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«Never mess with a fat Woman»
Bild/Illu/Video: zVg.

«Never mess with a fat Woman»

«Never mess with a fat Woman» - Jedoch keinesfalls mit Antonia Kalaschnikow aus Antonia Kalaschnikows Schwarzbuch der Rache von Lucie Gordon.


Bombenpanik im Finanzamt

Seit ich entschieden habe, mich an Oleg zu rächen, geht es mir besser. Heute Morgen hat mir sogar der Tritt auf die Waage einen kleinen Serotoninkick verpasst. Zweieinhalb Kilo minus. Wow!

Frau Kulik sagt, ich muss nur den Teufelskreis durchbrechen, darf nicht mehr jeden Frust in mich hineinfressen, dann wird es vorwärtsgehen. Das Fett sei eine Festungsmauer aus Defensive.

«Geh in die Offensive, Mädchen. Schlag zurück! Du wirst sehn, mit der Zeit purzeln die Kilos, weil deine Seele so stark wird, dass du den Schutzwall nicht mehr nötig hast.»


Sieht aus, als hätte sie Recht. Zweieinhalb Kilo sind ein Anfang.

Nach Olegs Bestrafung werde ich mir neue Kleider kaufen. Vielleicht passt mir dann die knackige Blue Jeans aus dem Beate-Uhse-Katalog, die es nur bis Größe 44 gibt. Ha! Oleg warte ab! Es ist Zahltag! Ich hätte von Anfang an stutzig werden müssen, dass ein Typ, der jedes leckere Marzipanschweinchen abschleppen kann, einer dicken Frau, wie mir, schöne Augen macht. Aber Oleg, ich werde dieses Mal nicht wieder die Schuld bei mir suchen, denn da gibt es keine. Das Schwein bist du. Man beleidigt dieses Tier, wenn man es mit dir vergleicht. Es gibt eigentlich keinen einzigen zoologischen Begriff, der auf dich passen würde. Du bist eine Kreatur. Deine Mutter hätte dich abtreiben sollen, aber okay, die Gute konnte nicht ahnen, dass sie ihre Liebe verschwendet. Genauso wenig wie ich, Oleg. Mit einem Unterschied – du bist nicht meine Brut! Rücksicht und Mitleid wird es nicht geben. Es wird dir nichts fehlen, da diese Worte in deinem Sprachgebrauch sowieso nicht vorkommen. Ich werde dich und deinen widerlichen Buddy Ferdi, standrechtlich behandeln.

Niemand tut der Toni so etwas an! Niemand!


Ich habe meinen blauen Schlüpfer, den du mir gestohlen hast, gesucht wie einen bösen Pfennig. Beinahe hätte ich geglaubt, dass kleine Kater Seide fressen, aber niemals, dass er als Beweistrophäe für eine abartige Wette vor einer Horde betrunkener, bekiffter Neandertaler, auf einem Stammtisch landen könnte. Oh, Oleg, du kannst mit deinem Rudimentgehirn nicht ermessen, was du getan hast. Aber Tonis Rache wirst du nie vergessen.


Ich wollte dich erschiessen. Darüber bin ich hinweg. Es wäre einfach zu clean und schmerzlos. Du hättest nicht die Chance zu leiden, aber die will ich dir keineswegs vorenthalten. Und ich will mich am Schwund deines ödematösen Egos laben. Ich will mit ansehen, wie es vor den Augen der Masse verschrumpelt, als hätte es Lepra. Und ich werde dafür sorgen, dass die Welt es mit ansieht, Oleg! Deine Verflossenen werden sich tierisch amüsieren und ob es noch Zukünftige gibt – wer weiss. Am besten du ziehst weg.


Es hat mich ein paar schlaflose Nächte gekostet, mir etwas auszudenken, von dem du vielleicht ahnen magst, dass es die Rache einer dicken Frau sein könnte, aber du wirst es niemals beweisen können. Jeder könnte es gewesen sein. Die Liste deiner Feinde wächst in deinem Job täglich. Wahrscheinlich wirst du es in deiner bornierten Überheblichkeit nicht einmal mit dir in Verbindung bringen. Aber ich werde dafür sorgen, dass dir ein Licht aufgeht.

Für alle anderen, die es nun leider Gottes mit trifft, werde ich ein Vaterunser beten. Verzeiht mir, wenn ihr könnt, oder auch nicht – es ist mir Wurst.


