Die Schattenseite der Sonne – Teil 3
Bild/Illu/Video: Gaudenz Egger

Die Schattenseite der Sonne – Teil 3

Die Sonne scheint, doch der Schein trügt

Die Erde ist ja angeblich rund. Ob sie rund wie eine Scheibe oder wie eine Kugel ist, spielt für mich momentan keine Rolle. Man sieht ja bekanntlich immer nur genau das, was man sehen möchte und höchstens das, was man sich überhaupt vorstellen kann. Für alle, die an drei Dimensionen glauben und sich diese vorstellen können, ist die Erde eine Kugel, wobei unsere zweidimensionalen Mitbürger dieselbe Kugel einfach etwas flacher sehen, eben als eine Scheibe. Stammt eigentlich daher die Redewendung «eine Scheibe haben»? Egal, ich bleibe als Kompromiss bei der Bezeichnung «rund». Sobald wir die Sonne nicht mehr sehen, pflegen wir zu sagen, dass die Sonne nicht mehr scheint. Wissenschaftlich gesehen ist diese Aussage falsch. Aus philosophischer Sicht kann man sich dazu verschiedene Überlegungen ausdenken, eine davon wäre, ob die Sonne nur für jene scheint, die sie auch wirklich sehen?


Du bist, was du siehst!

In der Nacht scheint die Sonne nicht und es ist dem entsprechend dunkel. Im Leben gibt es genauso dunkle Phasen und hier gibt es eine grundlegende Parallele: In der Nacht wissen wir, dass die Sonne irgendwo anders trotzdem noch scheint. Wir glauben es nicht nur, wir wissen es. In der heutigen Zeit können wir ja weltweit kommunizieren und haben Beweise dafür, dass es so ist. Dank diesem Wissen können wir nachts mehr oder weniger beruhigt schlafen, weil es ja bald wieder dämmert. So sähe zumindest die Theorie dazu aus und dieselbe Theorie gilt im Leben: Egal wie dunkel es manchmal sein mag, die Sonne scheint irgendwo weiter. Wir wissen zwar nicht wo und wann sie zurückkommt, aber wir wüssten eigentlich, dass die Sonne nicht ausgeschaltet wurde und nicht so schnell ausgeschaltet wird. Doch wir Menschen sind (leider) so sehr anpassungsfähig, dass wir uns auch schnell ans Schlechte gewöhnen können und jegliche Hoffnung an das Gute damit begraben. Somit gibt es eine Schnittstelle zwischen dem wissenschaftlichen und dem philosophischen Aspekt: Die Sonne scheint schlussendlich nur für jene, die bereit sind, sie zu sehen. Es geht nicht ums sehen oder nicht, sondern um die Bereitschaft und Offenheit, das Gute erkennen zu können. Sehen tut man mit den Augen, Erkennen kommt vom Herzen.


Wer sucht, der findet? Wer nicht findet, «ergrindet»

Scheint uns die Sonne ins Gesicht, so scheint uns das glücklich zu machen. Tut es auch vom psychologischen und neurologischen Standpunkt her, doch daraus entsteht leider oft das folgenschwere Missverständnis, dass unser Glücksgefühl oder unsere Zufriedenheit von äusseren Umständen abhängt. Ich wage zu behaupten, dass dies der grösste Irrglaube von uns Menschen ist! Wer sucht, der findet, doch wir müssen ja nichts suchen, was wir gar nie verloren haben! Die Bezeichnung «kleiner Sonnenschein» hören wir oft, wenn wir von Babys sprechen. Ich weiss zwar nicht, wessen Ursprung diese Bezeichnung hat, doch ich kann mir die eigentliche Bedeutung sehr genau vorstellen. Wenn wir geboren werden, sind wir noch voller Liebe und strahlen das auch aus. Wir beklagen uns nur dann, wenn wir Hunger haben, müde sind oder andere Unannehmlichkeiten haben. Der Autor Thomas Meyer schrieb ein Buch namens „Wäre die Einsamkeit nicht so lehrreich, könnte man glatt daran verzweifeln“ und darin steht ein passendes Zitat: «Mit Kindern wird gesprochen, als wären sie geistig behinderte Götter.» Das lasse ich einfach so stehen und weiter geht’s mit der menschlichen Entwicklung: Durch verstrickte Abhängigkeiten von unserem Umfeld verlieren wir dann leider allmählich diese Verbindung zu unserem eigenen, inneren Sonnenschein und wir suchen alles vermehrt im Äusseren: Aufmerksamkeit, Liebe, Akzeptanz, Zugehörigkeit und so weiter. Wie länger wir danach suchen und wie weniger wir es zu unserer Erfüllung finden, umso mehr beginnen wir, uns zu «ergrinden», also so stark zu hinterfragen, bis wir uns mental verkrampfen und immer mehr die Hoffnung in das Gute verlieren.


Die Hölle auf Erden

In all den verschiedenen Büchern, die ich zum Thema Nahtoderfahrungen gelesen habe, war nie die Rede von einer Hölle. Das beruhigt mich sehr und obwohl ich nicht an eine Hölle als Gegenpart vom Himmel glaube, weiss ich, dass es die Hölle gibt. Unabhängig von unserem Wohlstand, Status, Gesundheit, Freiheit, Frieden oder anderen Umständen können wir uns eine eigene, individuelle Hölle in unseren Köpfen erschaffen. Natürlich geschieht das meist unbewusst, da wir uns unserem vollen Einfluss im Leben gar nicht bewusst sind. Solange man seine Situation gar nicht als Hölle sieht, ist es nochmals etwas ganz anderes. Für mich wäre es nur schon die Hölle, wenn ich in unserem gesellschaftlich anerkannten Hamsterrad auf der Jagd nach Erfolg, Geld, Ruhm oder anderen materialistischen Sachen sein müsste.


Das Rad neu erfinden

Natürlich kann man mich in meiner jetzigen Situation als Glückspilz betrachten, weil ich das Privileg habe, mich voll und ganz auf mich selbst zu konzentrieren. Man darf auch glauben, dass ich meine früheren Entscheidungen unbewusst getroffen habe und dass mir erst jetzt die ganzen Zusammenhänge klar geworden sind. Doch ein ganz wichtiger Zusammenhang davon ist mir gerade erst jetzt klar geworden: Was wäre, wenn ich meine Entscheidungen intuitiv, also aus dem Bauch respektive Herzen heraus getroffen habe? Ich bin gerade damit beschäftigt, wieder vermehrt auf mein Herz zu hören. Doch mir fällt auf, dass ich womöglich in genau diese Falle getappt bin, die ich oben erwähnt habe. Ich habe etwas gesucht, was ich gar nie verloren oder verlernt habe. Ich hab’s einfach nicht mehr erkannt! Und das ist mir erst klar geworden, als ich darüber geschrieben habe! Wieder ein Beweis mehr, wie wertvoll es sein kann, seine Gedanken aufzuschreiben. Das werdet ihr noch ein paarmal hören.

Man kann nicht das Rad neu erfinden, aber man kann die Drehrichtung ändern!

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