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Die Ostschweiz auf der Überholspur
Bild/Illu/Video: zVg.

Die Ostschweiz auf der Überholspur

Ihr startet ins neue Jahrzehnt mit einer Printausgabe. Wie sehr freust du dich auf die Reaktionen der Leserschaft darauf?
Die erste Freude bestand darin, das fertige Werk selbst in den Händen zu halten. Eine Onlinezeitung ist nicht fassbar, Papier ist ein ganz anderes Gefühl. Und nichts toppt den Geruch von frisch bedrucktem Papier. Aber danach sind wir natürlich gespannt auf die Reaktion der Empfänger. Wir haben das Gefühl, einen guten thematischen Mix zu bieten, und wir haben vor allem der Bildwelt und der Gestaltung sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Dazu kommt die konsequente Verbindung von analog und digital. Bei den meisten Beiträgen der Printausgabe führt ein QR-Code zu weiteren Inhalten online.


Ihr erscheint gedruckt sechs Mal im Jahr. Ist die gedruckte tägliche Zeitung vielleicht bald schon Geschichte?

In der heutigen Form, als Vollzeitung mit Inland, Ausland, Wirtschaft, Kultur, Sport und so weiter: Definitiv ja. Ich habe mit Stichproben schon festgestellt, dass ich 70 Prozent der Inhalte einer Tageszeitung über weite Strecken am Vorabend schon anderswo online gelesen habe. Chancen für Gedrucktes gibt es mit regionalem und lokalem Stoff, weil der nicht buchstäblich überall online zu haben ist, aber auch dort geht der Trend zu digitalen Medien. Jede Studie zeigt die Verlagerung des Leseverhaltens Richtung digitale Medien. Man kann das beklagen. Man kann aber auch darauf reagieren.


Überall in der Medienbranche werden Stellen gestrichen, doch ihr feiert Erfolge. Was macht ihr besser als andere Redaktionen?

Von Erfolg sprechen wir erst dann, wenn sich unsere Projekte über einen gewissen Zeitraum rechnen und tragen, aber noch nicht bei der Lancierung. Vielleicht haben wir es als Kleinverlag in gewisser Weise einfacher. Wir haben kurze Entscheidungswege und probieren Dinge auch einfach mal kurzerhand aus. Und wir können flexibler reagieren auf die Wünsche des Marktes als Grossverlage, die erst noch in einem schweizweiten Konstrukt eingebunden sind. Gleichzeitig müssen wir überdurchschnittlich produktiv sein. Wir haben jetzt in sehr kurzer Zeit viel Neues angerissen, zeitgleich mit dem Magazin kamen ja auch unsere App und die digitale Sonntagsausgabe. Das alles muss jetzt regelmässig und auf gutem Niveau gestemmt werden.  


Wie schwarz siehst du, abgesehen von eurer Zeitung, die Zukunft des Printmarktes?

Lange hiess es bei vielen Verlagen: Wir haben immer eine gedruckte Zeitung gemacht, also machen wir sie weiter. Dann mussten sie ihre Aktivitäten auf online ausweiten. Und nun herrscht zum Teil Ratlosigkeit, was wohin gehört und wie beide Teile finanziert werden können. Papier wird meiner Meinung nach nicht aussterben, aber vereinfacht gesagt: Das, was drauf steht, muss künftig das Papier wert sein. Bei reinen Nachrichten ist das einfach nicht der Fall. Wenn ich beispielsweise in Zukunft pro Woche nur noch zwei gedruckte Ausgaben einer Zeitung erhalten würde, die bei der Einordnung und beim Verständnis von dem helfen, was ich täglich online konsumiere, wäre das aus meiner Sicht ein Gewinn. Vereinfacht gesagt: Für den schnellen Konsum digital, für die Vertiefung analog.


Welche Chancen haben Onlinezeitungen im Schweizer Markt?

Alles hat eine Chance, wenn es ein Bedürfnis befriedigt und gut gemacht ist. Das Bedürfnis nach Informationen im Web ist erwiesen. Man braucht aber eine klare Strategie, geografisch und inhaltlich. Man darf nicht versuchen, alles zu machen. Wir setzen bewusst nicht auf Vollständigkeit bei dieostschweiz.ch, weil das gar nicht zu machen ist. Stattdessen konzentrieren wir uns auf das, von dem wir glauben, dass es die ganze Ostschweiz interessieren könnte. Ganz generell halte ich es für eine gute Entwicklung, dass heute jeder mit wenig Mitteln sein eigener Verleger sein kann. Dass dabei die Qualität stark schwankt, ist klar, aber mit der Zeit trennt sich die Spreu vom Weizen.


Wann dürfen sich die Leser auf neue «Film-Kolumnen» von dir freuen?  

Wenn ich nicht dauernd von Interviewanfragen unterbrochen würde...

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