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Eine Ode an den Lockdown
Bild/Illu/Video: Lisa Leu

Eine Ode an den Lockdown

Was wir bis jetzt im Jahr 2020 erlebt haben, ist eigentlich so unglaublich wild. Die ganze Welt unter Hausarrest und alles was wir irgendwie als normal empfunden haben, wurde uns in kürzester Zeit verboten. Zu Hause bleiben soll man, alle, überall. Eine Vorstellung, die noch vor 6 Monaten als dystopisch abgetan worden wäre. Und selbstverständlich war diese Pandemie auch eine Tragödie. Und eine abstandlose Ausnahmesituation. Ich persönlich kann dieser Erfahrung von zwei Monaten Stillstand aber irgendwie trotzdem auch viel abgewinnen. Und ich möchte dir auch erklären, warum:


1. Kleine Pause

Die kleine und grosse Pause sind ein Grundkonzept der Schule. Trotzdem schaffen wir es anscheinend als Erwachsene nur schlecht, uns solche Pausen einzuplanen. Der Kalender ist voll mit Arbeit, Sport und sozialen Gatherings. Viel zu selten halten wir inne, viel zu selten sind wir einfach Mal planlos. Oder zumindest war das so, bis der Lockdown kam. Plötzlich sind die Kalender leer, der Arbeitsplatz zu Hause und plötzlich gibt es «nowhere to go». Fomo («Fear of missing out»)? Eine Geschichte der Vergangenheit! Und so schwierig das für viele Menschen war, diese kleine Pause hat uns allen gutgetan.


2. Wissen, was wichtig ist

Kein anderes Ereignis hat uns wohl so fest gezeigt, wer in dieser Gesellschaft beruflich unentbehrlich ist. Aber auch sonst hat sich eine wahre Wahrnehmungsverschiebung der «wirklich wichtigen Dinge im Leben» ergeben. Und zwar Kollektiv. Was braucht man wirklich zum Leben? Und welche Menschen sind wirklich wichtig? Mit diesen und ähnlichen Fragen waren wir alle konfrontiert. Und zu Recht. So macht uns diese Art von Reflexion zu besseren Menschen.


3. Support your locals

Besonders in einem Punkt gab es eine massive Veränderung der Befindlichkeit. Obwohl «Think Global, Act Local» auch in den letzten Jahren schon als Trend aufgekommen ist, ist dieses Thema aktueller denn je. Clubs werden beim Crowdfunding unterstützt, man bestellt beim Kleinunternehmen, man macht in der Schweiz Ferien. Und das ist auch wirklich grossartig! Diese Schweiz, die sich in den letzten Monaten gezeigt hat, wirkt solidarisch. Klar, auch hier ist nicht alles toll, aber diese Verschiebung zu einheimischem Denken und Handeln ist ein guter Ansatz für Wirtschaft und Umwelt.


4. Nichts tun

Ich bin ein grosser Verfechter von Langeweile und ein noch grösserer Faulpelz. Typical Taurus! Aber auch ich als professioneller Nichtstuer bin diesen Frühling an meine Grenzen gestossen. Nowhere to go, nowhere to be, nothing to do for me. Wie schon gesagt, Hausarrest. Eigentlich eine Art Meditation, aber halt irgendwie ungefragt und aufgedrängt. Und Gottseidank! In der Stille ruht die Kraft. Dieser Lockdown hingegen war quasi eine universale Einladung, sein Aussenleben literally zu verlassen und uns ums Innere zu kümmern. Mein Haus, meine Familie, mein Ich.


5. Duraheba!

Eine letzter Win, bevor wir alle wieder dazu zurückkehren, uns über den vergangenen Lockdown zu empören. Denn eines hat uns diese Zeit bestimmt alle gekostet: Durchhaltevermögen. Und wir haben es geschafft. Was ja besonders rühmenswert ist, wenn man bedenkt, dass niemand (!) gewusst hat, wie lange das gehen kann. Und nun steuern wir Schritt für Schritt wieder in die Freiheit und doch viel früher, als ich geglaubt habe. Diesen langen Atem, den wir uns ja gerade eben selber bewiesen haben, müssen wir unbedingt beibehalten! Denn diese Welt wird nie wieder «normal» und wir haben noch so viele wichtige Themen, für die wir jetzt erst recht kämpfen sollen. Themen wie das «Black Lives Matter»-Movement mit all seinen diversen und wichtigen Facetten, das wir bestimmt nicht in Kurzzeit zufriedenstellend lösen können.  Dazu aber gerne noch mehr ein anderes Mal.

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