Ein wohltuendes Ende
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Ein wohltuendes Ende

Michael Elsener, dieser Traumschwiegersohn mit den eisblauen Augen, ist ein hervorragender Parodist. Und er hat Erfolg auf der Bühne. Diese Kombination hielt man beim Schweizer Fernsehen für die perfekte Anlage, die Nachfolge von «Giacobbo/Müller» anzutreten.


Es war eine klassische Fehlbeurteilung. Elsener war während der ganzen Laufzeit seiner Sendung nie satirisch. Er verquantete einfach seine persönliche Meinung in ellenlange Monologe, die er frontal in die Kamera sprach, hinter ihm wurden dazu lustige Bilder eingeblendet. Die hohe Kunst der Satire ist nicht seine Welt, das ist in Ordnung, und wer immer ihn in diese Position gesetzt hat, müsste viel eher bestraft werden als er. Das Problem war: Wer Satire erwartet, erhielt sie nicht. Wer Elsener mag, erhielt nicht den Original-Elsener. Da kann man nur verlieren.


Einen Verlust bringt die Absetzung der Sendung aber doch. Renato Kaiser, der Slammer aus Goldach, war der Lichtblick in jeder Folge. Seine «Ausseneinschaltungen» waren schnell, hart, witzig und vor allem eben auch satirisch. Er hat den Sprung von der Bühne vor die Kamera perfekt geschafft, weil er einfach immer sich selbst ist und sich dafür wohl nicht einmal besonders anstrengen muss. Kurz: Er war der heimliche Star der Sendung.


Nun wäre die logische Konsequenz, dass man Renato Kaiser eine eigene Sendung gibt. Aber das Schweizer Fernsehen basiert nicht auf Logik. Der Ostschweizer ist eine wandelnde Dynamitstange. Gäbe man ihm freien Auslauf, würde er vermutlich reihenweise Tabus verletzen – was ja die Aufgabe des Satirikers ist. Elsener hingegen war ein Garant für familienfreundlichen Humor. Dass nur gerade die FDP sich einmal lautstark über ihn aufregte, zeigt, dass er nirgends angeeckt ist. Kaiser aber würde auf alle Seiten austeilen, und der Ombudsmann von SRF hätte vermutlich alle Hände voll zu tun, wenn er freie Bahn hätte. Die Konsensgesellschaft Schweiz erträgt Grenzüberschreitungen schwer. Auch Giacobbo/Müller tat selten wirklich weh, und wenn, dann immer in die Richtung, die man vermutete. Es waren meist dieselben die Betroffenen, es war vorhersehbar.


Wirklich schön wäre eine Sendung mit einem Duo, das aus ganz verschiedenen Ecken stammt. Renato Kaiser und Andreas Thiel gemeinsam in einem Format: Da würde wohl echte Satire entstehen. Aber so viel Mut ist dem Staatsfernsehen nicht zuzutrauen.

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