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Nachgefragt bei U.C. Eigenmann und Passona
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Nachgefragt bei U.C. Eigenmann und Passona

Er feiert mit der Band, die er 1968 in Bern zusammen mit dem Gitarristen Virginio «Gini» Zambelli gegründet hat, «75 Jahre UC / 70 Jahre Tastendrücken / 54 Jahre off&out» mit zwei Konzerten in der Mahogany-Hall Bern (16.9.) und in der Industrie36 Rorschach (17.9.).


Natürlich gratulieren wir von Qultur zu diesem Jubiläum und aus diesem Grunde stelle ich dem Komponisten und Bandleader Urs per Mail ein paar Fragen. Ich bin übrigens schon mit fast allen der Band auf Bühnen gestanden und kenne auch Urs persönlich, darum darf ich Du sagen.


Hallo Urs! Wie gehts Dir so allgemein in Deinem 75. Lebensjahr? Wie ich sehe, gibst Du auch Vollgas mit Auftritten und bist noch fit?
Hallo Max, danke für die Nachfrage. Es geht mir eigentlich sehr gut. Die Jahre rasen zwar immer mehr vorbei… aber das ist der Lauf der ewigen Zeit und der des Erdenlebens. Ich nenne das die Unzeiten. Man pflegt in meinem Alter natürlich mehr die Korrespondenz mit der Gesundheitskasse… früher waren es die Liebesbriefe. Zwar gebe ich Gas mit Auftritten und mit Projekten, aber das ist in der heutigen Zeit nicht mehr einfach. Es gibt so viele Bands und die Veranstaltenden haben die Generation gewechselt. Da ist meist andere Musik gefragt, und wenn man in der Ostschweiz wohnt, ist es schwer, in der übrigen Schweiz Gigs zu erhalten. Die nehmen die Einheimischen, die sie kennen. Das ist mein Eindruck. Im Moment werden Engagements gerechterweise infolge der Corona immer noch verschoben und bis dann wieder freie Termine entstehen, wird es mindestens nächstes Jahr.


Wie viele CD's hast Du eigentlich schon insgesamt herausgebracht?
Das sind 2 LP’s, 9 CD’s und eine Doppel-CD-Projekt mit 170 Leuten. 2 weitere Live-CD’s habe ich zwar aufgenommen, aber nicht veröffentlicht. Das sind zwei Grossprojekte gewesen: «Dr. Johannes Faust» anlässlich der Open Opera St.Gallen, für die ich 1993 die Komposition geschrieben und die musikalische Leitung inne hatte, und «Unzeit Gemäss», das ich 2017 anlässlich zu meinem 70. Geburtstag komponiert habe, zu Texten von verschiedensten Ostschweizer Lyrikmenschen. Beide Projekte waren mit klassischer Besetzung.


Du hast schon so viele Titel geschrieben - wie kommt es, dass auf der Live-CD Covers zu finden sind? Und trügt mich mein Erinnerungsvermögen, oder bist Du mit dem Alter ein wenig kommerzieller in der Songauswahl geworden?
Ja, ich habe sehr viele Titel geschrieben. Bis 1984 habe ich fast nur Eigenes gespielt. Da ich aber stilmässig ausserordentlich flexibel bin, kann ich mich für Verschiedenstes begeistern. Das ist der Jazz, obwohl ich keine Standards spiele (das können andere besser, welche die vielen verschiedenen Tonleitern studiert haben…), der Soul-Jazz, the black Soul-Music, Popsongs der für mich schönen Art und die klassische Musik in meinem Sinne. Ich habe zwar als 14-Jähriger an einem Jugend-Wettbewerb den Preis für ein kleines Mozartkonzert gewonnen, das Institut für Jazzin Graz und die Jazzschule Bern besucht, aber keinen Abschluss gemacht. Ich spielte einfach nur und habe das, was ich von der Schule lernte und mir nützte, angewendet. Das Meiste eignete ich mir autodidaktisch an. So habe ich die beiden Grossprojekte hörens- und erfahrungsgemässig komponiert, ohne Harmoniekenntnisse. Klassische Gesangsleute haben mir das Kompliment gemacht, dass sie selten so stimmengerechte Kompositionen erhalten haben. Das freute mich sehr. Die Topbesetzungen der Bands und der Aufführungen, das sind meine ehrenwerten «Diplömer». Die Mischung von 7 Covers und 5 Eigenen finde ich sehr gut. Die CD soll ja unsere Musik präsentieren, die wir auf der Bühne spielen. Es folgen immer mehr eigene Kompositionen, mit Texten von Leandra. Das ist eine Frage der Zeit. Wir mussten kurzfristig ein Konzertprogramm aufstellen. Und gute Kompositionen brauchen ihre Zeit. Es gibt genügend schlechte Beispiele. bei denen jeder Song gleich tönt, wie der andere. Hinzukommt, dass Covers von Ray Charles, Aretha Franklin & Co. mich seit meiner Kindheit begleitet haben und es ist mir eine grosse Ehre, diese Songs auch spielen zu können, immer mit den Gedanken an diese wunderbarsten Menschen und dem grossen Respekt vor dieser Musik mit ihrem geschichtlichen Hintergrund. Das ist für mich kein kommerzieller Hintergrund. Und Leandra singt diese Songs alle auch mit grossem Respekt und grössten Einfühlvermögen. Und – das grosse Glück will es, dass wir denselben Stil und Groove lieben.


