Ein Männlein steht im Walde…
Bild/Illu/Video: Milena Rominger

Ein Männlein steht im Walde…

Es ist ein warmer, fast schon heißer «Altweiber Sommertag». Die Sonne steht schon tiefer, das Licht deutet den kommenden Herbst an.


Vor mir steht plötzlich das berühmte Männlein. Ein Fliegenpilz in seinem schönsten Rot. Versteckt unter einer hohen Tanne. Mitten im tiefen Wald. Ich freue mich über dessen Anblick, lasse ihn aber alleine zurück, im Wissen, dass er giftig ist.


«So etwas wie dieses Jahr, habe ich noch nie erlebt. Vielleicht gab es annähernd so viele in den Neunzigern.»


Sagt die erfahrene Pilzsammlerin neben mir und meint damit abertausende von Pilzen, die überall zu finden sind. Sie steht in einem Feld einer Delikatesse. Dem Steinpilz. Dabei erklärt sie mir, welche man besser stehen lässt und welche man mit nach Hause nehmen sollte. Ich entdecke ein riesiges Exemplar. Gerade als ich ihn pflücken möchte, warnt mich die Pilzexpertin namens Mama: «Dieser ist zu alt. Du wirst entdecken, dass er innen schon sehr zerfressen ist und schwammig.»


Etwas bedrückt lasse ich ihn stehen, ist es doch meine erste Pilzsammlung seit meiner Kindheit. Das Betrübtsein währt nicht lange und ich finde zwei wunderschöne Steinpilze, mitten auf der Wiese.


Pilze mögen es heiss und feucht. Der Wetterwechsel in den letzten Tagen und Wochen, liess sie nur so spriessen. Pilze mögen halbschattige Plätze. Sie wachsen vorwiegend unter Tannen und an den Waldrändern. Zwischen Moos und Farn, unter Blättchen und kleinen Gebüschen. Ab und an aber auch mitten auf der Wiese.

Zurzeit könnte man täglich in den Wald gehen, und über ein Kilo Pilze mit nach Hause bringen.


«Zwei Kilo pro Kopf und Tag sind erlaubt.» Wird mir erklärt.

Zudem gibt es eine Schonfrist. Vom 1. bis zum 10. jedes Monats, dürfen die feinen Pilze nicht gesammelt werden. Vorsicht, beim Pilze sammeln, denn es gibt viele giftige darunter. Ein kleines Pilz- Handbuch oder eine App, sind dabei sehr empfehlenswert.

Wir gehen weiter. Entdecken Gewürzpilze, Schirmlinge und wenige Eierschwämmchen. Die Zeit verfliegt wie im Nu. Drei Stunden vergehen. Am Ende ist mein Jutebeutel zum Platzen voll.


400g Toleranz im Gewicht der gesammelten Pilze sind Gesetz. Jetzt muss ich mit dem Sammeln aufhören, sonst wird’s zu viel.

Daheim angekommen, werden die Trophäen sofort mit dem Pinselchen geputzt und geschnitten. Daraufhin werden sie auf Zeitungspapier zum Trocknen ausgelegt. Es wird ein paar Tage dauern, bis die Pilze ihr Wasser verloren haben. Was dann noch übrig bleibt, ist gerade mal ein Bruchteil von dem Gewicht, was ich in meinem Jutebeutel gewogen habe.


Die Schirmlinge lasse ich ganz. Deren Name kommt nicht von Ungefähr. Sie sehen aus wie kleine Schirmchen. Ich trenne ihnen den Hals ab. Schwenke deren Kopf in verquirltem Ei und brate sie in Butter aus. Mit ein bisschen Salz wird daraus ein herrlich schmeckendes Abendessen.

Also los. «Gömer go Pilzlä?»

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