Ein Geburtshaus für Graubünden
Bild/Illu/Video: Milena Rominger

Ein Geburtshaus für Graubünden

Tamara Müller ist eine der Gründerinnen des Geburtshauses. Die Kauffrau übernimmt ab Januar 2020 das Büro des AlmaSana Geburtshauses, das in Untervaz entstehen soll. So bekam ich die Möglichkeit, die meisten Fragen an sie zu stellen, während die anderen beiden Gründerinnen – das sind zum einen Graziella Montalta (Hebamme) und Regula Russi (TCM)- sich mit den anderen Gästen des Apéros unterhielten. Zum Schluss hatte ich die Gelegenheit, in der Runde mit allen Frauen ein inspirierendes Gespräch zu führen, welches einige Aha-Momente beinhaltete.

Hier das Interview:


Was hat euch dazu bewegt, ein Geburtshaus zu gründen?

Tamara Müller: Graziella Montalta arbeitet seit mehreren Jahren als selbständige Hebamme in Chur. Sie betreut Hausgeburten bei sich zu Hause. Die frischgebackenen Eltern, müssen jedoch schon ein paar Stunden nach der Geburt wieder nach Hause gehen. Damit ein stationäres Wochenbett ermöglicht werden kann, entstand die Idee des Geburtshauses. Zudem war es immer ein Traum von Graziella Montalta. Jetzt macht die selbständige Hebamme noch alles alleine. Sie betreut die Geburten, macht die Abrechnungen und übernimmt die Akupunktur. Mit dem Geburtshaus AlmaSana, das im Januar 2020 geöffnet wird, kann sich Graziella wieder voll und ganz auf ihr Kerngeschäft als Hebamme konzentrieren.


Aus welchen Gründen sollten Frauen bei ihnen im Geburtshaus gebären? Was ist anders als im Spital?

Tamara Müller: Im Spital geht es eher technisch zu und her. Die Ärzte gehen im Gebärsaal ein und aus und sie verlassen sich dabei auf ihre Geräte. Oft kommt es zu einem Kaiserschnitt. Rund 30% aller Geburten in der Schweiz sind Kaiserschnitte. Zudem kommt es bei einer Geburt im Spital zu Schichtenwechsel der Hebammen. So muss sich die Gebärende immer wieder auf eine neue Person einlassen. Die gebärenden Frauen hören vielleicht die Glocke auf dem Gang läuten, es geht immer wieder Personal im Gebärsaal ein und aus, was für die Frau sicherlich nicht zur Entspannung beiträgt. Sie verkrampft sich und die Geburt stagniert. In der Tierwelt sucht sich das Muttertier auch ein ruhiges Plätzchen um gebären zu können. Es gebärt nicht in Stresssituationen. So wäre es auch bei uns.


Ruhe, eine wohlige Umgebung, eine stille Atmosphäre.

Außerdem ist die Hebamme näher beim Paar. Sie kennt die Gebärende schon von der Schwangerschaft her, beobachtet die Frau ganzheitlich und hat die Gabe, sich auf ihr Gefühl und ihr fundamentales Wissen zu stützen. Die Technik spielt dabei eine Nebenrolle.


Was passiert bei Notfällen?

Tamara Müller: AlmaSana arbeitet mit dem Frauenspital Fontana in Chur zusammen. Notfälle werden von Frau Dr. Blume angenommen und übernommen. Mit der Ambulanz dauert es im Notfall nur wenige Minuten vom Geburtshaus in Untervaz bis nach Chur.


Wie kann ich mir das Geburtshaus selber vorstellen?

Tamara Müller: Es gibt ein Geburtszimmer und zwei Wochenbett Zimmer. Die Zimmer werden wie daheim gestaltet sein, denn sie sollen das Wohlbefinden fördern.


Was für eine Philosophie steckt im Geburtshaus AlmaSana?

Graziella Montalta: Die Verbindung vom Paar, welches ihr Kind empfängt ist ganz wichtig. Beide brauchen Platz im Bett. Das Paar soll ein Team sein dürfen. Wenn die Geburt gut läuft und eine Harmonie entsteht, habe ich nämlich fast keine Arbeit. Die Zusammenarbeit des Paares miteinander steht hier im Vordergrund. Es ist deren Geburt, nicht meine. Der Mann und seine Partnerin sind ein Team. In der Intimität in der das Kind gezeugt wurde, soll das Paar auch die Möglichkeit bekommen, ihr Kind auf die Welt zu bringen. Die Geburt soll für alle ein schönes, unvergessliches Erlebnis sein.


Was heißt AlmaSana?

Graziella Montalta: Alma heißt Seele und Sana heißt gesund. Es ist wichtig, dass die frischgebackene Familie körperlich und geistig wieder gesund nach Hause gehen darf.


Wie lange bleibt die Frau, das Baby und der Vater nach der Geburt noch bei euch?

Tamara Müller: Durchschnittlich drei bis fünf Tage. So wie im Spital auch.


Wer trägt die Kosten für eine Geburt im Geburtshaus AlmaSana?
Tamara Müller:
Die Geburt selber wird von der Krankenkasse übernommen. Alles weitere, wie das Essen und Trinken und die weiteren Übernachtungen, werden vom Paar selbst übernommen.


Bis wann kann man für euer Vorhaben spenden? Wo kann man spenden? Wieviel Geld wird benötigt?

Tamara Müller: Bis zum 15. September 2019 kann man auf dem Crowdfunding Portal spenden. Im Ganzen brauchen wir 100‘000 Schweizer Franken.


Mit diesem Geld möchten wir den Betrieb fürs erste halbe Jahr absichern. Das heißt; damit bezahlen wir die Löhne, die Renovation und weitere Anschaffungen.


Ich bedanke mich bei den drei starken Persönlichkeiten für dieses spannende Gespräch. Es hat mir gezeigt, dass die Geburt eines Kindes etwas Heiliges ist. Dass die Familie an sich die Entscheidung treffen darf, wo und wie sie gebären möchte. Und dass die Geburt nicht immer zwingend in einem Spital stattfinden muss. Die Frau wird im Geburtshaus wieder zur Natur zurückgeführt, indem sie keine Schmerzmittel braucht, sondern sich auf sich selber verlassen kann. Sie kann sich auf sich selbst konzentrieren und wird nicht von Personal abgelenkt oder zu Entscheidungen beeinflusst. Das hat mir Eindruck gemacht, denn so stelle ich mir eine Geburt als wunderschönes Erlebnis vor.


In Ruhe, in Stille, in Harmonie und stressfrei.

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