Onkel Wassili hat nicht gefragt, wozu ich das Semtex brauche. Es ist ihm egal, wenn er gut bezahlt wird. Er hat nur einen Moment lang mit seiner rechten Braue gezuckt, das Geld abgezählt, und dann ist er mit dem Päckchen hinter dem Hühnerstall hervorgekommen.


«Es reicht für ein zweistöckiges Haus, Djewotschka. Wenn ich deinen Vater nicht gekannt hätte, müsste ich mir Sorgen machen, ob du damit umgehen kannst», hat er gesagt. Aber das braucht er nicht. Papa war für Gleichberechtigung. Ich habe als Antonia genauso viel Prügel bekommen, wie sie Anton gekriegt hätte. Nach den Sprengungen musste ich mit den Gehilfen Steine abklopfen, bis die alten Handschuhe an den Fingern durchgescheuert waren, und meine Nägel aussahen wie die Steinbrüche, in denen wir gearbeitet haben. Die anderen Mädchen präsentierten jeden Samstagabend in der Disco ihre perfekt lackierten Krallen. Ich habe meine Hände in die Hosentaschen vergraben und die Not zur Tugend gemacht. Eigentlich bin ich der Designer des Strassenbengel-Looks. Ich habe Schiebermütze und Hosenträger schon getragen, bevor es die «Burda» salonfähig erklärte.


Papa, wenn es etwas gibt, für das ich dir dankbar bin, dann für das Wissen, wie man mit einem Kilo Semtex umgeht.


14. Dezember – mein Plan steht

Habe mir heute eine Skiausrüstung und einen Campingrucksack gekauft. Holla! Okay, ich sehe darin aus, wie ein Pfannkuchen auf dem Backblech. Hoffentlich ist die Welt nicht so klein, wie man sagt, und mir begegnet keiner, von denen die ich kenne, bevor ich wieder aus dieser ausserterrestrischen Kacke gestiegen bin.


Gonzales, mein Kater, beobachtet meine Maskerade vor dem Spiegel irgendwie belustigt. Die Bummelmütze gefällt ihm eindeutig am besten. Die Schneebrille dagegen mag er gar nicht. Wenn ich ihn damit ansehe, sträubt sich sein Fell und er knurrt. Voilà, Gonzales, das ist ein gutes Zeichen. Du erkennst deine Sklavin nicht wieder. Das tröstet mich über die verkorkste Erscheinung, da in meinem Spiegel.


15. Dezember – Frau Holle ist mit im Boot

Es hat heute den ganzen Tag geschneit, aber er ist nicht liegen geblieben. In Vorbereitung meines Planes habe ich die Scheune inspiziert, in der der Trecker steht. Er ist noch da. Ich glaube, er wird nicht mehr benutzt. Der Tank war leer. Ich habe ihn ein wenig aufgefüllt. Wenn der Schnee liegen bleibt, kann man die Scheune mit den Schiern gut erreichen. Sie liegt nicht weit von der Strasse im Bunkerwald bei Zossen. Ich freue mich auf diesen Winter und ich wünsche mir, dass es der kälteste seit der Eiszeit werden soll.


16. Dezember – verdammt! Der Winter ist zu langsam.

Die Tage fliessen zäh dahin. Es ist warm wie im März. Scheisse! Ich brauche Frost und Schnee. Ich will 30 Grad Minus!


22. Dezember – bald soll Bescherung sein …

Habe Oleg gesehen, auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Schlossplatz, mit einer 38-40. Lange rote Haare und eine bucklige Nase. Eine Hexe. Bringt es fertig, ihn auf den Markt zu schleppen,

unglaublich. Bin ihnen eine Weile lang durch die Budenreihen gefolgt. Als sie am Glühweinstand geturtelt haben, wurde mir auch ohne so ein Gesöff ganz heiss. Hab mich hinter afrikanischen Masken und Zeremonienstäben mit Totenschädeln versteckt, bis der Rastafari in dem Shop was falsch verstanden hat und mir nicht mehr von der Pelle ging. Aber okay. Er hat versprochen, dass ich für 30 Euro alle einschlägigen Voodoogeister auf meiner Seite hab. Also warte ab, Männeken.

Ich brauche Kälte und Schnee, verdammt noch mal!


28. Dezember – das Fressfest ist dahingegangen …

Weihnachten liegt hinter uns. Hatte mir wie jedes Jahr einen riesigen Blumenstrauss für den Heiligabend gekauft und dann sind wir mit Gisel in die Disco. Ich hasse Weihnachten abartig. Neben meinem Blumenstrauss-Weihnachtsbaum-Surrogat steht seit dem 22. Dezember ein Zeremonienstab mit einem Totenschädel. Jeden Abend stapfe ich damit im Kreis um meinen Couchtisch und bitte Santa Baby um Eis und Schnee und 30 Grad unter null.


