Museum Laax - attenziun tradiziun!
Bild/Illu/Video: Patrick Devonas

Museum Laax - attenziun tradiziun!

24 von rund 200 ausgewählten Erzählungen, Sagen und Mythen erleben die Besucher des Museums in Form der Tondi von rund 16 cm Durchmesser. Visualisiert in narrativ angelegten Miniaturmalereien.


Eine Geschichte stellen wir vor. Weitere, zum Teil gruslige Erzählungen warten auf Sie im Museum in Laax, welches jeweils am Dienstag und Donnerstag geöffnet hat.


Der Ritt auf dem Fuchs

Es war am Tag des Sankt-Johannes Festes, dem 14. Juni. Mein Onkel Franz war Hirt auf Plaun de Fallas, einem Maiensäß, das zur Alp Lumpegna gehört. An diesem Tag ist eine Prozession in Disentis, und zur gleichen Zeit sah der Onkel auch eine merkwürdige Prozession durch das Maiensäß laufen. Es waren viele Bekannte von ihm darunter, Männer und Frauen aus allen Gemeinden da herum. Es werden etwa fünfzig Personen gewesen sein. Mit denen hat er natürlich nicht reden können, hat aber nie ausgesagt, wer es war. Und als er am Abend herunter kam von Plaun de Fallas und zum Pegn rodun gelangte - dort mußte man vorbei. Eine hohe, schöne, runde Tanne stand da. Noch heute heißt die Gegend Pegn rodun. Ich habe die Tanne noch gesehen. Jetzt steht sie nicht mehr, aber man sieht den Stock noch. - Als Onkel Franz also dort vorbeikam, sah er la Mandella. So nannte man eine, die mit kleinen Hühnchen vom oberen Tessin her kam, um sie hier zu verkaufen. Die hat er gesehen, wie sie mit ihrem Korb voll Hühnchen und allem am Rücken auf einem Fuchs die Tanne hinauf ritt. (Ella ei ida a cavagl sin ina uolp dil pégn si). Er hatte keine Angst sondern schaute zu, „wie die da von einem Ast zum andern die Tanne hinauf ritt auf dem Fuchs. Die Mandella hat er vielmal gesehen.


Als er am Abend heimkam, sagte der Onkel: er habe schöne Sachen gesehen an diesem Tag! Nicht jeder sah es. Es konnten zwei beieiander sein; einer sah nichts der andere sah es. Ich
kannte die alte Mandella noch, als ich ein Bub war. Es ischt e wüeschti Khoga gsi. Von der sagten sie immer, sie sei eine Hexe. Die Hexenprozessionen auf Maiensäßen und Alpen wollten wohl in gleißnerischer Nachahmung des andächtigen Bittganges die Kirchgänger drunten verspotten.

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