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Die überflüssige Berufsgattung
Bild/Illu/Video: Christian Imhof

Die überflüssige Berufsgattung

Einen bestimmten Film auf vielen Zeilen beurteilen, nach Qualität, Dramaturgie, dem Können der Darsteller, der Botschaft: Das ist ja eigentlich ein Traumjob. Denn man kann sich Filme anschauen und danach die eigene Meinung zum Besten geben. Das ist es nämlich, nicht mehr und nicht weniger: Eine Meinung. Selbstverständlich gibt es auch Kriterien, die objektiv gemessen werden können (zum Beispiel, wenn das Mikrofon ins Bild hängt...), aber um das zu sehen, brauchen wir keinen Filmkritiker.


Filme sind analog zu Büchern und Liedern Geschmacksache. Und die meisten der Dinge, die Filmkritiker bemängeln oder loben, hängen direkt mit ihren eigenen Vorlieben zusammen. Das klingt nun furchtbar banal, aber es heisst nichts weniger, als dass man sich den Kinobesuch nicht von einem wortgewaltigen «Experten» diktieren lassen sollte. Wobei man eine Filmkritik durchaus nützen kann. Ich beispielsweise gehe jeden Film schauen, den Wolfram Knorr in der «Weltwoche» in der Luft zerreisst. Denn seine und meine Ansicht darüber, was einen guten Film ausmacht, liegen so weit auseinander, dass mir ein solcher Streifen einfach gefallen muss.


Kritiker, ob sie nun Filme, Konzerte oder Theaterstücke besprechen, kranken alle am selben Problem. Sie würden das, was sie beurteilen, eigentlich gern selbst machen, auch wenn sie es selten zugeben. Was soll jemand, der von der Natur mit mageren Stimmbändern ausgestattet wurde, denn sonst auch tun, wenn es zur Opernsängerin nicht reicht, sie aber die Oper liebt? Dann studiert man eben etwas in die Richtung und kann dann die Leserinnen und Leser zumindest mit vielen historischen Details zu einer Aufführung beglücken. Aber jeder vernichtenden Zeitungskritik folgen jeweils erzürnte Leserbriefe von Leuten, denen es gefallen hat. Was zeigt: Fachwissen funktioniert zur Beurteilung einer künstlerischen Leistung kaum, denn da spielen Emotionen mit. Die Frage ist: Berührt es mich?


Ich lese Filmkritiken zur Unterhaltung, nicht als Information. Wie soll ein mir fremder Mensch wissen, ob ich einen Film als sehenswert einstufe oder nicht? Was der eine als langatmig einschätzt, ist für den anderen atmosphärisch dicht. Was der eine als experimentell lobt, ist für den anderen einfach wirr. Und deshalb führt kein Weg am Kauf des Eintrittstickets vorbei. Knorr und Co. hin oder her.

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