Mit «QintOrchestra», unserer Instrumentalbesetzung und mit «Drive On» mit Erich Tiefenthaler (Flöte, Sax), Jeff Wohlgenannt (Bass) und Andy Leumann (Drums) spielen wir fast nur Jazz mit Eigenkompositionen. Mit «Drive On» sind wir am 26. Oktober im «1733» in St. Gallen zu Gast.


Ihr schreibt in den Informationen, dass «Passona» 2020 gegründet wurde. Aber «off&out» gibt es ja schon 54 Jahre. Warum hast Du nicht gleich den Namen behalten, wenn ihr mit zwei Bläsern mehr sowieso wieder den alten Namen braucht?
«off&out» war ab 1968 bis 1984 eine Instrumentalband mit sehr viel Improvisation. Das wird jetzt auch mit dem Gesang so sein. «Passona» haben wir im Jahre 2018 aufgrund meiner zufälligen Begegnung mit Leandra gegründet. Eine Kollegin schrieb mir, dass ihre Gesangskollegin in einigen Tagen an einer Hochzeit singen sollte, und die Pianistin abgesprungen sei. Ob ich nicht einspringen könnte, was ich genussvoll tat. Das war ein Glücksmoment und meine Musikfreunde waren mit dem Wunsch, mit Leandra eine Band zu gründen, sofort einverstanden. Musik mit Gesang – Bluesiges, Souliges und auch Poppiges. Die Jubiläumskonzerte werden ein genussvolles Zusammenspiel von Gesang und viel Improvisation sein – 54 Jahre «off&out».


So eine CD Produktion ist ja nicht ganz billig. Wie finanzierst Du das?
Früher war die Produktion viel teurer. Mit der heutigen riesigen Konkurrenz, mit der Studios leben müssen, findet ein grosser Preiskampf statt. Man kennt die renommierten Studios und achtet natürlich auch auf den Preis, weil wir ja meistens keine Millionäre sind. Ich hatte das Glück, dass ich alle Produktionen mit ansehnlichen Unterstützungsgeldern realisieren konnte, zum Teil wochenlang, mit Hotel und Verpflegung. Irgendwie vertrauen mir seit 1968 Private, Stiftungen und Ämter, was mich natürlich sehr freut und ehrt, obwohl ich 24 Mal von einer Stadt in die andere umgezogen bin. Dafür bin ich immer sehr, sehr dankbar.


Ihr schreibt, dass die neue CD live aufgenommen wurde. War das an einem Auftritt, oder wart ihr im migou-Soundpool Studio bei «Ghandi» Vetterli und habt alle Songs so lange gespielt, bis ein Take gut war?
Die CD «Passona – Soul Blues & Heart» ist kein Live-Mitschnitt von einem Konzert, aber live im Studio eingespielt, was heisst, dass wir die Songs miteinander eingespielt haben, mit einer Pilotspur mit Leandra. Sie hat als einzige alle Songs nochmals alleine eingesungen. Wir Musicisti haben dagegen nur einige (wenige!) Korrekturen gemacht und das eine oder andere Solo nochmals eingespielt. Und «Ghandi» hat natürlich in Sachen Aufnahmen und Mix eine Obersuperhammerleistung an den Tag und in die Nacht gelegt! Danke lieber Ghandi!


Wie schwierig ist es, freie Termine mit den Profimusikern der Band zu finden? Wie ich die meisten kenne, sind die ja auch häufig unterwegs?
Bei dieser mühsamen Situation, dass keine Angebote eintreffen, ist es nicht schwierig. Aber in besseren Zeiten, wofür ich sehr hoffe, da kann es natürlich schwierig werden, weil meine Leute hochkarätige Musiker sind und überall mitmischen. Wir werden sehen. Vielleicht zählt dann «der Meistbietende».


Wer von den Musikern war schon vor 2020 dabei?
Wir reden da vermutlich von 2018, als wir die Band gründeten. Wegen Corona konnten wir erst im 2020 das erste Mal auftreten. Vor 2018 waren alle Musiker dabei, denn wir hatten das Projekt «Soulshine» mit der Sängerin Sylvie Engeler.