29. Dezember – danke, Santa Baby

Habe meine Augen aufgeschlagen und durch das Balkonfenster gleisst weisses, kaltes Licht. Es ist so weit. Schnee liegt. Hurra! Endlich! Danke, Zarathustra! Das Radio an: Überall versinkt die Welt im Schnee. Eine Kaltfront kommt aus Grönland. Der Voodoo wirkt. Oleg freu dich! Werde heute vorsichtshalber noch ein paar Stricknadeln durch dein Foto spiessen, unterhalb der Gürtellinie, selbstverständlich.


31. Dezember – die Abrechnung naht ...

Ich war auf dem Postamt. Vor den Schaltern eine Anakonda und an ihrem Schwanz – O l e g. Zum Glück warteten zwischen mir und ihm mindestens zwei Dutzend Primaten. Er hat getan, als sähe er mich nicht. Aber aus den Augenwinkeln habe ich bemerkt, wie er mich fixiert. Dann kam die 38-40. Er hat absichtlich süss mit ihr geturtelt. Gestellt – extra für mich. Dieser Pavian!


3. Januar – die Endorphine gurgeln in meinem Bauch.

Habe heute in Erfahrung gebracht, dass der Pavian demnächst keinen Urlaub hat. So sei es! Let’s get started.


4. Januar – ENDLICH!

Klappe I, der Hauptfilm läuft. Habe den Trecker präpariert. Ich fühle mich wie gedopt. Niemand hat mich beobachtet. Es gibt keine Schuhabdrücke, nur Schneeschuhspuren und niemand ist mir begegnet. Der Wecker am Zünder ist auf 16 Uhr gestellt. Der Countdown läuft seit zwei Stunden. Noch dreissig Minuten. Ich habe mir den Angstschweiss vom Körper geduscht und bin perfekt gekleidet, soweit das eben in meiner Grösse möglich ist, aber ich fühle mich irgendwie federleicht. Auf der Waage, oh Freude, noch mal drei Kilo runter. Das Adrenalin wirkt Wunder. Ich bin zapplig. Ich kann nicht hier herumsitzen und warten. Ich muss raus.


4. Januar, um 17 Uhr – und es hat Boom gemacht …

Bin auf dem Parkplatz vor der «Verbotenen Stadt.» Es geht nicht weiter. Sie haben die Strasse abgesperrt. In der Ferne hört man die Signalhörner der Feuerwehr. In meinem Bauch fliegen tausend Schmetterlinge. Der junge Spund mit der Police-Uniform, der gerade an meinem Auto war, hat mir gesagt, dass einer von den Bunkern im Wald explodiert und eingestürzt ist. Die Strasse nach Wünsdorf sei abgesackt und unpassierbar. Sollte das mein Trecker ausgelöst haben? Das ist fantastisch! Medienwirksam! Genauso brauche ich das!


4. Januar, um 19 Uhr – ich bin hoch explosiv …

Spree Radio:

«Eine Explosion in einer Scheune im Bunkerpark Wünsdorf hat heute Nachmittag die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk beschäftigt. Erste Ermittlungsergebnisse sprechen für einen Sprengstoffanschlag. Menschen wurden nicht verletzt. Die Strasse nach Wünsdorf ist bis auf weiteres gesperrt.»

Wow! Ich mach einen Dankestanz mit dem Zeremonienstab.


6. Januar – ich habe A gesagt, jetzt sage ich B.

Die Kälte hält an. Wir haben 18 Grad unter null. Änderung nicht in Sicht. Das unendliche Universum weiss, worauf es diese Tage ankommt. Ich sitze an meinem Stammtisch in Zofis Café – gegenüber dem Parkplatz vom Finanzamt Mitte und stiere gedankenverloren durch die dicken, konvexen Butzenscheiben. Flocken wirbeln und dick vermummte Menschen ziehen ihre Brut auf Schlittenkufen hinter sich her. Ich trinke heissen Kakao und schreibe.


Seit mehreren Wochen sitze ich mindestens dreimal in der Woche hier an diesem Fenster. Das Personal kennt mich inzwischen. Es wird nicht auffallen, wenn ich am Hauptdrehtag, wie gewohnt, auf meinem Platz am Fenster sitze.


7. Januar – Firma BILD & CO sind herzlich eingeladen.

Die Kaltfront ist stabil. Ich wollte dreissig Grad Minus. Aber okay, ich bin kompromissbereit. Achtzehn sind auch akzeptabel. Am Dienstag, dem 10. Januar ist Deadline. Ich kann nicht mehr warten.

