10 George 10 Lange Nacht der Museun 10 Maramber
Bild/Illu/Video: Anja Reichhardt

Mein Sommer in den Bergen

Diese Abgeschiedenheit, gefühlt fernab der Zivilisation, lässt Sorgen und Probleme des Alltags zurück in der Welt, die ich gerade hinter mir gelassen habe.


Ich zucke erschrocken zusammen, als ein Käuzchen plötzlich knapp über meinem Kopf auffliegt. Gleich darauf ist es wieder still...

Oder, nicht ganz: Nach und nach registriere ich die Geräusche der Nacht.


Irgendwo in der Nähe ruft der Kuckuck. Ein Ruf, der mich hier oben in den nächsten Wochen begleiten wird und daran erinnert, wieviel Leben es hier oben in der Einöde doch gibt.


Weiter oben am Stausee hört man das stetige Rauschen des Schmelzwassers, welches von den gewaltigen Hängen der umliegenden Berge hinabfliesst. Spät ist es dieses Jahr mit der Schneeschmelze. Die Strasse wird erst nächste Woche offiziell für den Verkehr freigegeben, zu gross ist noch die Gefahr von spontanen Lawinenabgängen.


Wenn man ganz genau schaut, kann man weit unten im Tal ein paar Lichter erahnen, die zum dortigen Campingplatz gehören. Das nächste Anzeichen von Zivilisation und trotzdem noch Kilometer vom Hauptort entfernt.


Nun stehe ich ganz allein hier oben und habe das Gefühl, ganz genau am richtigen Ort zu sein.


Noch vor einem Monat sah die Welt ganz anders aus.

Zur Wiedereröffnung der Aussenterrassen in der Gastronomie hatte ich einen Job in der Nähe meines Wohnortes angenommen. Doch schon nach einiger Zeit stellte ich fest, dass einzig der kurze Arbeitsweg für diese Stelle sprach.


Dann diese Stellenanzeige: Mitten in den Bergen, zwei Stunden Fahrzeit von daheim...neuer Pächter, neues Team...warum nicht mal anschauen? Gesagt, getan...


Ab vom Schuss ist schon etwas untertrieben - die Strasse von Göschenen unterhalb Andermatt zieht sich eng und kurvenreich über etwa 10 Kilometer bergauf. Nichts für notorische Raser und Angsthasen...also eigentlich nichts für mich (vor vielleicht 10 Jahren).

Und was mich dann dort oben erwartete, war einfach atemberaubend. Eine traumhaft schöne, fast unberührte Natur mit Felsen, Schneefeldern und - als Kontrast- das zarte Grün der erwachenden Natur, der Übergang vom Winter zum Frühling, wie er kontrastvoller nicht sein kann.


Und über all dem thront der 2,5 km lange Gletscher auf einer Höhe bis zu 3300 Meter über Meer.


Ja, hier möchte ich den Sommer verbringen.


Es wird eine kurze und intensive Sommersaison hier oben im Berggasthaus werden, denn bereits ab Oktober kann es wieder Schnee geben und dann ist man den Elementen ausgeliefert.

Sicher wird es auch sehr arbeitsintensive Zeiten geben.

Doch wer hier hinauf kommt zum Wandern, Biken, Fischen oder einfach nur Entspannen, der lässt die Hast und Eile im Tal unten zurück.

 

Für mich sehe ich es als Gelegenheit, ein Stück weit den Augenblick, das Grossartige, Allgegenwärtige in den Alltag zu integrieren.

Weg vom Planen, Funktionieren, im Gestern oder Morgen leben - hin zur Gegenwart.


Den Fokus zwischendurch auf die umgebende Natur richten, Kraft daraus zu schöpfen und Dinge wiederzuentdecken. Und um letztendlich zu sehen wie klein unsere alltäglichen Probleme vor dem Hintergrund dieser imposanten Bergwelt werden, wie winzig wir als Menschen sind. Und dass wir ein Teil dieser grossartigen Natur sind, ohne die wir nicht existieren können.

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