GRHeute feiert Jubiläum
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GRHeute feiert Jubiläum

Wie ist GRHeute damals entstanden?

GRHeute entstand aus dem Wunsch, dem faktischen Informations-Monopol der Somedia etwas entgegen zu setzen. Und weil einige von uns selbst als Journalistinnen und Journalisten gearbeitet haben und etwas eigenes auf die Beine stellen wollten.


Fünf Jahre sind im Medienzirkus Schweiz eine lange Zeit für ein unabhängiges Medium. Wie stolz bist du auf das halbe Jahrzehnt?

Ich, beziehungsweise wir, sind schon sehr stolz auf das, was wir erreicht haben. Wir sind zu einer Marke geworden. Natürlich gibt es noch immer Luft nach oben, aber dafür haben wir hoffentlich auch noch ein bisschen Zeit. Und was die Länge betrifft: Ich habe tatsächlich noch nie fünf Jahre am gleichen Ort gearbeitet. Das ist auch für mich was Neues. 




Was sind die Höhepunkte der vergangenen fünf Jahre?

Die Höhepunkte? Als wir über die Entlassungen bei der Somedia berichtet haben, das Crowdfunding für Dario, die Knochenmarkspenden-Aktion für Nino - ach, es gibt so vieles, dass ich gar nicht weiss, was ich alles aufschreiben kann. Ereignismässig war es sicher der Durchstich des Albula-Tunnels oder der Helikopterflug anlässlich einer Feier an der EHL. Und dass wir durchgehend wachsen, eigene Büroräume beziehen und eine GRHeute-App entwickeln konnten.


Als Tiefpunkt würde ich die immer noch sehr grosse Verbandelung zwischen der Politik und der Somedia bezeichnen. Wir erleben immer wieder, dass grosse Projekte, vor allem im Tourismusbereich, exklusive Partnerdeals mit der Somedia aushandeln. Man muss sich das mal vorstellen: Der Kanton verteilt Gelder, Steuergelder, und am Schluss fliesst das ganze Marketingbudget im Kanton mehr oder weniger an ein Unternehmen. Faktisch ist das  wettbewerbsverfälschend und Stützung eines Monopols - und dies in Zeiten, als Graubünden gerade eben mit einem Baukartell-Skandal schweizweit in den Negativ-Schlagzeilen war. Es ist auch wahnsinnig, dass das von niemandem kritisiert wird. Politiker wollen sich bei diesem Thema nicht exponieren, weil eine politische Karriere in Graubünden so gut wie unmöglich ist, wenn man sich mit der Somedia anlegt. Das ist das hässliche Gesicht eines Medienmonopols. Ich persönlich würde mir wünschen, dass die Regierung bei allen Projekten, für die sie Gelder spricht, bestimmt, dass die Kampagnenbudgets verteilt werden müssen. Das gilt auch für andere Kleine wie die «Bündner Nachrichten», den «Prättigauer und Herrschäftler» und andere, die ich jetzt nicht erwähne. Dieser Kuchen muss viel fairer verteilt werden. Und es gilt auch nicht nur für den Tourismus und den Kanton, sondern auch für andere Projekte, die mit öffentlichen Geldern bezahlt und Firmen, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden.


Was würdet ihr heute eher anders machen?

Es gibt Zeiten, da haben wir zu viel PR- und Medienmitteilungsjournalismus. Ich wünsche mir für mich und alle anderen, dass es wieder andere Zeiten gibt: Dass wir wieder angriffiger, spritziger werden. Aber ich glaube, das geht allen so. Mal schwimmt man mit der Welle, dann fällt man um und surft wieder weiter. Und da wir ein KMU ohne Mäzen oder Geldgeber im Hintergrund und die Ressourcen auf wenige Köpfe verteilt sind, muss man das wohl in Kauf nehmen.


Anlässlich des einjährigen Jubiläums habt ihr mal eine Printausgabe veröffentlicht. Sind weitere solche Publikationen geplant in der Zukunft?

Das werden wir sehen.


Eine Tageszeitung zu führen, ist eine ziemlich herausfordernde Aufgabe. Wie erleben eure Kinder GRHeute?

Unsere Kinder? Sie fangen langsam an zu begreifen, dass wir etwas machen, was andere Eltern nicht machen. Der Älteste liest es regelmässig und manchmal wird er in der Schule darauf angesprochen. Was sie ganz mühsam finden, ist, wenn man auf der Strasse angesprochen wird. Und gleichzeitig sehen sie auch, dass wenn wir sie an Anlässe mitnehmen, dass sie Dinge sehen oder erleben können, die andere nicht können und das macht ihnen natürlich grossen Spass. Meist.


In welche Richtung soll sich GRHeute in den nächsten fünf Jahren entwickeln?

Höher schneller besser. Oder so. GRHeute gibt es auch deshalb immer noch, weil es Spass macht. Und solange es Spass macht, machen wir es. Vielleicht schaffen wir den Absprung nicht, vielleicht haben wir nächste Woche genug. Aber grundsätzlich wäre ein weiteres Wachstum ok - in jeder Hinsicht.

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