Die Symphonie von Alpha und Omega
Bild/Illu/Video: Sandra Peters

Die Symphonie von Alpha und Omega

Haben wir mal das Non-plus-Ultra erreicht, müssen wir es nur noch am Laufen halten. Ein wenig hier, ein wenig da, tralala…

Doch dann kommt das Leben mit einer ganz neuen Idee und zieht uns den Boden unter den Füssen weg.


«So war das nicht geplant!», sagt das Hirn. Vorstellungen zerbrechen, Ideen der Zukunft verlaufen im Sand, das Leben übernimmt die Kontrolle und der Mensch, weiss nicht was ihm geschieht. Zeiten ändern sich und alles was mal so schön gedacht war, zerbricht in tausend Stücke, die nicht mehr gekittet werden können. Ein neuer Lebenszyklus kündigt sich einfach so an und im Grunde hat man es längst gespürt, doch irgendwie wollte man es nicht wahrhaben. Das kann es doch nicht gewesen sein. Ein kleiner Tod, ein kleines Sterben oder auch ein grosses Loslassen beginnt auf der Lebensbühne. Wir gehen in einen Prozess der Veränderung, der schliesslich im Sterben endet. Kein so schönes Thema. Und doch eines der Relevantesten. Sind wir doch alle zu jeder Zeit, in jedem Moment auch diesem Naturphänomen ausgesetzt. Dem Tod. Geburten feiern wir, Neuanfänge werden hoch gepriesen, doch geht es dem Ende zu, bekommen wir Herzrasen, die Atmung stockt, Panik bricht aus. Loslassen wurde nicht gelernt, nicht beigebracht, Nein! Sogar tabuisiert. Ein schönes Leben beinhaltet keinen Tod, kein Sterben, so meint man. Und dennoch holt er uns jeden Tag ein, gehen wir doch zu Bett und wollen einfach nur mal schlafen. Ist das denn nicht dasselbe?! Wir beenden einfach einen Tag.


Ich habe selten jemanden erlebt, der sich nicht auf sein Schläfchen in der Nacht freut, sich dem Schlaf hingeben möchte. Einfach mal wieder Ruhe braucht. Ja, da ist es, das Omega! Und am Morgen beginnt etwas Neues. Das Alpha. Doch ohne das Eine gibt es das Andere nicht. Jede Kündigung des Jobs ist ein kleiner Tod. Jedes Ende einer Beziehung. Jeder Anfang hat ein Ende….jedes Ende einen Anfang. Warum nur das eine feiern und nicht auch das Andere.


Ich erinnere mich an meine Happy-Divorce-Party vor einem Jahr. Es war ein Aufatmen als die Scheidung durch war, es war ein Abschied und ein Neuanfang. Ich möchte dabei erwähnen, dass das Loslassen meiner Ehe ein echter «Emotional-Krampf» war. Warum?! Das könnt ihr euch bereits denken: «Loslassen - nicht gelernt!» Doch durfte ich die natürlichen Zyklen von Werden, Veränderung, Sterben, dadurch hautnah erfahren und lernen. Loslassen ist wie alles andere absolut natürlich. Kein Kind hat ein Thema mit dem Ende, ausser man konditioniert es darauf, weil es ja so schlimm ist, zu sterben! Und ich möchte nicht ausser Acht lassen, dass es unglaublich weh tut, einen Menschen, den man liebt zu verlieren. Doch weiss ich auch warum! Weil ich mich nie mit dem Tod und dem Sterben auseinandergesetzt habe. Weil mir niemand beigebracht hat, dass es zum Leben dazugehört. Keiner hat mit mir als Kind darüber geredet, dass Alles einmal vorbei ist. Und so entsteht Drama! Festhalten im ganz grossen Stil. Bloss nicht Loslassen, was nicht mehr zu dir/ mir, zu meinem Leben gehört, was gehen darf um Neues hervorzubringen.  Nicht dass ich was gegen Drama hätte, auch das ist ein Teil des Lebens, aber man kann es eben als das durchschauen und einfach weitergehen. Drama ist das, was ich schon als Kind gern inszenierte, manchmal bewusst, manchmal unbewusst, so wie es grad passte. Jedes Kind kann das, nur als Erwachsener denkt man, man sei es. Schätzchen, ich kann dir eines sagen, auch das ist nur eine Rolle! Das ist auch der Grund, warum ich Filme und Theater mag, man kann alle Rollen dieser Welt beobachten, mitweinen, mitlachen, einfach nur sich austoben in all seinen Gefühlen. Ich habe irgendwann mal angefangen auf meiner Lebensbühne all diese Facetten auszuleben. Seitdem weiss ich was Leben ist. Und sollte mal mein letzter Tag auf diesem grossartigen Planeten gekommen sein, gehe ich mit einem dicken Grinsen und dem Satz: «Kinder! Lebt euer Leben!» Denn dann ist das Ende ein neuer Anfang! Auf eine andere Art und Weise, aber auch von Bedeutung!


Wer sein Leben gelebt hat, an nichts festgehalten hat, sondern sich dem Leben und dem Flow hingibt, erlebt und erfährt so viele Facetten eines Lebens, dass es einem fast schwindelig werden kann. Auf einmal steigt man aus diesem Hamsterrad der Gesellschaft aus und wird an Orte und zu Menschen geführt, die man zuvor niemals kennengelernt hätte, wäre man dort geblieben, wo man glaubte sein zu müssen. Auf einmal beginnt sich das Lebensrad zu drehen und verpasst einem eine interessante Geschichte nach der Anderen. Das Leben bekommt einen neuen Drive, neuen Schwung. Alles wird magischer und auch wertvoller, bekommt das Leben doch endlich einen Sinn. Das Leben zu leben.


Erlauben wir den Tod wie die Geburt, das Geben wie das Empfangen, das Helle wie das Dunkle, das Starke wie das Schwache, erfahren wir unsere eigene Natürlichkeit, unsere wahre Lebendigkeit und erfahren das Bewusstsein unseres allerletzten Momentes, der uns zuzwinkert und ganz leise zuflüstert: «Genauso geht Leben!»


Erlaubt euch ein Loslassen von Situationen, Menschen, Gegebenheiten die euch unglücklich oder  sogar krank machen, geht den Weg eures Herzens, eurer inneren Natur, denn jedes Omega ist auch ein Alpha.


In diesem Sinne, eure JC

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