Qulturelle Flimmerkiste Juni
Bild/Illu/Video: Christian Imhof

Qulturelle Flimmerkiste Juni

Sing meinen Song – Vox – Dienstag 20.15


Bereits zum sechsten Mal werden in Südafrika die Lieder bekannter Interpreten getauscht. Doch anders als bei den vorherigen Staffeln ist mit Michael Patrick Kelly ein Programmleiter dabei, der als alter Showhase einige spannende Anekdoten einfliessen lässt und eigene neue Akzente setzt. Nichts einzuwenden gibt es gegen Xavier Naidoo, der seinen Job bei den ersten drei Staffeln hervorragend gemacht hat. Er schaffte es der Sendung zusätzlichen Glanz zu verleihen und ganz nebenbei den Schweizer Soulstar Seven beim deutschen Publikum populär in Szene zu setzten. Bei der Staffel mit The BossHoss als Hosts empfand ich zwar die Gästeauswahl interessant, aber bei ihren Moderationen sprang bei mir der Funke nie wirklich über. Da sie sich in meinen Augen gerne prollig gaben, spulte ich oft direkt zu den vorgetragenen Liedern oder schaltete gleich direkt um. Mark Forster als Moderator war ein wenig besser und doch erinnerten seine Sendungen immer ein wenig an einen Kindergeburtstag und wurden deshalb von mir nur beiläufig angesehen.


Die neue Staffel punktet neben dem Host zusätzlich durch seine Auswahl an spannenden Gästen. Der junge Wincent Weiss, dessen Lieder bei den lokalen Radios rauf und runter gespielt werden, bietet viel Popappeal und zeigt nebenbei, wie man trotz grossem Hype auf dem Boden bleibt. Johannes Oerding brilliert mit seiner markanten Stimme und grossem Wiedererkennungswert, ausserdem scheut er sich auch nicht hin und wieder einen witzigen Spruch zu reissen.  Jeanette Biedermann, ach, ich war als Teenager schon ein bisschen verliebt in sie, zeigt, wie gefährlich und kräftezerrend der grosse gleichzeitige Erfolg als Sängerin und Schauspielerin sein kann, was sehr beeindruckend und auch authentisch rüberkommt. Bei ihr wird klar, dass eben nicht immer als Gold ist, was glänzt und dass für Musikschaffende die eigene Mitte essentiell ist. Der Weltstar Alvaro Soler lässt neben seinen in die Beine fahrenden Sommerklängen einen imposanten Blick hinter die Kulissen der internationalen Musikszene zu und ist dabei ähnlich wie Weiss irgendwie ziemlich auf dem Boden geblieben. Der Belgier der Runde, Milow gibt sich sehr viel Mühe mit der Fremdsprache Deutsch, so dass ich mich immer wieder ein wenig frage, warum ich ihn am FL1-Life Festival in Schaan denn unbedingt auf Englisch interviewen musste. Last but not least hat es mit Jennifer Haben von der Band Beyond the Black eine Metalfrontfrau dabei, welche harte Klänge einem Mainstreampublikum vorstellt und durch ihre Interpretationen sicher auch einige Türen für andere Acts öffnet. Alles in allem ist die diesjährige Staffel eine runde und stimmige Geschichte, die sehr viel Lust auf die Schweizer Ausgabe mit Seven macht und regnerische Tage in ein qulturelles Abenteuer verwandelt.


Hier findet ihr den Trailer dazu.


Die Höhle der Löwen Schweiz – TV24 -Dienstag 20.15 Uhr  


Das grosse Schaulaufen von Neugründern hat den Weg in die Schweizer Wohnzimmer gefunden. Als grosser Fan von technischen Entwicklungen und Menschen, die mit ihren kreativen Ideen versuchen die Welt ein wenig einfacher zu gestalten, konnte ich es kaum erwarten, eine solche Show in Schweizer Mundart zu konsumieren und schaute gebannt zu. Die Schweizer Löwinnen und Löwen kannte ich zu Beginn nur flüchtig, einzig Verlegermongul Jürg Marquat und Roland Brack waren mir ein Begriff. Die anderen Investoren, Business-Apartment-Pionierin Anja Graf, Technologieunternehmerin Bettina Hein und Nachhaltigkeitsunternehmer Tobias Reichmuth wollte ich durch die Sendung ein wenig näher kennenlernen. Beim ersten Durchschauen des Format ist mir etwas sofort ins Auge gestochen, nämlich Werbung, Werbung und nochmals Werbung. Ohne eine Replayfunktion, sondern direkt live die Höhle der Löwen Schweiz zu konsumieren, wäre mir ein Graus gewesen. Gefühlt jede dritte Minute wurde von TV24 ein kurzer oder ein wieder exzessiver Werbeblock reingestreut, was mir die Freude an dieser Premiere doch ein wenig verdorben hat. Die Geschichten der Investmentbewerber waren spannend und doch blieb durch das Productplacement und die stetigen Werbeunterbrechungen irgendwie wenig hängen, was doch ein wenig schade ist. Ich hoffe doch schwer, dass der Sender bei der zweiten Ausstrahlung des Formats dieses Aufdringliche zur Seite legt und durch mehr Emotionen punkten kann, weil sonst bleiben beim Publikum in Zukunft auch nur ein paar wenige Schnippsel wie bei mir hängen:

-Tobias Reichmuth hat einen lustigen Hund.
- Postfinance macht das Geschäft von KMUs einfacher.
- Kaffee kann kalt gebrüht werden.

- Auf der Lenzerheide ist es möglich sogar im Sommer zu schlitteln.

- Eine zu hohe Firmenbewertung bringt nie was.


Und nur diese kurzen bleibenden Anekdoten von einer abendfüllenden Sendung, sind doch ein wenig gar wenige oder nicht?


Hier findet ihr den Trailer dazu.

   

Dead to me – Netflix

«Eine unbeherrschte Witwe auf der Suche nach der Person, die ihren Mann über den Haufen gefahren hat, freundet sich mit einer Optimistin an. Doch der Schein trügt.» So lautet die kurze Beschreibung der Netflix Serie, die ich in der letzten Woche fast schon komplett durchgesehen habe. Die Dialoge zwischen den beiden Frauen, die aufwühlende Trauer, die Bilder des Unfalls, das Aufdecken der dunkeln Seiten des toten Ex-Mannes, der rebellische, drogenverkaufende Sohn, der süsse Vorzeigejunge, die bösartige Schwiegermutter, der alte Mann im Heim, der Ex-Freund, der sein Haus verkaufen will, die (Fast-)Schwangerschaft, und noch vieles mehr. All diese Zutaten machen die Serie «Dead to me» zu einem reizvollen Stück mitten aus dem Leben. Ähnlich wie bei der Serie «This is us» wird dem Publikum eine Geschichte serviert, die so auch im wirklichen Leben passieren könnte. Christina Applegate, bekannt geworden durch die Rolle als Tochter von Al Bundy, spielt eindrucksvoll eine Witwe, die auf der Suche nach Trauerbewältigung eine Freundin fürs Leben findet und doch immer kurz vor dem nächsten Nervenzusammenbruch steht. Für mich der ideale Mix zwischen Realität, Fiktion und starken, bewegenden Dialogen.


Hier findet ihr den Trailer dazu.


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