionen mit einem höheren Anspruch. Gezeigt im Abendprogramm. Es ist ganz unterschiedlich. Manchmal sind es Stücke, die in der Gruppe mit den Spielenden entwickelt und geschrieben werden, manchmal kommen die Ideen aus der Gruppe und die Leitung schreibt das Skript oder es wird nur das Thema oder die Art des Stücks, das Genre zusammen bestimmt und die Leitung sucht ein passendes geschriebenes Stück, das dann vielleicht noch an die Gruppe angepasst wird. Alles ist möglich.


Hast du eine Vorstellung, weshalb sich die jungen Erwachsenen nicht sonderlich angesprochen fühlen, nebst dem Zeitmangel in der Ausbildung?
Ich vermute einerseits echt Zeitmangel. Ich habe selber Jugendliche in diesem Alter zu Hause. Neben einer Ausbildung oder höheren Schule noch Theater zu spielen ist nicht ganz einfach. Arbeiten, lernen und Theater unter einen Hut zu bringen, eine Herausforderung. Zudem haben viele Jugendliche bereits ein Hobby gefunden und sind dort verpflichtet. Mein Sohn beispielsweise spielt Fussball. Seit Jahren. Daneben hat Theater spielen leider keinen Platz, obwohl er es sehr gerne machen würde. Und ich glaube, wir erreichen die Jungen mit unserer Werbung nicht. Wie und wo muss ich auf das Angebot aufmerksam machen? Schwierig. Zudem gibt es vielleicht auch eine Zeit, in der Theater spielen grad nicht so cool ist. Wenn die Pubertät unsicher macht, ist es nicht ganz einfach auf eine Bühne zu stehen und locker zu spielen. Was aber grad in dieser Zeit sehr hilfreich sein kann.

Ich bin aber sicher, es gäbe genügend junge Menschen, die sich dafür interessieren. Ich bin voller Hoffnung, dass wir den «spielplatz» und die «spielbude» auch noch voller bekommen. War immer so.


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