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«Die geheimnisvolle Türe ins Dinosaurierland»
Bild/Illu/Video: Regula Aeppli-Fankhauser

«Die geheimnisvolle Türe ins Dinosaurierland»

Gelangweilt stochert Dina mit einem Stecken in der Glut des Lagerfeuers herum. Sie hatte keine Wahl und musste diesen Familienausflug nach Beckenried mitmachen. In diesem Moment ahnt sie noch nicht, dass dieser Tag eine dramatische Wendung nehmen und sie schon bald in Gefahr geraten würde.


«Die zwei D – Dario und Dina, was für ein Traumpaar. Nur wo ist er bloss, dein Dario-Schätzeli?» foppt ihr Bruder Gian sie. Ach, was können Brüder nerven. Sie mag gern mit Dario spielen – na und? Deswegen ist er noch lange nicht ihr «Schätzeli». Dinas Wangen glühen genauso stark, wie die Glut, auf der vor kurzem ihre Würste brutzelten. Hilfesuchend schaut sie sich nach ihren Eltern um. Doch ihre Mutter döst auf dem Badetuch im Schatten liegend und ihr Vater beobachtet begeistert die Kletterer an der Felswand. Der hat bestimmt keine Lust, sich ihre Klagen über ihren Bruder anzuhören.


Seufzend steht Dina auf, wischt sich mit den Händen den Hosenboden vom Laub sauber und lenkt ihre Schritte von der Familie weg ins nahe Unterholz. «Hey, wohin gehst du?» ruft ihr Bruder ihr zu. «Pinkeln. Und wehe, du kommst schauen, dann verpetze ich dich bei Papi und Mami», schreit Dina drohend zurück. Ohne sich umzudrehen, läuft Dina weiter und wundert sich, dass Gian ihr tatsächlich nicht zu folgen scheint. Doch - was ist das? Sie steht unmittelbar vor einer verwitterten Türe. Sie muss früher mal blau gewesen sein – die Farbe ist schon fast vollständig abgeblättert. Was sich dahinter wohl verstecken mag? Der rostige Verschluss lässt sich leicht öffnen.


Staunend und neugierig tritt Dina durch diese geheimnisvolle Türe. Sie führt nicht in ein Gebäude, sondern hinter der Türe breitet sich ein weites Land aus und ihr Blick öffnet sich hin zu einem langgezogenen Sandstrand. Bevor sie Zeit hat, ihre Gedanken zu ordnen, wird sie fast von zwei seltsamen Wesen gerammt. «Dino, Dino!» schreien beide im Laufen. Und: «Aus dem Weg!» In letzter Sekunde kann sie sich mit einem Sprung zur Seite retten. Aber – das sind doch Dinosaurier, wundert sie sich und reibt sich verblüfft die Augen. Träumt sie? Wie auf ein Kommando bleiben beide Tiere urplötzlich stehen, machen rechtsumkehrt und nähern sich vorsichtig Dina. Diese ist gut im Schätzen von Grössen und ertappt sich beim Blitzgedanken: «Die sind bestimmt je 2 Meter hoch und etwa 6 Meter lang.» Ihr Herz pocht stark beim Anblick dieser Riesentiere. Einer der beiden Dinosaurier schnaubt und fragt vorsichtig: «Was für ein Jungtier bist du denn? Hast du dich verlaufen? Deine Herde sucht dich bestimmt.» - «Ich – also – i-ich...» stammelt Dina, ohne Zeit zu haben, sich zu fragen, warum sie versteht, was die Dinosaurier sagen, «ich bin ein Menschenjunges und ich kam durch diese Türe.» Sie dreht sich um und will auf die Türe zeigen, doch diese ist verschwunden! Dinas Augen weiten sich! Wo ist die Türe? Wie kann sie wieder zu ihrer Familie zurückkehren? Und schon füllen sich ihre Augen mit Tränen und überfliessen. «Ich glaube, ich habe mich tatsächlich verlaufen», schluchzt sie. «Dasselbe ist wohl unserem Dino passiert. Wir suchen ihn verzweifelt.»


«Mein Dino-Baby», jammert das zweite Dinosaurier-Tier. «Das ist Dinos Mutter Dina und ich bin Iguano, sein Vater», erklärt der erste Dinosaurier. «Das gibt’s doch gar nicht», staunt Dina. «Ich heisse genauso wie Dinos Mutter. Ich helfe euch gerne, Dino zu suchen.» Gemeinsam begeben sie sich zum Sandstrand. Dina wundert sich, denn sie befindet sich am Meer. Kreuz und quer laufen die Dinosaurier-Eltern aufgeregt über den Sand, während Dina am Rand stehen bleibt und die Umgebung mustert. «Wo würde ich mich verstecken, wenn ich mit meinen Freundinnen hier spielen würde?», fragt sie sich. Ist dort am Rand eines Gebüschs nicht eine ungewöhnliche Sanderhebung? Dina tritt näher und schmunzelt. Der Sandhaufen scheint zu atmen. «Dino, ich habe dich gefunden», sagt sie gerade laut genug, dass es auch seine Eltern hören und zu ihr kommen. Gemeinsam lachen sie, weil Dino sich aus dem Sandhaufen schält. «Warum hast du uns das angetan?» schluchzt seine Mutter vorwurfsvoll und dennoch mit Erleichterung in der Stimme. «Mir war es nur langweilig. Nichts Spannendes läuft mit euch zusammen. Ich brauche etwas Action», brummt Dino. Wie gut kann Dina ihn verstehen. «Schön und gut, aber dass wir Ängste ausstanden, daran hast du nicht gedacht?» will nun auch Iguano wissen. Bei diesen Worten wird es Dina mulmig. Ob ihre Eltern sie ebenfalls suchen? «Ich will zurück zu meiner Familie. Ich kam durch eine alte Türe zu euch, sah sie aber nicht mehr. Könnt ihr mir helfen, sie wieder zu finden?» Und wieder sind alle gemeinsam auf der Suche: die zwei Dinas, Dino und Iguano. Dieses Mal lautet der Suchauftrag: eine geheimnisvolle Türe zu finden.


