Bild/Illu/Video: Krishna Hämmerle

Im Nebel wandern

Letzten Sonntag war ich darum mit meinem Mann Peter und unserem Hund Nacho wandern. Wir waren gute vier Stunden unterwegs. Peter wollte unbedingt dem Nebel entfliehen, denn er hatte schon beim Aufstehen mehrfach über das trübe Wetter im Tal geklagt. Ich war damit einverstanden, doch ich wollte nicht mit dem Auto wegfahren, so wie es viele tun, wenn im Dorf eine Nebelsuppe hängt. Ich wollte mich lieber zu Fuss auf den Weg machen. Wir sind beim Schluchtenweg in Sevelen gestartet. Im Übrigen kann ich diesen Wanderweg wärmstens empfehlen, er ist nämlich wirklich sehr schön.


Nach einem einstündigen Marsch ist es uns dann gelungen - der Nebel war weg und die Sicht klar! Und nicht nur das – die Sonne schien uns sogar ins Gesicht! Wir waren uns sofort einig, es war eine gute Idee, den doch etwas anstrengenden Aufwärtsmarsch auf uns zu nehmen.


Ich weiss nicht, ob es euch auch so geht, doch wenn ich in der Natur unterwegs bin und eine gewisse Distanz zu meinem Zuhause habe, komme ich mir vor wie in einer anderen Welt. Alles ist weit entfernt und ich fühle mich unbeschwert und frei. Wälder und Berge haben auf mich einen beruhigenden Einfluss. Im Herbst ist der Wald mit seinen bunten Blättern die absolute Krönung! Ich kann mich dann nicht satt sehen, weil der Wald dann noch schöner ist als sonst. Scheint die Sonne zwischen den Ästen hindurch, bin ich gänzlich verzaubert. Und ich liebe es einfach, durch das trockene, raschelnde Laub zu laufen oder zu gehen.


Die Natur gibt uns so viel, aber sie nimmt auch wieder. Der natürliche Lebenskreislauf beinhaltet Geburt und Tod, Gesundheit und Krankheit, Schönheit und Hässlichkeit, oft in Form von (Natur-) Katastrophen. Je älter ich werde, desto mehr schätze ich Mutter Erde, wie man so schön sagt.


Eine Freundin, mit der ich früher zur Schule gegangen bin, macht auf ihren Spaziergängen regelmässig Fotos der Natur. Als sie mich wieder einmal um einen kurzen Halt bat, um die Schönheit des Waldes auf ihrem Handy festzuhalten, stellte ich ziemlich trocken fest, dass wir in jungen Jahren nicht diese Musse gehabt hätten. Es wurde mir in dem Moment so richtig bewusst, dass wir früher deswegen niemals angehalten hätten! Jetzt erinnere ich mich sogar daran, dass einmal Verwandte aus Deutschland bei uns zu Besuch waren und ganz begeistert zu unseren Bergen hinaufschauten und von einem schönen Panorama sprachen. Ich verstand in dem Moment überhaupt nicht was sie meinten, aber ich war eben damals noch ein Teenie. Heute bin ich überzeugt, dass das der natürliche Lauf der Dinge ist. Meine Kinder sehen die Welt noch nicht mit meinen Augen, aber eines Tages, werden sie das tun. Die Jahre vergehen, wir werden älter und unsere Sichtweise verändert sich.


Zum Schluss möchte ich Euch ein passendes Gedicht zum Thema Nebel und Natur (in uns – unser Naturell) aus meinem Buch «Mein Name ist Julia» vorstellen:


IM NEBEL WANDERN

Wie lange kann man durch den Nebel wandern?

So viel Grau, so viel Leere und auch Einsamkeit.

Man sieht einfach nichts und niemanden!

Kann der Mensch den Weg wirklich übersehen?

Und was ist mit der Wahrheit?

Kommt im Leben alles erst viel später?

Ich hab’ lange gebraucht um zu verstehen

und andere wollen es immer noch nicht sehen.

Zweifeln an der Wahrheit oder Verzweifeln am Leben.

Wir suchen nach Wegen, das Ganze irgendwie zu überleben.

Manche meinen, es liegt an der Kindheit.

Andere sind überzeugt, es liegt an den Genen.

Ich weiss nur, wer blind durch den Nebel wandert,

der sieht leider keinen einzigen anderen.

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