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Musik kennt keine Grenzen
Bild/Illu/Video: Christian Imhof

Musik kennt keine Grenzen

Das Werdenberger Kleintheater war bereits kurz nach 20 Uhr gut gefüllt. Zum letzten Mal in diesem Jahrzehnt lud das Fabriggli zum Tanz und die treue Stammkundschaft liess sich nicht zwei Mal bitten, schnürte die Tanzschuhe und machte sich auf zum Club im Herzen von Buchs. Im Vorverkauf seien nicht wirklich viele Tickets verkauft worden, erklärte mir Booker Flavio Strässle. Seit kurzem arbeite das Fabriggli eben mit Ticketino zusammen und eine solche Umstellung brauche wohl noch ein wenig Zeit, dass sie beim Publikum in Fleisch und Blut übergehe. Doch er sei begeistert, dass seine Ängste sich nicht bewahrheitet hätten und die Stammkunden sich vor allem an der Abendkasse mit Tickets eindecken. Für grosses Interesse am Jahresabschluss hatte erneut sein gutes Booking-Händchen gesorgt, denn auch bei diesem Konzert konnten die Macher auf Gratiswerbung vom Schweizer Radiosender SRF3 zählen, wo der Hauptact Šuma Čovjek noch am Morgen zu Gast war und mit einem kurzen Ständchen auf das Konzert am Abend hinwies.


Eine Vorgruppe mit Nachhall

Als ich beim Fabriggli eintraf, war ich ein wenig verwirrt. Denn die Vorgruppe Manta Youf stand auf einer ziemlich vernebelten Bühne und gab ihren etwas eigenwilligen Mix aus Indierock, Ska und Dub zum Besten. Ihre punkige Attitude machte mir Eindruck und phasenweise klang der Mix aus Synthie- und Gitarrenklängen, sowie der einzigartigen Stimme von Cyrill Sutter ziemlich fett und innovativ. Der Frontmann leistete einen grossartigen Job, in dem er neben dem Gesangspart auch noch durch das Publikum tanzte und mit den Animationen stets am Ball blieb, dass sich auch ja niemand langweilen konnte. Das Gesamtkunstwerk Manta Youf wurde vom Fabriggli-Publikum offen willkommen geheissen und die Jungs aus Baden ernteten für ihre Kreativität viel Zuspruch. Dieses leicht theatralische, aber nie abwesende auf der Bühne sorgte für Bewunderung und ich als Schlagzeuger hätte mir bei meinen Bands immer einen solch engagierten Frontmann mit Charisma gewünscht, der es schafft, den Livemoment dermassen auszuleben.  


Zeit der Veränderung

Kurz nach 21 Uhr betrat der Hauptact Šuma Čovjek die Bühne im Fabriggli. Die mit sanfteren Klängen und weniger Dezibel, obwohl gleich auf einen Schlag sieben Männer auf der Bühne standen. Die Herren luden zu einer musikalischen Reise durch fremde Qulturen, die niemanden kalt liess. Mit viel Herzblut und Leidenschaft erzählten sie Geschichten in Kroatisch, Arabisch, Englisch, Französisch, Roma und Spanisch. Bei den zum Teil exotischen Worten wurde Jeder und Jedem im Lokal klar, dass es bei der Musik nur bedingt um den Text, sondern viel mehr um das Übermitteln einer Emotion geht. Auch wenn die beiden Frontmänner hin und wieder ein wenig von den Hintergründen ihrer Chansons erzählten, schaffte es die Band mit ihrer Musik, Gefühle direkt in die Herzen der Zuhörer zu transportieren. Das Publikum war von Anfang an Feuer und Flamme für die grenzenlosen Klänge, da sie oft auch direkt in die Beine fuhren und sehr tanzbar waren. Bei gewissen Liedern rauschte die Freiheit der Fahrenden mit, andere trieften vor Melancholie und das Wichtigste an der ganzen Geschichte, nicht ein einziges Lied klang wie ein anderes. Die Inputs von den sieben Männern, die auch noch aus unterschiedlichen Qultur stammen, zeigten, wie wichtig es ist, mit offenem Herzen durch das Leben zu gehen, denn das Fremde kann das eigene Leben immens bereichern. Das Konzert von Šuma Čovjek lässt darauf hoffen, dass noch viele Menschen die Chance des qulturellen Austauschs entdecken und die Gesellschaft im nächsten Jahrzehnt wieder eine weltoffener wird.

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