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Q&W: «Lebst du noch oder streamst du schon?»
Bild/Illu/Video: Christian Imhof

Q&W: «Lebst du noch oder streamst du schon?»

Es geht wieder los. Im Februar erscheint mein neues Album «Buuchgfühl» und obwohl dies schon mein viertes Soloalbum ist, hat sich einiges verändert. Alleine in den vergangenen fünf Jahren hat die Musikindustrie die CD als Medium praktisch selbst abgeschafft und es stimmt mich irgendwie schon traurig, wie gleichgültig Musik für die Menschen inzwischen geworden ist.


Eine klingende Zeitreise
Ich erinnere mich bei vielen CDs noch genau, wann und wo ich sie gekauft habe. Wie gute alte Freunde begleiten mich Alben von Bands über Jahre hinweg und ich möchte nicht eine Erinnerung missen, die ich dank den CDs erlebt habe. Auf CD findet sich der Soundtrack meines Lebens und immer wenn ich eine Scheibe in meine Stereoanlage lege und Play drücke, nimmt mich das mit in die Vergangenheit. Es erinnert mich an die Schönheit des Lebens und leider auch daran, dass ich wohl einer der letzten Menschen bin, die regelmässig noch CDs kauft. Am Anfang fand ich das Streaming irgendwie noch cool, da ich so noch viel günstiger an CDs kam. So konnte ich noch mehr Schätze sammeln und dank dem Umstand, dass die meisten Streamer früher oder später ihre Scheiben ins Brockenhaus bringen, fand und finde ich auch heute noch regelmässig lange gesuchte Raritäten. Doch irgendwie ist es einfach nicht mehr das Gleiche.


Der Wert der Musik

Ich als Musiker war immer sehr gegen das Streaming. Nicht weil ich gierig war, sondern viel mehr, weil ich finde, dass Musik nicht gratis sein sollte. Eine reine Onlineveröffentlichung empfinde ich als irgendwie weniger wert. Ein Beispiel gefällig? Als Breitbild angekündigt haben, dass sie ihr Livealbum veröffentlichen, habe ich mich schon gefreut auf eine Doppel-CD. Für dieses Paket, eventuell sogar noch mit einer DVD im Gepäck hätte ich ohne gross zu zögern 35 Franken hingelegt. Doch die Raplegenden haben sich für eine Veröffentlichung online entschieden, was ich sehr schade finde. Auch die Band QL, respektive Sony veröffentlicht ihre Lieder/Alben zukünftig nur noch online. Ich hätte auch in Zukunft jedes Album von ihnen gekauft, aber da es nur digital erscheint, fehlt mir ein wenig die Motivation dort auf dem Laufenden zu bleiben.


Qultur Records zelebriert die Musik

Für diese wenigen Spinner wie mich, habe ich Anfang Jahr das Label Qultur-Records gegründet. Dort werden noch in diesem Jahr meine Alben «Buuchgfühl» und «Ziitlos», sowie auch ein Debütalbum von einem weiteren Künstler digital, aber auch physisch erscheinen. Mein Ziel ist es so, der Musik einen gewissen Wert zurück zu geben und das Album als Format zu feiern. Es ist nämlich was völlig anderes, eine CD mit Booklet und allem Drum und Dran in der Hand zu halten, als auf dem Handy einen Song in MP3-Qualität zu hören. In meinem Hinterkopf sind diverse weitere Veröffentlichungsmöglichkeiten am Brodeln, aber ein Release auf einem USB-Stick, Vinyl oder Kassetten sind gar nicht so einfach, wie man sich das vorstellt. Wir sind da ganz am Anfang, aber es stellt sich schon jetzt ein stimmiges Gefühl ein, wie ich es auch am Anfang vom Onlinemagazin hatte. Da gibt es im Verlauf von 2021 sicher einiges zu hören.

Neujahrsvorsatz: Es zumindest mal probieren.

Trotz allem möchte ich mich in diesem Jahr mal schlau machen bezüglich dem Thema Streaming. Ich will ja nicht als verbissener Nostalgiker gelten. Deshalb würde ich mich sehr freuen, wenn ihr in die Kommentare schreibt, wie eure Erfahrungen mit den unterschiedlichen Diensten sind und wie ihr das mit dem Datenvolumen macht. Vielleicht eröffnet sich mir dem leidenschaftlichen Musikfan eine ganz neue Welt durch eure Inputs. Ich freue mich von euch zu hören.

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