Der Umgang mit Fehlgeburten
Bild/Illu/Video: Milena Rominger

Der Umgang mit Fehlgeburten

Wahrscheinlich gibt es noch viel mehr unbemerkte Schwangerschaften, die zur Zeit der Menstruation «weggehen». Niemand weiss das. Nur die Natur tut es. Sie weiss, wie sie es sich einrichten kann, damit ein Embryo zum Menschlein wird. Lässt es gehen, wenn etwas fehlt oder nicht stimmt. Die Natur macht ihre Sache gut. Für die Frau, die Abschied nehmen muss, ist das eine übernatürlich schmerzliche Erfahrung.


Denn die Frau richtet es sich ein. Von der ersten Vermutung, bis zum positiven Schwangerschaftstest, hat sie ihr ungeborenes Kind schon längst in ihr Herz geschlossen und möchte es nicht mehr gehen lassen. Ganz klar. Aber wie geht Frau damit um, wenn sich das winzige Geschöpf in ihr doch einen anderen Weg ausgesucht hat? Und geht?


Man könnte es hier katalogisieren und sagen: Je früher der Abort, umso schneller kommt die Frau darüber hinweg. Das zu tun, wäre ein Wagnis. Eines das nicht stimmt. Es gibt Frauen, die nicht nur eine, sondern mehrere Fehlgeburten nacheinander erleiden mussten. Da ist der Schmerz bestimmt auch schon in Woche sechs oder sieben übergroß, wenn die Frühschwangerschaft endet. Und dann kann es sein, dass die Angst ein weiteres Kind zu verlieren noch viel grösser wird. Deshalb ist es umso wichtiger, das Erlebte gut zu verarbeiten. Mit jemandem darüber zu sprechen, auch wenn es noch so wehtut. So kann sich der Schmerz, der so tief sitzt lösen.


Aber was tun, wenn einem nicht zum Reden ist?

Dafür gäbe es Internetforen, mit Frauen, denen dasselbe wiederfahren ist. Dort kann man sich anonym und schriftlich über den Schmerz austauschen. Oder man könnte einen Brief schreiben, Abschied nehmen und versuchen, loszulassen. Seine Stimme mit dem Handy aufnehmen, abhören und schliesslich das Gesagte löschen. Schon bekommt man das Gefühl, man würde es jemandem erzählen. Oder Selbstgespräche führen, während man alleine ist. Die Gedanken frei lassen, während man sie ausspricht. Das kann schon eine gefühlte Milderung des Schmerzes verursachen.


Loslassen ist hierbei das Schlüsselwort. Und das ist nicht einfach. Aber um nach vorne sehen zu können, muss Frau loslassen. Damit es ihr gut geht, damit sie wieder atmen kann, damit sie wieder leben kann. Egal, ob sie sich für eine weitere Schwangerschaft bemühen möchte oder eben nicht.


Frau sollte auf sich selbst hören, und nicht auf irgendwelche Sprüche, die in dieser für sie sensiblen Phase des Lebens heikel erscheinen. Wie zum Beispiel: «Das wird schon, bleibt dran.»


Und dann, wenn es doch wieder soweit ist, und ein zweiter roter Streifen auf dem Schwangerschaftstest zu sehen ist, dann sollte sich Frau darüber freuen. Auch wenn sie tierische Angst vor einer weiteren Fehlgeburt hat. Denn die Zeit, in der sich Frau freut, ist eine wunderbare Zeit. Freudige Zeiten bleiben in Erinnerung. Es bringt nichts, davon auszugehen, dass es wieder nicht klappen wird. Eine Frau hat ihre Fehlgeburten einst so verarbeitet. Sie sagte, sie sei glücklich darüber gewesen, einer Seele ein zu Hause bieten zu können. Auch wenn diese Seele nur für kurze Zeit zu Besuch war. Aber sie war da, und sie habe den Besuch genossen.


Allen Frauen mit dieser Erfahrung sei Kraft, Respekt und Vertrauen in sich selbst gewünscht.

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