DSdS Teil 6 – Masken ab, ihr Narren!
Bild/Illu/Video: Gaudenz Egger

DSdS Teil 6 – Masken ab, ihr Narren!

An der Fasnacht wird vor allem eins: gefeiert! Die fünfte Jahreszeit vereint ihre Verbündeten  durch die Guggenmusik, Umzüge, Kostüme und was sonst noch alles dazugehört. Bei den Kostümen mancher Personen frage ich mich, welche Bedeutung dieses Kostüm für genau diese Person haben könnte. Ich meine im bewussten wie auch im unbewussten Sinn. Ich bin ja davon überzeugt, dass es immer eine gewisse Bedeutung gibt, auch wenn ich die auf mich bezogen nicht immer genau erkennen kann. Und das ist manchmal auch gut so.


Fasnacht als Outing?

Man sieht als Männer verkleidete Frauen und als Frauen verkleidete Männer. Natürlich kann das ganz einfach nur witzig sein und entsprechend amüsant ausschauen, doch was, wenn es um mehr ginge? Unabhängig von unserem Geschlecht besitzen wir alle einen weiblichen und einen männlichen Anteil in uns. Leider haben wir meiner Meinung nach eine ziemlich verschrobene Bedeutung dieser beiden Anteile im Kopf. Für viele von uns geht es bei der Weiblichkeit um das Emotionale, während die Männlichkeit eben das nicht beinhaltet: wir Männer werden von der Gesellschaft dazu erzogen, gefühlslos und so gesehen als «stark» durchs Leben zu gehen. Dieses grobe Missverständnis von «stark» hat sehr vieler unserer männlichen Vorfahren das Leben gekostet und zwar auf verschiedenste Arten. Letzthin habe folgenden Satz gehört: «Frauen kriegen Burnout, Männer sterben.» Dieser Satz meint, dass sich Frauen viel eher mit ihren Gefühlen auseinandersetzen und es schaffen, diese wieder in den Griff zu kriegen. Dieser Weg kann dann in schwierigen Situationen zum Burnout oder einer anderen Form von Depression führen. Männer setzen sich in so einer Situation weniger mit ihren Gefühlen auseinander und wenn sie keine psychischen Schäden erleiden oder in einer Sucht enden, dann können daraus tödliche Krankheiten entstehen. Klingt das nicht wie eine Art Erklärung dafür, dass Frauen eine höhere Lebenserwartung haben als Männer?


Die als Lüge verkleidete Wahrheit

Verkleiden wir uns an der Fasnacht nun genau so, wie wir uns sonst nie zeigen können, aber es gerne würden? Verkleiden wir uns, weil wir also etwas ausleben möchten, das irgendwo tief in uns brodelt und auf keinem anderen Weg je freigelassen werden kann? Vielen werden diesen Gedanken wahrscheinlich nicht mögen und ich sage auch nicht, dass es auf uns alle und jedes Kostüm, das wir je anhatten, zutrifft. Doch trotzdem mag ich den Gedanken an die Möglichkeit, dass einige Menschen wenigstens einmal im Jahr ihr wahres Selbst auspacken und zeigen dürfen. Und hier kommt wieder etwas Paradoxes hervor: Viele von uns ziehen eine Maske an, um ihr wahres Gesicht zeigen zu können. Oder sie denken dies zumindest. Wie viele von uns denken, sie müssten sich verstellen, um so zu sein, wie sie eigentlich sein möchten. Doch diese ganze Geschichte ist ja genau umgekehrt: Wir müssen unsere Masken zuerst loswerden, um unsere reinste Version überhaupt erkennen zu können. Und erst dann müssen wir uns nie wieder verstellen. Wir verstellen uns unbewusst tagtäglich, seit unserer Kindheit, weil wir so aufgewachsen sind und nie gelernt haben, echt und authentisch zu sein. Das ist jetzt kein Vorwurf an unsere vorangehenden Generationen, denn bei ihnen war es genau gleich. Sie taten nur genau das, was sie gelernt hatten oder als «richtig» befanden.


Maskenlos = makellos

Niemand ist makellos, wir haben alle unsere Macken, ausnahmslos! Doch die Frage ist woher wir diese haben? Wir lernen sie dazu. Eigentlich kommt niemand mit einer Macke auf die Welt. Wenn jemand anders auf die Welt kommt als es die Gesellschaft genormt hat, dann werden diese individuellen Eigenschaften «Macken» oder sogar, was noch viel schlimmer ist, «Behinderungen» genannt. Das einzige wirklich behinderte daran ist die Tatsache, dass wir Menschen alles irgendwie kategorisieren und einteilen möchten. Und dennoch möchte ich hier niemanden schlecht reden, denn wir alle sind hier im selben Boot, in ein und derselben Kategorie der Menschheit, andere nennen das auch Einheit. Im Buch «Gespräche mit Gott» wird das etwa so beschrieben: Die Menschheit (und das Göttliche) sind wie eine Hand und jeder einzelne von uns ist ein Finger an dieser Hand. Wir alle bestehen aus demselben «Material», wir gehören alle zusammen, denn was wäre eine Hand ohne Finger?


Masken auf, ihr Narren!

Deshalb sage ich, dass wir erst wirklich makellos sind, wenn wir unsere Masken ablegen. Wir tragen alle unsere Fingerhüte und dadurch kann man unseren individuellen Fingerabdruck nicht erkennen. Und genau das wird uns allen heutzutage immer schwieriger gemacht. Die Wirtschaft wird so extrem angekurbelt, dass wir nicht auf die Idee kommen, uns jemals auf uns selbst zu konzentrieren oder schlimmstenfalls sogar unser wahres Potenzial auszuleben. Und trotzdem spielt genau dieses Ereignis über kurz oder lang in unsere Hände. Durch den ganzen Stress wird letztendlich die Entschleunigung und Entspannung gefördert. Wir werden langsam wieder auf die Wichtigkeit unserer Gefühle sensibilisiert und es findet ein Wandel statt. Dagegen unternimmt die Wirtschaft ihre altbekannten Gegenmittel und die können so weit gehen, dass von uns verlangt wird, Masken aufzusetzen. Ob das nun Schutzmasken sind oder Masken im übertragenen Sinne spielt keine Rolle, das Prinzip ist genau dasselbe.


Masken auf oder ab, Narren hin oder her,

jeder von uns ist aus einem ganz bestimmten Grund hier.

Ob ihr euch nun von irgendjemandem vorschreiben lässt, welche Maske ihr auszusetzen habt, dürft ihr selbst entscheiden. Es gibt immer zwei Seiten im Leben und deshalb seid ihr einfach gesagt immer ein Mit- oder Gegenspieler für jemanden. Spielt ihr auf der Seite der Liebe, dann spielt ihr gegen die Angst und umgekehrt. Wie ich das genau meine, werdet ihr im Teil 7 dieser Serie «Die Schattenseite der Sonne» erfahren. Das Leben ist ein Spiel!

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