Die Einladungen an die Bildreporter und die Lokal- und Landeszeitungen sind raus. The point of no return passed by. Ich habe Urlaub genommen.


9. Januar – nur noch einmal schlafen …

Habe mich ein wenig in der Nähe des Finanzamtes herumgetrieben. Auf dem Parkplatz gegenüber Zofis Café stehen zwei Autos mit gelben Presseaufklebern an der Windschutzscheibe. Der kleine weisse Bus hat eine «Bild» Reklame. Super! Sie nehmen es ernst. Das sollten Sie auch. Ich bin nicht zu Scherzen aufgelegt.


10. Januar – heute, Kinder wird’s was geben …

Ich habe den Zeitpunkt auf 15 Uhr festgelegt. Und zwar aus folgender strategischer Überlegungen heraus: Der Publikumsverkehr geht nur bis 14 Uhr. Zivilisten kann ich nicht brauchen. Die Angestellten müssen bis 16 Uhr arbeiten. Die Tischzeit ist dann schon um. Sie stehen mir zur Verfügung.

Oleg, ich hoffe, die Kälte verleitet dich nicht dazu, plötzlich doch noch Gefallen an Unterhosen zu finden. Mein Spass wäre ein wenig versaut.


10. Januar, um 14 Uhr – das Ultimatum läuft.

Mein Herz wummert wie ein Presslufthammer. Das gelbe Gesperrt-Schild hängt an der Telefonzelle im Kölnischen Park. Sie werden in ein paar Minuten dort sein und das Band mit der Flüsterstimme finden. Ich weiss aus meinen Krimis, dass man das Geschlecht einer Flüsterstimme nicht analysieren kann. Es gibt keine Nebengeräusche, keine Kirchenglocken, keinen Zug, der vorbeifährt – nichts von alledem, was Sherlock Holmes früher geholfen hat. Es gibt keine DNA – jedenfalls nicht meine. Aber im Media Markt werden eine Menge Leute diesen Rekorder angetatscht haben.


Ich habe gedroht, dass bei Kooperationsverweigerung drei Kilo Semtex im Finanzamt hochgehen werden – so sicher, wie das halbe Kilo, in dem Trecker in der Bunkerstadt, an dem ich das Exempel statuiert habe. Sie bekommen von mir fünfzehn Minuten. Gerade genug, um die Leute zu evakuieren. Zu wenig, um eine Change zu haben, die Bomben zu finden, die heute während der Öffnungszeiten im Gebäude installiert worden sind. Hihihi.


Keine Zeit, um eine Sondereinheit heranzukarren, aber genug, um die Forderung zu erfüllen.

Alle Mitarbeiter – in Reih und Glied - angetreten auf dem Parkplatz – in Unterwäsche – oder


P E N G


Wohl dem Normalo, der Angora-Unterhosen trägt. Schlecht für die Tanga-Fetischisten und noch schlimmer für dich, Oleg.

Wer sich mit Antonia Kalashnikov anlegt, sollte sich lieber warm anziehen.


Ich bin im Café angekommen. Zofi hat meinen Tisch reserviert. Es ist heute gerammelt voll. Ausser denen, die immer da sind, stehen ein paar Typen an der Bar, denen fast schon der Schriftzug Presse an der Stirn geschrieben steht. Zofi wundert sich. Ich nicht. Ich bestelle einen Earl Grey, packe Ringbuch und Kuli auf den Tisch am Fenster und zünde mir eine Zigarette an. Draussen kommen Signalhörner immer näher. Ein paar Mannschaftswagen der Feuerwehr rasen auf den Parkplatz vor dem Finanzamt. Rotweisse Absperrbänder werden in Windeseile gespannt und die Jungs von der Bildungszeitung, rechts an der Bar, verlassen fluchtartig das Café.

Die Fiskalen kommen heraus …


Aus dem Portal des Fiskus kommen zögerlich die ersten Delinquenten und gehen schlotternd auf den Parkplatz. Die neben mir hält es nicht auf ihren Plätzen. Alle stürmen an die Fenster und gaffen mit offenen Mäulern auf das schier Unfassbare, was es dort zu beobachten gibt. Der Aufschrei des Entzückens kommt nun auch bei den dezent gekleideten Mittsechzigerinnen im hinteren Eck des Zofis an. Behände springen sie von ihrem angebissenen Johannisbeerbisee auf und eilen nun ebenfalls zu den Fenstern, um zu erfahren, was das Oh und Ah wohl auslöst, dass die anderen Gäste von sich geben.


