Mein Senf zum Coronavirus
Bild/Illu/Video: Heidi Troisio

Mein Senf zum Coronavirus

Niemand sagt aus Spass beliebte Veranstaltungen ab und nimmt grosse finanzielle Verluste und andere Umtriebe in Kauf. Die Angst muss also tatsächlich gross sein, dass sich der Virus auch in unserer Region weiter ausbreitet. Aber wie gross ist die Gefahr, dass Ich, Du, eines unserer Kinder oder unsere Eltern an dem Coronavirus erkrankt? Wie hoch ist die Sterblichkeit und tragen Geheilte Schäden davon?


Diese Fragen kann ich und - ich wage zu behaupten - derzeit auch niemand anders abschliessend beantworten. Und das ist das, was mir Sorge bereitet. Nicht der Virus an und für sich, denn es gibt genügend Viren auf dieser Welt, die genauso schlimm und sicher auch noch viel schlimmer sind, aber diese Ungewissheit, diese unsichere Faktenlage macht mich doch ein wenig nervös. Die Sachlage ändert sich täglich, wenn nicht sogar stündlich. Da ist es sogar für mich als Journalistin schwierig, die aktuelle Lage richtig einzuschätzen. Keiner weiss, was als Nächstes kommt.


Die Ähnlichkeit zu einer saisonalen Grippe ist dabei Fluch und Segen zugleich. Einerseits beruhigt die Ähnlichkeit viele Menschen. Andererseits führt genau diese auch dazu, dass sich der Corona-Virus besser ausbreiten kann. Denn wer springt schon wegen Husten und Fieber gleich zum Arzt? Zudem sollen Betroffene auch ohne Symptome ansteckend sein. Ihr merkt, worauf ich hinaus will: Es ist fast unmöglich zu sagen, wie viele Menschen den Virus wirklich schon haben und dementsprechend ist es auch schwierig, die Sterblichkeit auszurechnen.  


Ich verzichte darum darauf, Zahlen zu nennen. Ich verlinke euch zum Schluss meines Blogartikels lieber ein paar interessante Internetseiten und Artikel, die ständig aktualisiert werden. Ich möchte trotzdem genauer auf den Vergleich mit der Grippe eingehen. Laut aktuellem Wissenstand scheint der Corona-Virus bei ursprünglich gesunden Personen in den meisten Fällen wie eine Grippe zu verlaufen. Das heisst Betroffene bekommen zum Beispiel Grippesymptome wie Husten, Fieber und Atembeschwerden. Diese werden dann - am besten unter Quarantäne - behandelt, bis der Virus nicht mehr nachgewiesen werden kann.


Wie bei der saisonalen Grippe scheint der Corona-Virus vor allem für Ältere und Schwächere gefährlich zu sein, das heisst für Menschen, die bereits gesundheitliche Probleme oder ein schwaches Immunsystem haben. Bei solchen Personen kann es zu Komplikationen wie zum Beispiel einer Lungenentzündung kommen und tödlich enden.


Auch wenn der Corona-Virus einer Grippe ähnelt, darf er aber auf keinen Fall unterschätzt werden. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen wird davon ausgegangen, dass sich der Corona-Virus schneller ausbreitet und verhältnismässig mehr Menschen an den Folgen sterben als bei einer Grippe. Darum ergreifen die Behörden auch besondere Massnahmen und verbieten unter anderem Grossveranstaltungen. Der Virus soll eingedämmt werden - und damit auch die Gefahr für die gesundheitlich angeschlagenen Menschen unter uns.


Im Gegensatz zur Grippe ist für den Corona-Virus auch noch kein Impfstoff einsatzbereit. Derzeit wird viel Geld in die Wissenschaft investiert, um einen geeigneten Wirkstoff zu finden. Bis dieses ausreichend getestet und eingesetzt werden kann, dauert es normalerweise aber fast ein Jahr. Trotzdem ist es wichtig, dass danach gesucht wird. Denn Experten gehen momentan davon aus, dass wir künftig mit dem Corona-Virus leben müssen wie mit dem Influenza-Virus.


Dass der Ursprung des neuen Virus ungewiss ist, macht die Sache auch nicht einfacher. Es wird zwar vermutet, dass der Corona-Virus auf einem Markt in der zentralchinesischen Stadt Wuhan ausgebrochen ist, wo unter anderem auch Fledermäuse und Schlangen gehandelt wurden. Das ist aber nicht sicher. Der Virus könnte sich dort auch einfach nur ausgebreitet haben.


