Bild/Illu/Video: Christian Imhof

Ein etwas anderer Pfingstgottesdienst

Wie überall vor den Geschäften und öffentlichen Gebäuden hat auch die Kirche in Bad Ragaz beim Eingang einen Desinfektionsmittelspender aufgebaut. Auch sonst hat sich die katholische Kirchgemeinde und ihr Präsident Martin Kirchner sehr viel Mühe gegeben, die empfohlenen Massnahmen vom Bundesamt für Gesundheit korrekt umzusetzen.


Ein Gottesdienst mit Platzanweiserin

Zu den BAG-Vorgaben gehört beispielsweise auch der Sicherheitsabstand von zwei Metern. In der Kirche St. Pankraz wurde dies so umgesetzt, dass nur jede zweite Bank den Besuchern zur Verfügung stand. Bei der Hälfte der Sitzgelegenheiten versperrte eine Schnur den Durchgang. Um den Messgängern das Ganze zu vereinfachen, stand zusätzlich die Messmerin Hildegard Viehweger im Gang und achtete penibel darauf, dass die Besucher nicht direkt nebeneinander Platz nehmen auf den Bänken. Die freundliche Begrüssung durch sie war für viele ein erster Lichtblick in der schwierigen Zeit und wenig später legte die Organistin Sonja Betten los, was definitiv nach der langen Pause bei den zahlreichen Anwesenden für ein wohliges Gefühl in der Bauchgegend sorgte.


Die Osterkerze verspätet angezündet
«Ich weiss nicht, wie es ihnen gegangen ist… Aber mir hat es sehr gefehlt.», sagte Pfarrer Martin Blaser mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen. Es sei einfach wundervoll, dass es jetzt wieder losgehe, auch wenn sich vieles in der Pandemiezeit stark verändert habe. Weil an Ostern keine Gottesdienste stattfinden konnten, wurde die Osterkerze jetzt nachträglich am Pfingstsonntag angezündet. Auch sonst sei einiges anders, doch damit es musikalisch nicht so still bleibe, hätten sie Cornelia Weinberger aus Vaduz verpflichtet, die das Singen für die Messgänger übernehme. Dies sei nämlich momentan nur mit einem Sicherheitsabstand von acht Metern erlaubt, weshalb die Liechtensteinerin auch oben von der Empore aus gemeinsam mit der Organistin das Zuhörerschaft beschallen werde.


Eine Frage der Kommunikation
Es war eine lange Zeit, in der den Menschen nichts anderes übriggeblieben ist, als an einem Sonntag zu Hause zu bleiben. Noch nicht ganz umgewöhnt hatte sich wohl auch eine Frau, deren Handy mitten in der starken Pfingstansprache vom Pastoralassistenten Michael Ehrhardt loslegte. Das war irgendwie schade, hatte aber durchaus auch einen humorvollen Aspekt. Da sein Text sich um die Kommunikation im Allgemeinem drehte, brachte es alle ein wenig zum Schmunzeln, dass eines der heute wichtigsten Werkzeuge für diese die Ruhe in der Kirche unterbrach.


Zeit Hoffnung zu schenken

Wie ein Fels in der Brandung erwies sich am vergangenen Sonntag die katholische Kirche in der aktuellen Zeit, denn das Duo Martin Blaser und Michael Ehrhardt schaffte es spielerisch der Pandemie die Stirn zu bieten. Sie haben bei ihrer Pfingstmesse eindrücklich aufgezeigt, wie mit Worten nach wie vor Trost und Hoffnung gespendet werden kann. Für eine gute Stunde konnten die Besucher wieder zu sich selber finden und das Thema Covid-19 wurde nur am Rande erwähnt, was von vielen Besuchern als angenehm wahrgenommen wurde. Auch wenn die beiden Männer im Auftrag des Herrn beim Abendmahl Masken trugen und auf den verbalen Austausch verzichteten, spürte man, wie sehr allen Besuchern der Gottesdienst gefehlt hatte. Nach dem grossen Applaus für die aussergewöhnliche Sängerin, gingen die Kirchgänger nämlich mit frisch aufgeladenen Batterien, einem Herz voll Positivität und einem zufriedenen Lächeln aus der Kirche.

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