Fünf Fragen an Seven
Bild/Illu/Video: Christian Imhof

Fünf Fragen an Seven

Inwiefern war es absehbar, dass das Format «Sing meinen Song» auch für die Schweiz adaptiert wird?

Ich finde, das war überhaupt nicht absehbar. Die Anfrage dafür kam vor etwas mehr als einem Jahr von einer Produktionsfirma und meine erste Reaktion darauf war: «Vergiss es! Auf keinen Fall! Das darf ich nicht machen. Das ist falsch. Das kann man nicht einfach so kopieren. Das stellt man sich viel zu einfach vor. Da müsste man…» und dann hat es in meinem Kopf schon angefangen zu rattern. Ich hatte schon so viele Gründe den Jungs der Produktionsfirma aufgezählt. «Du müsstest den und den dabeihaben und unbedingt auch den Produzenten anfragen.», worauf sie mir einfach entgegneten: «Dann mach doch das.»

Etwa vier Wochen später hatte ich alle Leute aus dem deutschen Orginal, sei es der Regisseur, Herberger von Naidoo-Records oder Hermes Eckte, der Vater von «Sing meinen Song» als es vor sieben Jahren in Deutschland gestartet ist und auch ganz viele Crewmitglieder. Es sieht für die Zuschauer sehr einfach aus, nämlich das die Acts irgendwo auf eine Insel oder ins Warme gehen, ein wenig rumsitzen und gemeinsam Musik machen. So einfach soll es auch aussehen, doch hinter den Kulissen ist es eine komplexe Geschichte, vor allem dass es dann gut klingt, damit die Arrangements gut vorbereitet sind – Dafür muss sehr viel Zeit und Know How in die Musik investiert werden.

Danach ist es tatsächlich zu Stande gekommen und der Sender sagte: «Hey, doch ihr seid ein geiles Team mit so viele Expertisen, mit dir als Host und all den Menschen, die es schon hundert Mal gemacht haben, wir machen das mit euch.»

Und drum: Nein, absehbar ist es nicht gewesen. Doch ich bin verdammt froh, dass wir es machen dürfen und so ein wenig aufzeigen können, was der Musikplatz Schweiz zu bieten hat und zwar mal so richtig.


Du hast erwähnt, dass relativ viele Leute aus Deutschland dabei sind. Hast du aber auch einige Musiker aus der Schweiz für das Format vorgeschlagen? Respektive gibt es ein Mischmasch bei den Musikern?
Vom musikalischen Standpunkt her, haben wir in der Schweiz genug Leute. Das ist nicht etwas, was man sich gross zusammensuchen muss. Rein von der Produktion her, weil in der Schweiz die Sendung nicht heimisch ist und eine solche Sendung einfach zu adaptieren, alle Kinderkrankheiten und alle Startfehler, welche die anderen damals auch gemacht haben, nochmals zu machen – auf das hatte ich keinen Bock, weil ich bin beim Orginal dabei gewesen und ich kenne die Leute und ich hatte die Möglichkeit sie anzufragen, das Format gemeinsam mit mir auch für die Schweiz zu machen. Das vor allem damit es gut aussieht, das Bild richtig ist und die Produktion reibungslos abläuft – mit dem möchte ich nichts zu tun haben. Das muss einfach «piccobello» sein und eben mal nicht aussehen «wie Schweiz», sondern es muss aussehen wie richtig. Das nervt mich immer, wenn man sagt: «Ja, für die Schweiz genügt das schon. Und die Schweiz ist eben kleiner… Na ja, es ist okey.» Ich finde: Nein, es darf nicht okey sein. Es muss mindestens so gut sein und zwar einfach für das Rundherum müssen Vollprofis, die das schon diverse Male gemacht haben, verantwortlich sein. Der Inhalt, also die Musik, das machen wir mit Schweizern. Mein Drummer Massimo ist «Musical Director». Ich habe eine richtig geile Band zusammenstellen lassen und auch mit den Acts auf dem Sofa, werde ich mich nicht über die Grenzen hinausbewegen. Auf keinen Fall. Es gibt genug Einheimische.

Inwiefern verfolgst du das Orginal?

Erstens bin ich seit der ersten Stunde Fan der Sendung. Dies vor allem wegen Gregor Meyle. Ich kannte ihn bereits bevor die erste Staffel «Sing meinen Song» ausgestrahlt wurde. Ich habe mich so gefreut, als er anschliessend so durch die Decke ging und als ich sah, was diese Sendung mit ihm gemacht hat. Dass ich dann drei Jahre später, das Gleiche selbst erleben darf, hielt ich in diesem Moment niemals für möglich. Ich habe mich sehr gefreut für ihn, aber auch für den Musikplatz und den deutschsprachigen Musikraum. Diese Sendung hat wirklich was verändert, denn durch sie darf Livemusik wieder im Prime-TV stattfinden. Ja, ich verfolge die Sendung bis heute aus zwei Gründen: Erstens bin ich Fan und zweitens aus dem Grund, dass ich es bald hosten muss. Ich bin kein Host und kein Moderator und habe es auch nicht im Sinn zu werden, aber es wäre blöde, wenn ich mir da nicht alles ansehen werde, was es gibt und anschliessend zu entscheiden, was ich selbst machen will und was lieber nicht.

Du hast bei «Sing meinen Song» einige Lieder gecovert, gibt es da Nummern, die du fix in dein Liveprogramm integriert hast?

Ich habe alle Songs in den letzten vier Jahr immer wieder einmal gespielt. Ein paar mehr, ein paar weniger… Mittlerweile ist es soweit, dass ich bei «Hab’ gehört» von Samy Deluxe meine eigene Coverversion in der Zwischenzeit wieder gecovert habe, dieses Mal mit seinem Orginaltext. Das ist etwas, was mich immer begleitet und das ist auch geiler Stoff. Ich freue mich jetzt schon auf die Schweizer Ausgabe, weil man hat immer das Gefühl, man covere bloss etwas von Jemandem, aber ich erweitere dadurch auch mein Repertoire. Ich habe dann die Möglichkeit sechs Songs von den anderen Künstlern, die neben mir dann dort auf dem Sofa sitzen, zu Seven-Songs zu machen und diese kann ich dann später, wenn ich Lust dazu habe an den Konzerten auch spielen. Das heisst, du erweiterst dein Repertoire auf einer Ebene, wo du es sonst nie gemacht hättest. Ich hätte doch niemals einen Song von Nena in einem Liveset gespielt, warum auch? Das bricht so mit Regeln, das bricht so mit «Gärtli-» und Scheuklappendenken und ich freue mich sehr und bin enorm dankbar dafür, dies erneut zu erleben.

Du hast relativ viel mit internationalen Künstlern zusammengearbeitet, finden Schweizer Künstler im Ausland überhaupt statt?
Es findet gar nicht so statt, weil es gibt nicht viele. Man kennt Sophie Hunger, Boy, Dieter Mayer, DJ Bobo oder auch ein Faber, der sich aktuell einen Namen macht. Das sind fünf Namen und dann hat es sich auch schon. Aber ich glaube, vor zehn Jahren wäre ein Aufzählen von fünf schon schwierig gewesen, jetzt sind es immerhin fünf. Vielleicht sind es in zehn Jahr ja zehn. Musik aus der Schweiz ist kein Brand ausserhalb der Schweiz. Wir sind bei der Musik einfach noch nicht soweit wie bei den Uhren, dass das Label Musik auch ausserhalb der Schweiz einen gewissen Wert hat.

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