Und jetzt kommen die Verschwörungstheorien ins Spiel: Der Virus soll extra in einem Labor in China gezüchtet worden sein, sei es um die Pharmaindustrie anzukurbeln oder die Überbevölkerung zu reduzieren. Ich wage es in dieser Hinsicht kaum meine Blauäugigkeit zu hinterfragen. Denn ich will einfach nicht, dass diese Welt so krank ist. Tatsächlich gibt es im Kampf gegen neue Viren neben den vielen Verlierern immer auch Gewinner. Das sind zum Beispiel Pharmaunternehmen, welche allfällige Wirkstoffe gegen das Virus haben könnten, sowie Hersteller von Desinfektionsmitteln, Atemschutzmasken sowie Schutzbekleidung. Entsprechende Firmen legen derzeit deutlich zu an der Börse. Es gibt also auch genügend Unternehmen, die vom Corona-Virus profitieren. Davor kann auch ich meine blauen Augen nicht verschliessen.


Nun wie gehe ich mit der ganzen Situation um? Als Journalistin war mir wichtig, Euch im Dschungel der aktuellen Informationsflut eine einfache Zusammenfassung zu liefern, damit ihr die Situation selbst besser einschätzen könnt. An dieser Stelle möchte ich auch betonen, dass es nicht nur die Medien sind, die mit ihrer ständigen Berichterstattung Panik schüren. Viel gefährlicher sind meiner Meinung nach Falschinformationen, die in den sozialen Medien verbreitet werden und von vielen unreflektiert geteilt und weiterverbreitet werden.


Als Mami kann ich euch nur sagen, dass ein Virus nie lustig ist. Seit ich Kinder habe, ist die Grippezeit jeweils der Horror für uns. Mein Sohn bekam bereits in seinem ersten Lebensjahr eine Bronchiolitis (Entzündung der kleinsten Atemwege). Aufgrund dessen verbrachten wir fast eine Woche im Spital, weil er auf Sauerstoff angewiesen war. Wenn ich eines daraus gelernt habe ist es, dass ich heute schneller reagiere. Viele Viren (wie zum Beispiel der RSV, der vor allem für Babys und Kleinkinder gefährlich ist) unterscheiden sich kaum von einer Erkältung mit Schnupfen und Husten, darum ist es schwierig, die Situation richtig einzuschätzen. Dauert die Erkältung an, lasse ich meine Kinder darum seither lieber einmal mehr vom Arzt abklären. Das soll kein Aufruf sein, bei jedem Schnupfen zum Doktor zu gehen, aber bitte hört auf euer Bauchgefühl oder das eures Partners. Damit konnte schon viel Schlimmes verhindert werden.


Zum Schluss möchte ich noch auf die aktuelle Hygiene-Kampagne der Behörden eingehen. Um sich vor dem Corona-Virus zu schützen soll man unter anderem seine Hände gründlich waschen, in ein Taschentuch oder in die Armbeuge husten und niesen und bei Fieber und Husten zu Hause bleiben. Meiner Meinung nach sind das alles Hygieneregeln, die immer gelten und eingehalten werden sollen, um andere Menschen nicht unnötig anzustecken. Aber eben in Zeiten, in denen es verpönt ist wegen Krankheit von der Arbeit fernzubleiben und Kinder mit Fieberzäpfchen in die Kita geschickt werden, muss man sich nicht fragen, warum es eine Kampagne dafür benötigt.


Ich verhalte mich also momentan wie bei jeder Grippewelle: Ich achte vermehrt auf die Hygiene, zeige auch meinem Dreijährigen immer wieder, wie man richtig Hände wäscht und dass man in die Armbeuge anstatt in die Hände niest, auch wenn es für ihn schwieriger ist das umzusetzen. Grosse Menschenansammlungen meiden wir jeweils auch immer in der Grippezeit. Da uns aber in den vergangengen drei Jahren trotz allem doch immer irgendein Virus erwischt hat, habe ich langsam aber sicher das Gefühl, dass man sowieso nicht mehr als aufpassen kann: Wenn es einen erwischen muss, erwischt’s einem! Hat man das übrigens einmal eingesehen, lebt es sich allgemein lockerer! In diesem Sinn: Bitte keine Panik, hört auf euer Bauchgefühl und wenn man es nicht lassen kann, Witze über den Corona-Virus zu reissen, dann bitte wenigstens gute!


Hier gibt's einige interessante Links zum Thema:

Aktuelle Situation und Massnahmen in der Schweiz.

Aktuelle Situation und Massnahmen in Liechtenstein.

Der empfehlenswerte Newsticker der NZZ.


Weitere interessante Artikel:

Von der NZZ.

Vom deutschen Spiegel.

Von der Republik.

Von Echtemamas.de.

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