… nein, was die alle drunter tragen …

Hinter der Absperrung ist kein Platz mehr. Passanten rangeln mit den Fotografen um die besten Plätze. Die Parade der Halbnackten wird länger und länger. Was sich die Leute alles vor das Gesicht halten! Wichtige Finanzschriftstücke, Kleidungsstücke, Tischläufer und dann kommt Oleg. Sonnenbankgebräunt, muskelgestählt und trotzdem macht er eine durch und durch unwürdige Figur. Da hätte ich aber etwas mehr Selbstbewusstsein erwartet, alter Schwede. Er hält sich mit der linken Hand ein A4-Blatt vor seinen Nacktmull und mit der rechten eine Illustrierte vor seine Fratze. Ich hätte auf Unterlassung von Vermummung bestehen sollen und auch die Erschwerung der Identifizierung unter weitere Strafe stellen. Nichtsdestotrotz, die Leute im Café und auf der Straße biegen sich brüllend vor Lachen.


SALVE!


Die Bullen machen einem Auto des DRK Platz. Es fährt durch die Absperrung und hält quietschend mitten auf dem Parkplatz. Sie geben Decken an die Nackten aus. Ich bin wirklich empört. So war das aber nicht vereinbart. Shit!


Mannschaftswagen rollen an. Die Bomb Squad. Und immer mehr Feuerwehren. Sie durchsuchen das Gebäude. Dann viel Spass. Es vergehen die letzten fünf Minuten bis zum Ablauf meines Ultimatums. Zu wenig Zeit, um ein ganzes Gebäude zu durchsuchen. 18 Grad unter null können schrecklich grausam sein, wenn man sie nur in Unterhosen ertragen muss, aber noch schlimmer, wenn man keine besitzt, hihihi.


Es ist Nacktmull-Time.

Ich werde von den Cafébesuchern brutal gegen die Butzenscheiben gepresst. Der Laden ist brechend voll und die Masse schreit und wiehert. Einige wischen sich die feuchten Augen mit Servietten. Ich werde mitgerissen. Ich brülle los. Oleg steht da, als hätte er sich eingekackt. Er hat noch keine Decke bekommen.

Sucht, sucht den bösen Bombenleger!


An der Tür brüllt ein Uniformierter, dass wir alle unsere Ausweise bereithalten müssen. Wie werden polizeilich erfasst. Was soll denn das? Die Caféhaus Besucher sind schliesslich alle samt friedliche Bürger, die hier nach ihrem Dienst, bei Tee oder Kaffee, noch ein bisschen abhängen wollen. Viele von ihnen sind sogar Stammgäste. Man sieht sich drei, viermal in der Woche. Wir sind vollkommen über jeden Zweifel erhaben. Was soll das also, he? Ich für meinen Teil bin sogar selbst nur um Haaresbreite dieser unerhörten Blossstellung entkommen, weil ich glücklicherweise jedes Jahr im Januar, meinen Resturlaub nehme.


11. Januar – danke BILD! – für die grossartige Unterstützung.

Die Bildzeitung hat ganze Arbeit geleistet. Deren Kameraleute haben die besten Teleobjektive und ich habe einen neuen Freund. Er heisst Ostwind. Herrlich, wie er mit popeligen A4-Seiten umgeht. Weht sie einfach weg. Der Bombenalarm hat sich im Nachhinein als Scherz erwiesen. Es wurde kein Sprengsatz gefunden. Trotzdem war die Wirkung hochexplosiv.


Oleg habe ich seit Tagen nicht in der Kantine gesehen. Es heisst, er hätte gekündigt und habe vor wegzuziehen. Ausserdem lässt er sich einen Vollbart stehen.

Was für ein Sensibelchen!


Inzwischen ist der Januar herum und ich habe mir die Knack-Arsch-Jeans im Beate Use Shop bestellt. In Größe 38.

Vorläufiges Ende …

Jetzt, wo sich mir der Weg auftut, auf dem man schlank wird, müssen sich ein paar Typen warm anziehen …


Mehr zur Autorin:

Ich bin Physiotherapeutin /Heilpraktikerin für Psychotherapie und wenn ich nicht gerade mit den Gebeinen meiner Artgenossen beschäftigt bin, oder mit ihrer Psyche, dann analysier ich sie mit dem Kuli- oder ich mal sie. Mehr zu ihrem Werk gibt's hier auf der Webseite der Autorin.  


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