«Ich bin schwanger, nicht krank!»
Bild/Illu/Video: Nadine Hinder

«Ich bin schwanger, nicht krank!»

Und einmal mehr kritisiere ich hiermit nicht nur die Männer, sondern vor allem auch uns Frauen selbst: Wir wollen oftmals gar keine Hilfe. Wir wollen stark und unabhängig sein - in allen Lebenslagen! Aber muss das um jeden Preis sein?


Während der Schwangerschaft gelten am Arbeitsplatz gesetzliche Sonderregelungen. Klares Ziel: Die Mutter und das ungeborene Kind zu schützen. Trotzdem fordern viele Schwangere ihr Recht bei der Arbeit nicht ein. Sie arbeiten weiter im Schichtbetrieb. Machen Überstunden wie bisher und erbrechen lieber heimlich in der Toilette als sich wegen der Schwangerschaft abzumelden. Denn – zugespitzt – wenn «Frau» nicht arbeitet, bis sie in den Kreissaal geschoben wird, gilt sie hierzulande als Mimose. Wer vor der Niederkunft krankgeschrieben wird, gilt als faul. Dazu kommt Angst. Angst, dass «Frau» nach dem Mutterschaftsurlaub gekündigt wird. Angst, dass «Frau» nicht mit einem reduzierten Pensum zurückkehren kann. Angst, dass «Mann» mit nur einem Zahltag die Familie nicht ernähren kann. Also gibt «Frau» bis zum Schluss alles – ohne Rücksicht auf mögliche Verluste.


Was mir erst in den Ferien bewusst worden ist: Es ist nicht überall so! Zum Beispiel in Italien geniessen Schwangere ein ganz anderes Ansehen. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich am Flughafen Catania in Sizilien vom Flughafenpersonal angesprochen wurde. Ich habe gerade in der Schlange gewartet, bis der Check-In-Schalter endlich (!!!) öffnete. Mir wurde eine Sitzgelegenheit angeboten und ich durfte mit meiner Familie als Erstes einchecken. Auch zu Hause und bei der Arbeit wird viel mehr Rücksicht auf Schwangere genommen. Das sehe ich bei meinen Cousinen aus Italien. Und ich finde das wundervoll!


Ich vergesse nie mehr, wie ich eines Mittags mit meinem Vater in seiner Heimatstadt Gela zum Imbiss-Restaurant spazierte. Eine Frau grillierte gerade Salsiccia vor ihrer Haustüre und die ganze Strasse roch nach dieser feinen, pikant gewürzten Wust. Einfach himmlisch! Als sie beim Vorbeigehen bemerkte, dass ich schwanger war, bot sie mir ein Stück an. Ich war völlig perplex und fühlte mich geehrt, lehnte aber mit einem Lächeln im Gesicht dankend ab. Mein Vater erklärte mir darauf, dass es im Dorf üblich ist, dass man einer schwangeren Nachbarin jeweils eine kleine Portion Essen zum Probieren bringt. Sie soll auf keinen Fall wegen der Kochgerüche in der Nachbarschaft von Essensgelüsten geplagt werden.


Nein, keine Angst, ich erwarte jetzt nicht, dass meine Nachbarn ständig für mich mitkochen! Auch brauche ich als Schwangere nicht immer eine Extra-Wurst – weder zu Hause, bei der Arbeit noch im Bus oder Flugzeug. Aber dennoch würde ich mir manchmal wünschen, dass hierzulande ein wenig mehr Rücksicht auf uns Schwangere genommen wird. Denn wir tragen ein verletzliches Lebewesen in uns, dass es wert ist, geschützt zu werden!


Zum Schluss noch ein paar Worte zum Bild:

Ich liebe es, schwanger zu sein. Es ist ein wunderschönes Gefühl, ein Kind unter dem Herzen zu tragen.

Foto: Nadine Hinder Photographie

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