«Dina! Dina!» hören sie plötzlich. Das sind doch die Rufe von Dinas Eltern und sogar Gians Stimme kann Dina heraushören. Als sie zusammen mit der Dinosaurierfamilie dem Klang der Stimmen folgt, entdecken sie plötzlich die gesuchte Türe. Sie ist auf dieser Seite fast vollständig von Efeu überwuchert. Kein Wunder konnte Dina sie nicht mehr auf Anhieb erkennen. «Hier ist die Türe zu meinem Zuhause. Die Stimmen, welche dahinter zu vernehmen sind, stammen von meiner Familie. Ich muss euch hier tschüss sagen», sagt sie traurig. «Ja, Jungtiere gehören zu ihren Eltern. Gehorche ihnen schön», sagen die Dinosauriereltern zu Dina. «Und sorge für Action mit ihnen zusammen», zwinkert Dino ihr zu. «Tschüss», winkt Dina, während sie durch die Türe tritt und sie sorgsam hinter sich zu zieht. Sie läuft den suchenden und verzweifelt klingenden Rufen entgegen und stösst schon bald auf ihre Familie. «Wo warst du denn, wir haben Ängste ausgestanden, weil du so lange weg warst?» fragt ihr Mutter sie mit bebender Stimme. Dina kommen diese Vorwürfe so bekannt vor. «Ich wollte nur etwas Action und Verstecken spielen. Es war mir langweilig mit euch», brummt sie. «Du wirst nicht glauben, was ich unterdessen beim Surfen mit dem Handy herausgefunden habe», erklärt ihr Bruder aufgeregt. «Hier war vor langer Zeit ein Sandstrand und Forscher fanden im Jahr 2000 drei Dinosaurierspuren. Es waren Iguanodontiden, pflanzenfressende Saurier. Die Tritte sind 28 bis 35 Zentimetern lang. Die Dinos müssen etwa 5 bis 6 Metern lang gewesen sein. Durch die Faltung der Alpen wurde aus dem Sandstrand ein steiler Fels und die versteinerten Spuren sind heute noch an der Felswand sichtbar.» - «Die Spuren gehören Dino, Dina und Iguano», platzt Dina heraus. «Wie meinst du das?» fragen ihre Eltern und Gian aus einem Mund. «Das ist eine lange, ungewöhnliche und unglaubliche Geschichte», beginnt Dina zu erzählen.


Hier gibt es die ganze Geschichte ausserdem noch in Englisch:

«The mysterious door into the land of the dinosaurs»

Dina poked the glowing coals of the campfire with a stick, and sighed. She hadn't been given a choice as to whether to come on the family outing to Beckenried or not. She was bored, and she had no idea that the day would take an exciting turn very soon.


«The two D's - Dario and Dina, the dream couple. And where is your darling Dario right now?» teased her brother Gian. Brothers could be so annoying. So she liked playing with Dario, so what? That certainly didn't make him her «darling»! Dina's cheeks were glowing almost as red as the coals on which their sausages had recently been sizzling. She looked to her parents for help. But her mother was dozing on a towel in the shade and her father was keenly watching the rock-climbers on the cliff. He was unlikely to be interested in her complaints about her brother. With a sigh, Dina stood up, brushing the leaves from with both hands, and started heading away from her family, into the nearby undergrowth. «Hey, where are you going?» her brother called after her. «For a pee. And don't you dare come peeping, or I'll tell Mum and Dad on you!» Dina yelled back threateningly, without turning around. She kept walking, slightly surprised that Gian really didn't seem to be following her.

But what was this? Dina found herself standing in front of a weathered door. It must have been blue at one time, but the colour had mostly flaked off. What could be behind it?  The rusty latch opened surprisingly easily.


Intrigued, Dina stepped through the mysterious door. It did not lead into a building, but into a completely different landscape. A wide, sandy beach stretched before her. Before she had time to get her head around this, two strange creatures sped past, almost crashing into her. As they ran, they shouted «Dino! Dino!» Dina only saved herself at the last second by jumping to the side. But they're dinosaurs, she thought in wonder, rubbing her eyes. Was she dreaming?


