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Eine kuriose Nacht in Buchs
Bild/Illu/Video: zVg

Eine kuriose Nacht in Buchs

Da Elsa eine neue Babysitterin gefunden hat und die Frau auf dem Handy nicht erreichbar war, hat auch meine Mama sich verständlicherweise grosse Sorgen gemacht. Ich fuhr mit meinem E-Scooter zwei, drei Mal in der Gegend herum. Dreimal bin ich durch die Bahnhofstrasse gefahren und auch die Grünauestrasse hoch war ich, aber leider blieben meine Suche erfolglos. Als ich abschliessend wieder heimkam, sah ich, dass die Babysitterin mit den zwei Kinder Rufta und Sam zurückgekehrt war. Die Frau war vom Aussehen her ebenso afrikanischer Abstammung wie meine Nachbarin Elsa. Ich bemerkte, wie aufgewühlt und aggressiv die Frau diskutierte. Sie wurde schnell laut und fuchtelte mit den Händen vor sich rum. Aus der Distanz habe ich leider nicht genau mitbekommen, um was es ging. Ich trat näher heran, als die Babysitterin folgendes von sich gab: «Gib dich mit weissen Leuten ab! Schau, dass du jemanden findest, der weiss ist, der auf die Kinder aufpasst.» Ich fragte mich in diesem Moment, was da genau vor sich ging und konnte die Aussage nicht genau einordnen.

Kurz darauf mischte sich meine Mutter ein und fragte in einer anständigen Tonart, warum sie so rassistisch sei Die Babysitterin entgegnete legdiglich mit «Fick dich», was meiner Mutter erstmals die Sprache verschlug. Ich bemerkte sofort, wie ich innerlich sauer wurde, hörte dieses Schimpfwort ein weiteres Mal, stellte meinen E-Scooter ab, ging auf die Frau zu und sagte laut «Ich sage dir nur eins: Schau, dass du wegkommst!» Es ging keine drei Sekunden und die Situation eskalierte. Die Frau schlug mir mit voller Wucht ins Gesicht, dass ich nur noch Sterne sah. Durch den Schlag flog sogar die Uhr, die sie anhatte auseinander. Ich fasste mir perplex ins Gesicht und bemerkte, dass mir das Blut schon über die Wange floss. Als das Blut auch noch auf mein weisses Hemd tropfte, realisierte ich, dass ich mir wohl eine «Schnatte» eingefangen haben muss. Zusätzlich schmerzte meine Nase und ich hatte starkes Nasenbluten. Ich war in diesem Moment dermassen unter Schock, dass ich völlig neben der Rolle war. Mir wurde sofort bewusst, dass ich mich in Sicherheit bringen muss. So bin ich rasch in die Wohnung gerannt und sah, dass nicht nur mein Hemd, sondern mein ganzer Anzug voll Blut war. Mit kaltem Wasser und einem Lumpen versuchte ich die Blutung zu stoppen. Beim Blick in den Spiegel bestätigte sich mein Verdacht, denn bei meiner linken Augenbraue klaffte eine gravierende Platzwunde. Der Kumpel meiner Nachbarin fuhr mich in den Notfall nach Grabs. Kurz bevor ich ins Spital gefahren wurde, weinte die kleine Rufta und umarmte mich. Ich war voller Blut und unter Schock und wollte eigentlich nur noch ins Spital. Wie ich später erfahren habe, hatte Rufta Angst, dass die Babysitterin zurückkommt und die Kinder oder die Mama Elsa auch schlagen würde.


Mein Kumpel hat dann im Spital einen Anruf bekommen. Ich glaube, das war seine Schwester. Er erzählte mir, dass die Polizei am Tatort eingetroffen ist und die Frau in Gewahrsam genommen habe. Sie seien jetzt auf dem Weg zu mir ins Spital. Als ein freundlicher junger Polizist zu mir ins Notfall Zimmer hereinkommen ist, habe ich mich irgendwie darüber gefreut, denn ich war froh, dass ich nicht so alleine sein musste. Nach drei Stunden kamen dann endlich die Ärzte rein und haben mir die Platzwunde zu genäht. Inzwischen geht es mir wieder besser und ich habe das Ereignis vom 9. Oktober 2021 einigermassen verarbeitet. Niemand ist Schuld an diesem Unfall. Ich bin nur froh, dass nichts Weiteres passiert ist. Es hätte nämlich noch viel schlimmer enden können. Traurig, finde ich es, dass die Kinder das mit ansehen mussten und möglicherweise deswegen traumatisiert sind.

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