Leben, Führen und Leben führen
Bild/Illu/Video: Gaudenz Egger

Leben, Führen und Leben führen

So habe ich begonnen, diese zwei unterschiedlichen Rollen, die der Privatperson und die der Führungskraft, zu vergleichen und hier sind meine Gedanken dazu:


In meinem Bericht «Das Leben als Influencer» letzte Woche habe ich uns alle als «wandelnde Werbeschilder» bezeichnet, doch dies betrifft nur unsere interne Marketingabteilung und wir als Mensch beinhalten noch viele andere «Abteilungen», auf welche ich hier genauer eingehe. Wenn man sich nun den Mensch als selbstständiges Unternehmen vorstellt, dann ist jeder einzelne von uns dessen Geschäftsführer und das würde bedeuten: Wir alle sind Führungskräfte!


Dank unserem freien Willen haben wir auch hier wiederum eine ziemlich grosse Auswahl: Wir können «dahinleben», «vor sich hin leben», ein Leben «leben», was sehr passiv ist, weil es dann einfach «gelebt wird», oder man kann die Zügel in die Hand nehmen und sein Leben «führen». Das ist natürlich nicht so einfach wie es klingt. Gewisse Prinzipien mögen einfach klingen, aber wenn es um die Umsetzung geht, steht «einfach» eher auch für «kurzfristig», daher schauen wir uns lieber die etwas schwierigere, dafür auch die langfristig relevanten, Beispiele an:


Jedes Unternehmen, das je gegründet wurde und alle, die je gegründet werden, basieren auf einer Idee, welche von einem Inhaber bestimmt wird. Wen wir als unseren Inhaber sehen und was seine Idee sein mag, ist eine sehr individuelle Ansicht und bildet unsere Abteilung «Herz». Diese Abteilung sollte ständig «brennen», also im positiven Sinn für eine Idee brennen! Sie bildet das Fundament für uns als Geschäftsführer, aber aufgepasst: ein Geschäft kann auch lange funktionieren, ohne dass diese Abteilung mit einbezogen wird oder ohne dass das Feuer am Leben gehalten wird. Wir sind ja schliesslich die Geschäftsführer und können unser Geschäft auf einer ganz eigenen Idee aufbauen. In dieser Idee, also im Sinn, den wir unserem Leben geben, liegt die Kraft unseres Fundaments. Wird diese Idee nicht von allen Abteilungen geteilt oder verstanden, kann das ganze Unternehmen ins Wackeln geraten. Dieser Zusammenhalt kann man auch als «Psychohygiene» anschauen. Wird zum Beispiel das Feuer in der Abteilung «Herz» nicht unterhalten, kann es mit der Zeit sehr düster und gefährlich werden!


Bei den Meisten ist die Geschäftsführung ihr Ego, die Logik, der Verstand, oder wie man das auch immer nennen möchte. Ich nenne sie hier Abteilung «Kopf» und nun mag es schon bei einigen klingeln, da ich so den altbekannten Kampf zwischen Kopf und Herz aufzeigen kann. Der wichtigste Punkt hier ist meiner Meinung nach folgender: Man darf sich nicht entweder NUR vom Kopf oder NUR vom Herz führen lassen, es sollte eine Teamarbeit sein. Ideal wäre also eine Art Geschäftsleitung bestehend aus Kopf und Herz.


Wir kennen es doch alle, zumindest denke ich, dass wir es alle so oder ähnlich erlebt haben: In unseren jungen Jahren wurden wir noch von unserem Herz geführt und mussten irgendwann ein paar emotional ziemlich harte Dämpfer einstecken. Niemand wusste genau, was und wieso es so geschah und wir waren völlig verloren. Unser Verstand wurde geweckt, hat bald die Initiative ergriffen und das Herz kurzerhand aus der Geschäftsführung geschmissen, um weitere Schäden zu verhindern. Bei manchen geschieht das früher, bei anderen später.


Es gibt Menschen, die ihr Leben lang nur auf ihr Herz hören und im schlimmsten Fall ihr Leben lang verletzt werden, ohne je herauszufinden, wieso. Dann gibt es jene auf der anderen Seite, die ihr Herz erlöschen lassen und gefühlslos ihr Ego durchsetzen, in der Hoffnung, auf diese Weise glücklich zu werden. Doch genau darum braucht es beide Parteien, eine gesunde Mischung zwischen unserem Lodern im Herzen und die passende Logik dazu, dieses Lodern am Leben zu erhalten. So können wir ein erfülltes und ausgeglichenes Leben zu führen.


Das wäre jetzt ein passender Schluss gewesen, aber ich möchte noch kurz auf die anderen Abteilungen eingehen: Die Buchhaltung ist für unseren Umgang mit Geld verantwortlich und sollte genügend gefördert werden, damit wir selbst alles im Griff behalten können, ohne in irgendeine finanzielle Abhängigkeit zu geraten. Idealerweise beobachtet man regelmässig seine Zahlen und hat auch einen passenden Businessplan dazu, welcher zur Grundidee des ganzen Geschäfts passt. Wenn es um Ferien geht, funktioniert das meistens ganz gut.


Dann kommt noch eine ganz interessante Abteilung: Das Personalwesen, oder HR (Human Resources). Sie ist in diesem Sinne für den Umgang mit sich selbst und anderen zuständig. Wenn also jemand ein Arschloch sein sollte, dann ist nicht automatisch das ganze Geschäft am Arsch, sondern bestenfalls «nur» diese Abteilung. Es hat also nicht gezwungenermassen einen Zusammenhang mit dem Feuer, das im Herz erloschen sein mag. Viele Arschlöcher könnten also doch noch ein loderndes Feuer haben, welches einfach für etwas anderes brennt, als für sie selbst oder ihre Mitmenschen. Und auch falls dem nicht so sein mag, wir als Geschäftsführer haben ja immer noch Einfluss auf unser eigenes Verhalten, falls wir dazu wirklich bereit sind.


Was für ein Geschäftsführer bist du und wie nimmst du deine Verantwortung für dein Geschäft wahr? Führst du es selbst und arbeitest du ständig an neuen Zielen? Probierst du möglichst viele neue Sachen aus oder überlässt du alle Entscheidungen dem Inhaber?

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