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«Eifach so» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Eifach so» im Soundcheck

Die CD startet mit dem Lied «Immer wytergah» welches durch eine sehr coole Rhythmik gekennzeichnet ist und wunderbar groovt. In den Refrain kann man sofort einstimmen und auch sonst ist der ewige Prozess des Fortschritts ziemlich griffig erklärt. Ein stimmiges Stück Musik mit diversen spannenden musikalischen Akzenten, die man zwischen den Tönen entdecken kann. Das exzessive Trompetensolo gegen Schluss macht viel Freude und das ganze Stück erinnert leichtfüssig daran, dass die Welt, egal wie gut oder schlecht es einem geht, eben doch sich weiterdrehen wird.  


Wundervoll bluesig und echt «fägend» klingt «Nei, nei, nei». Dieser angenehme Schalk im Text und die tanzbare Ummantelung erinnert mich an die goldenen Zeiten von Polo Hofer und seiner Schmetterband und doch fährt Extrem seine eigene Linie, was mir sehr gefällt. Die Berner Geschichtenerzähler wissen eben, wie eine richtige Fete in Gang gebracht wird. Top!

Jetzt gibt’s einen Ausflug ins Countrygenre mit der Nummer «Chasch di verlaa» und ich muss ehrlich sagen, diese Art von Musik passt ausserordentlich gut zu Dänu Extrem. Das Liebeslied hat hin und wieder ziemlich romantische Sequenzen, ohne zu sehr ins Kitschige abzurutschen.


«Alles gseit» ist ein griffige Midtemponummer, die von einer Nacht in der Beiz erzählt. Dieses von ihm in der ersten Strophe beschriebene Gefühl zwischen Stuhl und Bank zu sein, hatten wohl schon viele im Ausgang. In der zweiten Strophe spricht Extrem dann davon, wie er mit der ultimativen Idee für ein Lied nach Hause geht und dann trotzdem nichts mit Sinn dabei rauskommt. Vor allem den zweiten Teil des Liedes fühle ich total, denn nicht selten hatte ich in meinem Leben schon das Gefühl, dass ich jetzt dann wirklich alles irgendwann mal gesagt habe in einem Lied und dass mir bald nur noch Wiederholungen in den Sinn kommen. Speziell unterstreichen möchte ich noch den witzigen Zwischenteil, der mir sofort ein Lächeln auf die Lippen gezeichnet hat.


Fast schon punkig klingt die Verliererhymne «Verloore». Die Züri West- und Rumpelstilz-Referenzen zeigen, dass Extrem nicht nur eine Legende ist, sondern sich wirklich auch sonst oft mit Mundartmusik beschäftigt. Es hat schon eine gewisse Ironie an sich, dass Dänu Extrem heute eher als Geheimtipp gilt, doch der Musiker scheint sich mit dieser Rolle ganz gut angefreundet zu haben. Frei ist der, der sich die nichts vom Kommerz vorschreiben lässt und machen kann, was er will.


Schlussfazit:
Schon beim letzten Album «Äx-tra NoMal» freute ich mich extrem, dass das Enfant terrible der Berner Mundartszene zurück im Spiel ist. Wie er hier mit «Eifach so» zusätzlich eine authentische und durchs Band sehr unterhaltende EP aus dem Ärmel schüttelt, lässt mich ehrfürchtig meinen Hut vor ihm ziehen. Die Texte haben eine angenehme Schärfe, die Musik ist handgemacht und Dänu Extrem zeigt erneut, wie wichtig die Leidenschaft und Liebe zur Sache ist. Hier wird nicht sinnlos ausgebessert und überproduziert und doch bleiben die Melodien seiner Kompositionen stets im Ohr hängen. Da in Kürze schon der nächste Lockdown ansteht, hoffe ich, dass die Mundartlegende erneut aktiv wird. Ich bin immer begeistert, wenn man Mundart mit dem nötigen Respekt behandelt und freue mich, dass es immer noch Künstler wie der Berner gibt, die für die Musik und nicht für den Kommerz loslegen und dies so auch an die nächsten Generationen weitergeben. Chapeau!

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