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«Ignition Spark» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Ignition Spark» im Soundcheck

«Challenger» startet mit mystischen Pianoklängen, bis dann das druckvolle Schlagzeug einsetzt und den Song in die Höhe schiessen lässt wie ein Raumschiff. Der Text der ersten Strophe ist irgendwie witzig, da er wie eine Lagebesprechung klingt. «dark side of me» schaffen es schon zum Start der CD mächtig viel Spannung aufzubauen und hauen knapp vor der dritten Minute noch ein sehnsüchtiges Gitarrensolo raus, welches so richtig einfährt. So kann es weiter gehen.  


«Welcome (to the dark side of me)» schwingt behaglich empor und präsentiert bis zur Minute eins eine tieftraurige Melancholie. Darauf folgt ein satter Metalpart, der einem sofort packt. Die Hymne zum Namen der Band ist musikalisch virtuos und ich muss sagen, Urs Kobelt, Marco Schmellentin und Rainer Figgener machen einen verdammt guten Job. Es ist kraftvolle harte Musik, die auch ohne gutturalen Gesang auskommt und dank eigener Note besticht. Man lauscht den erzählten Geschichten gerne, auch wenn sie wie in diesem Fall über sechs Minuten gehen.


Bei «Ghost of Eels Creek» steht das Klavier im Vordergrund, während das Trio im Hintergrund eine bedrohliche Atmosphäre wie in einem Horrorfilm erschafft. Krass, mit wie viel Wucht das Trio ihr Material präsentiert. Mehr davon!


«When dreams and days collide» ist so eine Nummer, die auch gut im Repertoire von Nightwish funktionieren würde, die aber durch die Stimme von Urs Kobelt ganz klar den Stempel der Band aufgedrückt bekommt. Es ist der Soundtrack für den Moment, in dem man aus den Träumen gerissen wird und der Tag zu schnell die Kontrolle übernimmt. Den fühle ich sehr, denn der Song hat nicht nur eine spannende Thematik, auch die Melodie im Hintergrund hat viel Popappeal und bleibt sofort in den Hörgängen hängen. Sehr geil!


«Calamar» klingt irgendwie beengend und auch gefährlich. Der Song ist der Beweis dafür, wie auch Angst optimal in Musik verwandelt werden kann. Es ist nicht so angenehm anzuhören, aber irgendwie auch eindrücklich, wie sie diverse unterschiedliche Gefühlswelten ansprechen und man am Schluss selber sogar ein bisschen ängstlich wird.

Moment. Was war das für ein geiles «Fill-in» von Rainer Figgener am Anfang von «Cover blown»? Den muss ich mir gleich nochmals geben. Es scheint mir alle drei Musiker sind Koryphäen auf ihren Instrumenten, setzten dies aber nur dezent und sehr songdienlich ein, was mir sehr gut gefällt. Auch bei diesem Lied hier zeigt sich, welches Leben Gitarrist Marco Schmellentin mit seinen sechs Saiten der Musik einhauchen kann und welche emotionalen Welten erst durch das grandiose und tighte Zusammenspiel von ihm und seinen Jungs zum Leben erwachen. Grosses Kino!

«Enter the Orbit» klingt in den ersten zehn Sekunden fast wie ein Lied von Dido, um dann kurz darauf vom Liechtensteiner Trio mächtig durchgeknüppelt zu werden. Irgendwie passt der ganz gut zum Eröffnungslied, da er auch einen enormen Freiheitsdrang in sich trägt und den typischen Song von ihnen als Band ziemlich optimal präsentiert. Die Jungs machen dunkle Musik, die hoffnungsvoll durch die Boxen schiesst und die Nacht vertreibt.


Mit einem komplexen Schlagzeugbeat startet «Enigma of desire», welcher mich stark an die finnische Band HIM erinnert. Diese haben es auch immer geschafft, Pop und Heavy Metal-Elemente miteinander zu verflechten, was ihnen Zuspruch bei einem breiten Publikum einbrachte. «Love Metal» made in Liechtenstein? Mir gefällt’s auf jeden Fall sehr gut. Wenn im richtigen Moment jemand einen Song von den Jungs für einen Filmsoundtrack pickt, könnte die Reise des Trios sogar ganz andere Dimensionen annehmen. Ich drücke auf jeden Fall schon jetzt die Daumen, dass viele ihre Musik noch entdecken. Achten Sie mal drauf, wie lange der Leadsänger hier am Schluss den letzten Ton aushält. Krass, nicht?


«Chimaera» ist wieder mal eine Heavynummer, die von den Pianoklängen lebt und so auch einer Hörerschaft von softerer Musik die Türen zu dunklerer und härterer Musik aufsperrt. Der Refrain geht direkt ans Herz, das Gitarrensolo direkt in die Seele – was für eine unglaublich starke Nummer gegen Ende des Tonträgers. Falls sie noch keinen Videoclip zur CD gedreht haben, dieser hier würde sich sehr anbieten.  


Ganz zum Schluss gibt’s nochmals ein düsteres Lied namens «Deadline day». Es werden nochmals alle Stärken in eine Schale geworfen und das Maximum herausgeholt. Entstanden ist dadurch ein Abschlusslied, welches noch lange nachhallt.


Schlussfazit:
Das Fürstentum Liechtenstein hat mit der Band «dark side of me» eine Rockformation hervorgebracht, die ihren eigenen Weg gehen und auch auf Albumlänge überzeugen. Der spannende Mix zwischen Metal, Rock und Pop ist ein wahrer Hörgenuss, welches Genregrenzen sprengt und was für jede und jeden bereit hält. Ihr Album «ignition spark» ist ein Longplayer, der in die CD-Sammlung jedes Rockfans aus der Region gehört, denn genau zum aktuellen Zeitpunkt der Pandemie, schafft das Trio es mit ihrem wuchtvollen Sound die dringend benötigte Hoffnung zurück zu bringen. Die würde ich sehr gerne mal live sehen.  

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