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«Mirror:Breathe» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Mirror:Breathe» im Soundcheck

Mit einem ziemlich eingängigen und bleibenden Riff startet der Opener «Liar», der einen ersten Vorgeschmack gibt, warum ich 11AM in den vergangenen Jahren so intensiv gehört habe. Hier verschmelzen eingängige Popmelodien mit progressive Rockklängen auf natürliche Art und Weise zu einer stimmigen Symphonie. Genial!

Der Vorabtrack des Albums mit dem Titel «Mirror:Breathe» hat ein fesselndes Video und einen mystischen Unterton, der die Zuhörerschaft bereits nach dem ersten Hören nicht mehr los lässt. Im Vergleich zu den vorgängigen Alben haben die Churer auf diesem Werk ihrem Sound noch zusätzliche Tiefe verliehen, was zum Teil durch Studiospielereien und sehr häufig durch eine «nerdige» Liebe zum Detail passiert ist.


«Charade», das Lied mit demzweiten Video der Veröffentlichung, ist ein ziemliches Brett. Irgendwie passen die bösen Metalgitarren von Axl Müller noch ziemlich stimmig zu den fast schon kommerziell angehauchten Gesangslinien von Ervin Janz. Die Formation weiss sehr gut, wo ihre Stärken liegen und setzten sie auch bewusst für die Komposition ein. So erhält dieses Lied, welches ohne die instrumentalen Zwischenteile vielleicht ein Song wie jeder andere wäre, einen ganz eigenen 11AM-Stempel, der Rockfans begeistern kann und anderen Musikgeniessern sicher neue Türen zu anderen Stilen öffnet.


«Darkest Night» ist eine Ballade, die getragen wird von wundervollen akustischen Gitarren und Geigenklängen, die sofort unter die Haut gehen. Ich fühle mich an «Hold me if you can» erinnert und weiss, dass in Ervin’s Hinterstübchen wohl noch so manch ganz grosser Song auf das Niederschreiben wartet. Denn es ist, was es ist: Ein regelrechter Hit, der auch ziemlich gut im Radio gespielt werden könnte, aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.


Irgendwie hat Leitwolf was mit den Lügen im Moment. Denn auf «Are you gonna lie?» ist es schon zum zweiten Mal auf diesem Tonträger ein Thema. Ich für meinen Teil bin geflasht von den spannenden Rhythmen und dem groovigen, druckvollen Zusammenspiel, dass die Herren hier der Nachwelt hinterlassen. Auch Drummer Andriu Maissen haut inzwischen ziemlich heftig auf die Töpfe, was mir sehr gut gefällt und beim letzten Album ein wenig gefehlt hat. Wow!


«The Roses» ist verträumt, schwebend und tieftraurig. Der perfekte Soundtrack für die kalten Tage ist nicht nur wegen der Tambouren-Begleitung und den fast schon versteckten Chören ein echtes Spektakel; das Gesamtkonzept ist sehr berührend und schafft es einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

«Chasing Birds» hat ein Killerriff, das bei mir sofort ein zufriedenes Lächeln auf die Lippen zaubert. Spannend, wie elektronische Elemente sich mit heavy Gitarren vermischen. Es ist ein ziemlich epischer Rocksong, wie er viel zu selten in Graubünden produziert wird. Ohne Rücksicht auf Verluste rocken die Jungs nach vorne und zeigen, was ihren Sound so einzigartig und wertvoll macht.

«Hell» hat fast schon einen bluesigen Unterton in der Strophe. Im Refrain geht der Himmel auf und ein typischer 11AM-Refrain bringt den Hoffnungslosen Hoffnung mit. Eigentlich krass, wie in den USA Bands, die solch spektakuläre Klangwelten erschaffen, Stadien füllen. Hier in der Schweiz fristen kreative Kapellen wie das Churer Quartett eher ein Schattendasein, was mich schon ein bisschen melancholisch stimmt.


«I break» hat irgendwas Crossover-mässiges, da die Strophen fast schon ein bisschen Rap beinhalten. Doch allzu lange verweilen die Herren nicht im gleichen Genre und machen sich auf zu neuen, von Lokalen noch unerforschten musikalischen Gefilden. Holy Moly, wird das ein progressives Feuerwerk gegen den Schluss. Gänsehaut!


«Blink of an Eye», der leider schon letzte Titel des Werks, ist ziemlich nachdenklich und von den Instrumenten her minimalistisch gestaltet. Kurz vor zwei Minuten startet das Duo Flurin Sievi und Andriu Maissen einen Aufbau, der dem etwas ruhigeren Song Dynamik und auch etwas Magie einhaucht.


Schlussfazit:
Im vergangenen Jahr sind wenige Platten erschienen, die es mit den handwerklichen Feinheiten und der Virtuosität von 11AM aufnehmen können. Ihr Album «Mirror:Breathe» offenbart der Hörerschaft neue Klangwelten, dies immer auf einem internationalen Level inszeniert. Fernab vom Kommerz stellen die Churer die Musik und nicht die Verkaufszahlen in den Fokus, weshalb ihre geborgenen Schätze leider eher nur einem Nischenpublikum bekannt sind. Das ist irgendwie wirklich schade, denn das neue 11AM-Album hat alles, was ein richtig gutes Album braucht: Grosse Melodien, Hits, Facettenreichtum, Klänge, die alle Schubladen und Grenzen sprengen, sowie eine Band, die vor Spielfreude und Leidenschaft nur so sprüht.    

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