As if on cue, the two creatures stopped dead, spun around, and approached Dina cautiously. She was good at estimating sizes, and the thought came to her almost unprompted: They must be at least 2 metres tall and about 6 metres long! Her heart was pounding as the giant animals approached her.


One of the dinosaurs sniffed and asked diffidently «What sort of a creature are you? Are you lost? Your herd must be looking for you.» Dina had no time to ask herself how come she could understand what the dinosaur was saying. «Um, I – well, I am a human and, um, I came through that door,» she stammered. She glanced back, meaning to point in the direction of the door, but it was gone! Dina's eyes widened. Where could it be? How would she get back to her family now?  Her eyes began to fill with tears, and quickly overflowed. «I think I really am lost!» she sobbed.

«So is our Dino. We've been looking for him for ages!» said the dinosaur.

«My little Dino,» moaned the second dinosaur.

«This is Dino's mother Dina, and I'm Iguano, his dad,» explained the first one.

«Fancy that!» exclaimed Dina. «I have the same name as Dino's mother. I'll help you look for him.»


Together, they headed for the beach, Dina still amazed that they were now by the sea. The dinosaur parents ran this way and that across the sand in distress, while Dina remained standing at the edge, getting a sense of her surroundings. «Where would I hide, if I was playing here with my friends?» she asked herself. Was that a rather strange sandhill next to that bush? Dina went a little closer, and smiled to herself. The heap of sand appeared to be breathing. «Dino, found you!» she said, just loudly enough for Dino's parents to hear and head towards her. They laughed as Dino dug himself out of the sand.

«Why did you hide like that?» asked his mother, reproachful and visibly relieved. «I was just bored. Nothing exciting ever happens here. I need some fun!» grumbled Dino. Dina knew exactly how he felt.


«That's all very well, but did you ever stop to think that we might be worried about you?» demanded Iguano.

At these words, Dina felt a bit sick. Maybe her parents were even now searching desperately for her. «I want to go back to my family now,» she said. «I came to you through an old door, but I can't see it any more. Can you help me to find it?»


And straight away the search was on again, this time for the mysterious door.

Then, all of a sudden, they heard people calling. «Dina! Dina!» It was Dina's parents, and she could make out Gian's voice too. By following the sound, Dina and the dinosaur family finally came upon the lost door. It was no wonder that Dina hadn't been able to see it, as it was almost overgrown with ivy on their side. «This is my way home. Those voices from behind it are my family, so I'll have to say good-bye now,» she said sadly. «Well, young animals belong with their parents. Make sure you're good for them,» the dinosaur parents told her. «And make sure you have fun with them!» winked Dino.


Dina waved goodbye as she stepped through the old door and pulled it carefully shut behind her. She ran towards the worried shouts, and soon came to her family. «You were gone for so long, we were frightened! Where have you been?» her mother asked in a trembling voice. It all sounded so familiar. «I just wanted some fun, so I was playing hide and seek. I was bored,» Dina grumbled. «Well you won't believe what I found out while I was browsing on my phone,» her brother told her excitedly. «This used to be a beach, eons ago, and in the year 2000, researchers even found the tracks of three dinosaurs right here!  They were iguanodontids, a type of plant-eating dinosaur. The footprints they found are 28 to 35 centimetres long, so the dinosaurs must have been 5 or 6 metres themselves! And then through the folding of the Alps, the sandy beach became a steep cliff, and you can still see the fossilised footprints on the cliff face!» he finished. «Those footprints belong to Dino, Dina and Iguano!» cried Dina, unable to contain herself. «What do you mean?» asked her parents and Gian with one voice. «Well, it's a long story,...» and Dina began to tell it.


Infos zum Projekt:
Geheimnisvolles Nidwaldnerland – Mysterious Nidwaldnerland

Meine 5 Kinder-Kurzgeschichten handeln in Nidwalden. Ich lasse darin die Eigenart der Innerschweiz lebendig werden. Michaela O’Connor hat die hochdeutschen Texte ins Englische übertragen.





































Mehr zur Autorin:

Mit dem Büchlein «Geheimnisvolles Nidwaldnerland - Mysterious Nidwaldnerland» erfüllte sich Regula Aeppli-Fankhauser Ende Oktober einen Lebenstraum. Es ist in jeder Buchhandlung zum Preis von CHF 10.50 bestellbar.


Jahrgang 1963, Mutter von drei erwachsenen Kindern. Seit 1987 glücklich verheiratet mit Andy. Begeisterte Ganzjahreswanderin und Mitarbeiterin für Kindergottesdienste. Line Dance und Pilates bereiten ihr ebenfalls Spass. Ihre Fotos verarbeitet sie zu Kunstobjekten auf Leinwand oder Holz. In ihrem Gmerkigs-Blog hält sie merkenswerte Erlebnisse fest.


Bisherige Publikationen:

Zwei Kurzgeschichten im Täxtzit - die Schweizer Literaturschrift

Beitrag in «Dieser Moment», Anthologie aus der Schweiz, Vidal-Verlag.

Kurzgeschichte in der Anthologie «An der Sonne», Vidal-Verlag

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