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Die grosse Chance der «Kleinen»
Bild/Illu/Video: zVg.

Die grosse Chance der «Kleinen»

Ein neues Shoppingportal rund um Bücher, lanciert vom früheren Chef des traditionsreichen St.Galler Buchladens «Rösslitor»: Das gibt dieser Tage in der Branche zu reden. Denn es fehlt nun wirklich nicht an Möglichkeiten, Bücher online zu bestellen, warum also ein neues Angebot. Der Initiant Jörg Caluori sagt über sein Projekt, er wolle mehr als nur einen virtuellen Warenkorb bereitstellen. Digitale Lesungen, Blogdebatten über Bücher und anderes mehr soll «Buch Schweiz» zu einer Plattform rund ums Lesen machen.


Buchhändler «verschwinden»

Der erfahrene Buchhändler reagiert damit auf eine beunruhigende Entwicklung im Buchgeschäft: Die sinkende Rolle der Beratung. Einst war Buchhändler ein Beruf, den man sehr bewusst auswählte. Man wollte eben nicht einfach etwas verkaufen - Schuhe, Sportartikel oder Frischfleisch von der Theke -, sondern war stolz darauf, Bücher an den Mann oder die Frau zu bringen. Es ging darum, mit dem angeeigneten Wissen eine Orientierung im wachsenden Dschungel des Lesestoffs bieten. Heute, das zeigen Stellenanzeigen, suchen viele grosse Bücherläden einfach Detailhandelsangestellte, denen Bücher wenigstens nicht völlig fremd sind. Was das für die Beratung der Kundschaft heisst, dürfte klar sein.


Auf den Geschmack bringen

Und deshalb boomen ironischerweise derzeit eher die kleinen Buchläden, denen man angesichts der Digitalisierung bereits den Untergang prophezeit hatte. Denn im Unterschied zu einem Rucksack oder Schuhen, die man für die anstehende Wanderung braucht, kann es im Fall eines Buchs sein, dass man mit drei oder vier Stück aus dem Laden geht, obwohl man nur schnell ein bisschen herumschnuppern wollte. Jedenfalls, wenn das Personal mit Wissen glänzt, persönliche Empfehlungen abgeben kann und einen auf einen Geheimtipp aufmerksam macht. Das ist oft der Fall bei inhabergeführten, kleineren Läden, in denen die Leute ihr Sortiment wirklich kennen - und den Geschmack ihrer Kunden.


An der Kasse stehen und warten, bis jemand mit seinem Fund kommt, um zu bezahlen, reicht eben nicht. Ein Bücherladen ist kein Supermarkt, in dem man eine zuhause vorbereitete Einkaufsliste abarbeitet. Er ist für jeden Literaturfreund eine Schatzkammer, durch die man aber aktiv geleitet werden muss. Gut möglich also, dass es in dieser Branche darauf hinausläuft: Hier der Onlinemarkt sowie die kleinen, auf Beratung setzenden Läden, die beide weiter wachsen - und dort der stationäre Grosshandel, der dem virtuellen Shopping wenig entgegensetzen kann und deshalb Federn lässt. Oder Schlimmeres.


Mehr Infos zum neuen Portal findet ihr hier.

Das ganze Interview auf DieOstschweiz.ch mit Jörg Caluori findet ihr hier.

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