Du hattest jetzt doch ein paar Wechsel am Gesang. Leandra Wiesli kannte ich bislang noch nicht, doch sie macht einen guten Job, wie alle. Möchtest Du etwas zu den Wechseln sagen?
Mit dem Gesang in Berührung kam ich aufgrund meiner späteren Tätigkeit als Klavierlehrer und Schulbandleiter an den Musikschulen Appenzeller Mittelland und Flawil und dann als Musiklehrer an der Oberstufe Flawil. Den ersten professionellen Gesang baute ich im Jahre 1985 in die Band ein. Der damalige Leiter des Open Air St. Gallen – Andreas B. Müller – lud mich ein, eine St. Galler-Band für das Festival 1985 zusammenzustellen, alles mit eigener Musik. So lernte ich Malcolm Green kennen, der gerade in die Schweiz nach St. Gallen gezogen und mit Peter Waters ein Konzert gab, an dem ich ihn zum ersten Mal getroffen habe. Als ich ihn fragte, ob er mit mir am Open Air spielen wolle, dachte er, dass ich «spinne». So gründete ich mit ihm die achtköpfige Band «Umamaca» und spielten auf der Hauptbühne. Weitere 14 Jahre haben wir dann intensiv zusammengearbeitet. Anschliessend gab es viele verschiedenste Einzel-Projekte mit Amelia Bruderer, der 14-jährigen Schülerin Laura Boldo, Jessica Hirschi, Sarah Abrigada, «GK» alias Georgios Kotsaridis, Sylvie Engeler und mit der portugiesischen Sängerin Melanie Russo, die zwei Mal dafür in die Schweiz gekommen ist. Mit Leandra Wiesli haben wir nun eine Sängerin gefunden, deren Leidenschaft und Liebe zur Musik auch einmalig ist. Ihre Unkompliziertheit, Offenheit, Bescheidenheit ihr grosses Können, auch autodidaktisch erworben, und die grosse Teamfähigkeit haben uns zu einer langfristigen Zusammenarbeit bewogen. Nicht nur in der Band. Leandra und ich spielen auch zusammen an Hochzeiten im Duo.


Wenn ihr Covers spielt: Jammt ihr einfach, was mit diesen Musikern natürlich problemlos möglich wäre, oder gibst Du ihnen Deine eigene Version vor?
Ich bereite nach Klärung der Tonlage mit Leandra alles notenmässig vor. Die Noten sind nicht überall zwingend. Die Musiker haben für die Mitgestaltung freie Hand. Wir spielen nicht den originalen der Covers nach, sondern es soll nach Passona tönen. Unser eigener Sound ist gefragt.


Nach so vielen Auftritten mit Deinen 75 Jahren: Gibt es eine speziell lustige Anekdote, welche Dir gerade einfällt?
Da hat es so viele lustige Momente gegeben… Spontan in den Sinn kommt mir nur eine höchst peinliche Anekdote, für die ich mich heute noch schäme. Während einer meiner Ansagen im damaligen Jazzclub Bazillus in Zürich ist mir ein Satz entwichen, bei dem eine Frau aufgestanden ist und mich lauthals beschimpft hat. Mein Saxofonist meinte ab dann immer – «Achtung, Urs droht mit Witzen».


Möchtest Du selbst noch etwas loswerden?
Apropos Gesang - Als Klavierlehrer hatte ich die grosse Freude, Gabriela Krapf zu unterrichten. Sie kam mit Songs in die Stunde, die sie singen wollte – alles herrliche Eigenkompositionen von ihr – und die wir so zusammen bearbeitet und entwickelt haben. Ich durfte sie auch noch – ohne Diplom – an der Kanti Trogen musikalisch weiter betreuen und sie hat die Best-Musikmatura abgelegt. Die Sängerin Amelia Amanda Bruderer war auch meine Klavierschülerin und Sängerin in der Schulband. Dann war ich Klavierlehrer und Schulbandleiter an der Musikschule Flawil. Da war «Elyn» alias Eliane Sutter und ihre Schwester, die bekannt gewordene Aktions-Künstlerin, Corinne Sutter, im Klavierunterricht und in der Schulband. Und als ich an die Oberstufe Flawil als Musiklehrer angefragt worden bin, war der Schulgesang das Hauptthema. Mit der gesangsbegabten Schülerin Laura Boldo hatte ich Auftritte mit «off&out», u.a. an meinem ehemaligen internationalen Festival «jazzin». Simon Hangartner ist meinem Wahlfach Theater «entsprungen», das ich an der Schule aufgetan und mehrere Jahre mit jeweils zwei Theatergruppen der 3. Klassen betreut habe und besuchte die Filmschauspielschule in München. Er lebt in Berlin und hat bereits eine erste Hauptrolle in einem international prämierten Film gespielt.


Herzlichen Dank für das Interview. Hat mich gefreut, und ich wünsche Euch viel Erfolg! Herzlichen Dank und – es sind halt viele Buchstaben geworden – es könnten noch viel mehr sein… www.eigenmannurs.com
Mehr über die Band findet Ihr auf passona.ch

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