«Herzbluet» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Herzbluet» im Soundcheck

Die CD des Duos Weber & Wohler startet mit dem Titellied «Herzbluet». Dieses geht angenehm ab, hat etwas von CCR und erhält durch die schönen Bilder direkt aus dem Leben sofort einen Platz mitten im Herz. In den aktuellen Zeiten, wo häufig und viel gejammert wird, sind solche dankbaren Parolen eine Wohltat für die Seele. Trotz der Liebe zu Heimat heissen sie hier auch Fremde willkommen, denn das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt, ist die Freude.


Wundervoll bluesig groovt «Alles so wi immer» aus den Boxen. Das Lied, welches ziemlich in die Beine fährt, trägt die Dankbarkeit vom Opener weiter und versprüht viel positive Energie.


Nachdenklich kommt «Gold i de Hand» um die Ecke. Das langsame Lied voller Poesie zeigt die Gegensätze und ein wenig auch die Ungerechtigkeit auf dieser Welt auf. Spannend, wie es die Herren schaffen bei einem solch gesellschaftskritischen Song nicht mit dem Finger auf Personen zu zeigen. So bleibt es eine Beobachtung, die einem zum Nachdenken anregt und vielleicht sogar dazu motiviert, ein paar Dinge im Leben zu überdenken.


«Nöd Texas» porträtiert ziemlich selbstironisch das «Bünzlileben» der Schweizer, die gerne von der grossen Freiheit träumen, welche in den USA zelebriert wird. Ziemlich lustig das Stück, welches erklärt, wie der Kapitalismus unseren Alltag bestimmt und wie uns dies irgendwie nicht wirklich zu stören scheint.


«De Früelig isch verbii» klingt als wäre der Sommer auch soeben vorbei gegangen und der Herbst stehe schon vor der Tür. Das melancholisch angehauchte Chanson erzählt von der Vergänglichkeit des Lebens und einer gewissen Orientierungslosigkeit. Mir fällt bei diesem Song der Klassiker «Bümpliz-Casablanca» von Züri West ein, denn dort wird auch im letzten Moment, der Aufbruch abgebrochen…

«Faad & Primitiv» hat ein starkes akustisches Gitarrenintro, welches ziemlich verträumt klingt. Nach 30 Sekunden ändert sich die Stimmung des Liedes grundlegend und es groovt mit viel Zug nach vorne. Der Spaghetti-Western des zweifelnden Erzählers beeindruckt mich sehr, da seine Zeilen irgendwie mehrdeutig sind und trotzdem sehr viel Atmosphäre erschaffen.


«De Gump is chalte Wasser» porträtiert den Ausbruch aus Konventionen und die Suche nach der Freiheit. Das ziemlich erfrischende Countrystück funktioniert aktuell sicher ziemlich gut, denn wer im Sommer nicht nach draussen gehen und zu sich selber finden möchte, der wird es wahrscheinlich nie in Angriff nehmen.


«Im Süüde vom Land» brilliert mit einem tollen Gitarrenlick, sowie einem gedrosselten Tempo, welches viel Platz für den Text lässt. Das Lied erzählt von der Ferienstimmung, welche bei kurzen Auszeiten im Süden aufkommt. Das Werk hat eine unheimlich entspannende Wirkung und ich stelle schon mal vorsichtshalber die Getränke kalt…

«Musig fürs Volk» klingt ein wenig nach Jonny Cash und erzählt wundervoll, wie viele Musiker in der Schweiz sich regelmässig wahnsinnig selbst überschätzen. Die beiden Jungs machen dies mit einem ironischen Unterton, der zeigt, dass sie durchaus auch Humor haben.


«Zuckerwatte» klingt wie Jahrmarktsmusik und ist wahrer Balsam für die Seele. In diesem Jahr können nämlich solche Volksfeste wie beispielsweise das Churer Fest einzig in der Erinnerung nochmals erlebt werden. Da ist es doch schön, dass es hier ein Lied gibt, welches einem direkt zurück an den Ort des Geschehens transportiert.  

«Wissi Wand» hat etwas eine sich wiederholende Melodie im Hintergrund, die sich sofort ziemlich fest in meinen Hörgängen festkrallt. Das poetische Werk verzaubert sofort, da der Erzähler seine Gedanken einfach fliessen lässt und die Zuhörerschaft gerne für einen Moment in seine Welt mitnimmt.


Nochmals ein ziemlich fetziges Stück ist «Wilde Wilde Weschte», welches mir sofort ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Irgendwie ziemlich cool, wenn man es dem Gegenüber gönnen mag, wenn er oder sie weit in der Welt herumkommt. Hat nicht jeder einen Weltenbummler im Freundeskreis?


Beim letzten Lied «Logbuech» haben die Herren noch den Gast Jan Abegg an Bord geholt. In diesem Fall ist dies sogar wörtlich so, denn das Lied porträtiert die Sehnsucht nach der Ferne, was einem sofort nahe geht und aktuell aber leider auch irgendwie einen faden Beigeschmack mit sich bringt.


Schlussfazit:
«Herzbluet» von Weber & Wohler ist ein stimmiges und rundes Mundartalbum, welches nicht nur thematisch, sondern auch musikalisch ohne Grenzen auskommt. Zum Country werden Elemente aus der Pop-, Rock- und Bluesmusik gemischt, was dem Werk eine angenehme Abwechslung und eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Besonders stark sind die Texte, welche Themen direkt aus dem Leben poetisch, zum Teil auch mit etwas Ironie, sowie stets auch mit einem Augenzwinkern erzählen. Das Werk klingt wie aus einem Guss, da die Musiker sich gleich viel Mühe bei den Tönen wie auch bei den Worten gegeben haben. Immer wieder faszinierend, dass definitiv Aussergewöhnliches entstehen kann, wenn man in der Sprache Lieder schreibt, in der man auch träumt.


Das Album «Herzbluet» von Weber & Wohler kann unter diesem Link auf Cede.ch erworben werden.

Themenverwandte Artikel

Auf musikalischer Entdeckungsreise
Bild/Illu/Video: Marcus Duff / cascadas

Auf musikalischer Entdeckungsreise

Die rastlose Suche nach Ohrwürmern
Bild/Illu/Video: Beth Wimmer

Die rastlose Suche nach Ohrwürmern

«Miles and Stories» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Till Gmür

«Miles and Stories» im Soundcheck

«Life and Fire» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Life and Fire» im Soundcheck

Empfohlene Artikel