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Bild/Illu/Video: zVg.

Die Volksmusik und Schlager-Branche im Wandel

Seit 17 Jahren ist Hitsch Auer-Schiess aus Fanas, dank von ihm organisierter Volksmusik und Schlager Anlässe auch über die Grenzen bestens bekannt, Tag und Nacht unterwegs, um Events zu organisieren, sowie Bands und Interpreten zu betreuen. «Ich habe über 30 Gruppen aus dem ganzen Alpenland unter Vertrag», erklärt er auf Anfrage. Dazu kommen Anlässe wie Hochzeiten, die er organisiert und an denen er teilweise auch selber als Moderator und DJ im Einsatz steht. Der erste Lockdown Ende Februar letzten Jahres sei darum gar nicht einmal so ungelegen gekommen, erklärt Auer. «Ich konnte etwas ausspannen und zurücklehnen, da alle davon ausgegangen waren, dass es im Sommer wieder normal weitergehen würde.» Im Sommer war dann tatsächlich auch wieder einiges möglich. Er habe vor allem Hochzeiten und kleinere Events organisieren können und man habe allgemein gehofft, im Herbst wieder so richtig loslassen zu können. «Da entfachte sich bei mir das innere Feuer wieder so richtig», stellt der Entertainer fest. Dann kam der 17. Oktober – der Tag vor Ende von «Hitschis Granatenwoche» und Beginn des zweiten Lockdowns. «Den allerletzten Konzertabend konnte ich nicht mehr durchführen», sagt Auer.


Ausbrennen und neue Zuversicht

Seither ist in Sachen Livemusik und Events überhaupt nichts mehr gelaufen. «Bis Ende Jahr ging alles noch einigermassen gut, da die Event-Organisation zwar meine Berufung, aber nicht mein Hauptberuf ist», erklärt Auer. Danach habe er sich jedoch ausgebrannt gefühlt und habe nicht gewusst, wie es weitergehen solle. Der Fanaser sieht dafür vor allem zwei Gründe: «Einerseits war die Unsicherheit gross, wie es weitergehen sollte, und andererseits spielte ich öfter mal Telefon-Seelsorger für Bandmitglieder.» Die Wende kam mit einer Österreich-Reise: Auer traf Volksmusik-Freunde zum Skifahren, und das befreite offensichtlich. «Plötzlich ging es wieder, und ich konnte neue Zuversicht tanken.» Trotzdem die Corona-Pandemie noch nicht überstanden ist und noch unsicher ist, wann genau wieder grössere Anlässe stattfinden können, merkt Auer, «dass das Ganze wieder kommt». Glücklicherweise hat Auer heuer keine eigenen Projekte, die er in die Realität umzusetzen hat. So kann er sich ganz auf die Betreuung von Bands und Interpreten konzentrieren. Mittlerweile zieht es auch mit den Anfragen wieder an – bereits auch schon welche bis 2023. Dazu schreibt der Prättigauer auch immer wieder Blogs für verschiedene Medien.


Junge zeigen Interesse

Auer hat in den 17 Jahren, die er als Organisator und Moderator unterwegs schon einiges erlebt, und er hofft, auch weiterhin noch einiges erleben zu dürfen. Mittlerweile nimmt er nur noch Aufträge an, bei denen er weiss, dass er sich sicher wohlfühlen wird. «Ich bin eher an kleineren Festen anzutreffen, weniger an der Fasnacht.» Er wolle mit Leuten zusammenarbeiten, die ehrliche Geschichten realisieren möchten und – eines von Auers Hauptanliegen – die Bands live spielen lassen. Hin und wieder tritt er als DJ Edelweiss auch zusammen mit seinem achtjährigen Sohn Christian junior auf, der steirische Harmonika spielt. «Es tut gut zu sehen, dass die Jungen in der Region Interesse an volkstümlichen Traditionen zeigen und auch mal einen `Chüeligurt`anziehen», sagt Auer und nennt als Beispiel die in Saas im Prättigau beheimatete «Lenglerkapellä».

Dass er in der Volksmusikszene mittlerweile einen sehr guten Ruf geniesst, beweist unter anderen die Tatsache, dass die «Tiroler Partymander», ein Stimmungs-Duo aus Österreich, ihm ein Stück namens «Hitschi`s Polka» widmen, dass im Juni auf den Markt kommen wird. Dies zeige die Dankbarkeit der Musikanten für seine Arbeit.


Keine Mega-Anlässe mehr?

Volksmusik und Schlager hätten sich in den letzten Jahren ähnlich wie Rock oder Pop entwickelt, stellt Hitsch Auer fest. Hätten früher eher Bands grosse Stadien gefüllt, so schafften dies in letzter Zeit immer mehr auch Einzelinterpreten. Der Organisator denkt aber, dass Corona die Musikbranche nachhaltig verändern könnte. «Die Zeit der Riesenanlässe, etwa des Münchner Oktoberfests, könnte vorbei sein.» Zudem gebe es gerade im Alpenraum diverse Bands, denen während der letzten Monate buchstäblich der Schnauf ausgegangen sei. Die Entwicklung gehe wohl hin zu mehr kleinen, aber feinen Anlässen, bei denen Herzblut und ehrliche Arbeit im Vordergrund stünden und nicht ein möglichst grosser Profit. Man wird in den nächsten Monaten sehen, ob sich diese Vermutungen bewahrheiten werden. Für die von Auer betreuten Bands wäre eine solche Entwicklung jedoch auf jeden Fall positiv. (ps)

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