«Lacuna» von LIV und Geesbeatz im Test
Bild/Illu/Video: Fabian Florin

«Lacuna» von LIV und Geesbeatz im Test

Der Opener «Pjam Promo» ist feinster Boom Bap und genau der richtige Sound, den die Szene jetzt braucht. Das Werbestück brilliert durch einen pumpenden Beat, ein souliges Sample und einen Livty in Hochform. «Was macht dia fetti Sau im Prättigau?» ist eine ziemlich lustige, selbstironische Line, welche darauf hoffen lässt, dass der Corona-Epidemie nicht auch noch das Rapfestival in Grüsch zum Opfer fällt. Es ist schliesslich auch schon wieder ziemlich lange her, dass LIV ein Liveset zum Besten gegeben hat.


Der Song «Fuust ind Luft» ist schon länger draussen, aber hat nichts an seiner Energie verloren. Das klassische Rapstück ist dank einer nicht gerade alltäglichen Rhythmik nicht sehr einfach zum «Bearbeiten», doch für Livio Biondini ist dies ein Kinderspiel. Das Lied, welches voller Sozialkritik strotzt, zeigt einen gereiften Rapper, der sich vom Battlerap ein wenig verabschiedet hat und seine ganze Motivation in solch starke Werke steckt. Gerne mehr davon!

Einen ersten charmanten Gast gibt es auf dem Lied «Moment Of Truth Remix» mit SM. Es ist eine Ode der beiden Sprachakrobaten an den Untergrund und an den eigenen Weg. Sie zeigen in dem relativ kurzen Werk auf, dass es ihnen um die Musik, sowie nicht um den grossen Erfolg und Kommerz geht. Das ist eine schöne Message, welche zeigt, dass die Churer Jungs sich eben treu bleiben und nicht wie andere irgendwelchen Trends folgen. Musik, die man fühlt.

«Champions» ist die direkte Fortsetzung vom Lied «Soccer Shit» aus dem Jahr 2006. Während er damals über eine Champions League-Melodie mit Fussballwissen glänzte, kommen auf dem neuen Stück auch noch einige Originale wie Trainerlegende Giovanni Trapattoni zu Wort. Allerspätestens wenn dieser nach dem Fussballer «Strunz» fragt, zaubert das Stück jedem Zuhörer ein Lachen ins Gesicht. Dies ist eine echte Gabe der Churer Raplegende, denn LIV schafft es auch auf einer sonst ernsthaften Veröffentlichung eine Prise Humor rein zu streuen. Definitiv Hand und Fuss haben seine Fussballlinien und können deshalb getrost als kurzer Crashkurs für Fussballneulinge verwendet werden.


Das Abschlusswerk heisst «Quintessenz» und DJ Jermaine gastiert mit ein paar «Kratzern» auf dem schwierig zu berappenden Werk. Hier packt LIV nochmals die grossen Punchlines aus und zeigt sich unzufrieden mit der aktuellen Rapszene. Ich muss schon sagen, gut gibt es noch ein paar Künstler, die aus Leidenschaft neue Musik veröffentlichen und damit nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Denn hier hört man bei jeder Zeile das Herzblut, welches bei der Produktion rein geflossen ist.

Schlussfazit:
«Lacuna» von LIV und Geesbeatz ist ein Old-School-Meisterwerk, welches durch Inhalt und einer grossen Prise Nostalgie besticht. Die Beats vom Grossmeister Gees sind abwechslungsreich, aber doch miteinander verwoben und wie aus einem Guss. Es ist ein kurzes, aber packendes Werk, welches die Freundschaft, die Liebe zu Chur und auch zu Boom Bap zelebriert. Die Vorfreude auf das gemeinsame Album der beiden Legenden steigt nun ins Unermessliche, denn dieses funktionierende Duo liefert einfach Musik, die berührt und Tiefe aufweist.

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