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Ester Poly in Down Under
Bild/Illu/Video: Rosa Danner

Ester Poly in Down Under

Eine Tour in Australien ist etwas, dass nicht viele Schweizer Bands erleben. Wie kam es dazu?

Wir wurden vom Dancehouse Melbourne für ein Projekt eingeladen. So haben wir die Chance genutzt und gleich noch ein paar weitere Konzerte organisiert.


Wie gross ist die Nervosität vor der Tour?

Nervös macht mich eigentlich nur das Fliegen. Ich sorge mich um meinen Bass, ob er wohl ganz ankommt. Einmal hier ist der Jet Lag grösser als die Nervosität. Ich freue mich aber sehr auf die Konzerte, vor allem das Thirroul Music Festival, welches ausverkauft sein wird.


Sind in Zukunft öfters solche Auslandabenteuer geplant?

Wir haben schon Tourneen in Benin, Turkey, Russland und in ganz Europa gespielt. Aus ökologischen Gründen versuchen wir wenn möglich alles mit dem Zug oder dem Auto zu machen. Bei Überseetourneen ist das nicht möglich. Deshalb sollen sie auch Ausnahmen bleiben. Im Moment denken wir aber an eine Tour, welche wir auf den Langlaufskiern absolvieren können.


Der Sound von Ester Poly ist eher experimentell und nicht gerade im Kommerz anzusiedeln. Trotzdem seid ihr eine gut gebuchte Band. Wie erklärst du dir das?

Unsere Musik ist eigen, gut gespielt und wir meinen es ernst. Offenbar gibt es doch viele Menschen die sich gerne auf neue Hörerlebnisse einlassen. Klar muss man dafür eine gewisse Offenheit mitbringen. Ich frage mich mehr: Warum gibt es so viele Menschen die sich nur von kommerzieller, immer gleich tönender Musik berieseln lassen wollen? Ist das nicht langweilig?  


Wie habt ihr zwei euch eigentlich gefunden? Ihr seid ja nicht gerade aus der gleichen Region und auch im gleichen Alter…

Ich habe 2013 mit einer Band in Genf gespielt. Béatrice war im Publikum und wir kamen nach dem Konzert ins Gespräch. Später haben wir uns getroffen um zu Jammen. Es hat direkt super gepasst. Ich glaube wir inspirieren uns beide gegenseitig sehr.


Wie schwierig ist es eigentlich, Musik nicht als Job zu sehen, wenn man trotzdem davon leben muss?

Musik machen ist unser Beruf, oder besser: unsere Berufung. Das ist ein Fact, da muss man auch nicht wegschauen oder etwas romantisieren. Sonst kommt man zu nichts und wirft nur die Perlen vor die Säue. Unser Beruf ist so wichtig wie andere Berufe auch. Wichtig ist, dass man die Leidenschaft dabei nicht verliert!


Trotz vielen Fördermassnahmen ist der Anteil Frauen im Musikbusiness relativ klein. Welche Tipps gebt ihr jungen Newcomerinnen mit auf den Weg?

Ich sehe nicht sehr viele Fördermassnahmen. Es gibt mittlerweile einige Menschen mehr, welche dank viel Effort sensibilisiert sind und darauf achten, worauf man schon immer und überall achten sollte: die Chancengleichheit zwischen Mann* und Frau*.

Den Newcomerinnen empfehle ich, ihren Weg zu gehen, sich gegenseitig zu unterstützen und falls die passenden Umstände nicht gegeben sind, selber aktiv zu werden und sich diese selber zu bauen.


Wer muss ausserdem noch aktiv werden, dass das Verhältnis zwischen Frau und Mann in der Musikszene Schweiz ausgeglichener ist?

Es geht bei diesem Thema nicht nur um die Musikszene. Da die Musik auf der Bühne spielt, wird das Problem da gut sichtbar. Ich glaube, dass wir alle als Einzelpersonen aktiv werden und bleiben müssen. Tag ein, Tag aus. Es geht darum gewohnte Gesellschaftsstrukturen zu brechen und neu zusammen zu setzten. Das passiert nicht von jemandem alleine, einem Verein oder einer Organisation. Wir sind die Gesellschaft. Aber jemand alleine, ein Verein oder eine Organisation kann uns dabei helfen.

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