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Reisen in Zeiten von Corona - Holland Teil 1

Wenn mich etwas Blut schwitzen lässt während ich reise, dann sind es Autobahnen. Wir reisen mit unserem alten Wohnmobil - ja in einem Jahr gehört es zu den Oldtimern- nach Holland, quer durch die deutschen Autobahnen. Mit denen hatte ich schon oft in meinem Leben das Vergnügen. Deutsche Autobahnen sind für mich (und sicher auch für unsere dicke Bertha) schlichtweg ein Graus.


Richtgeschwindigkeiten gibt es nur selten. Mein Herz entspannt sich, wenn nach Stunden mal eine 120iger Tafel aufkreuzt, nachdem zig Autos in Lichtgeschwindigkeit an uns vorbeisausten. Wollen die ins All? Bei deren Geschwindigkeit noch reagieren zu können, wenn irgendwas auf der Fahrbahn liegt, ist schlichtweg unmöglich.


Ihr merkt es vielleicht, ich bin kein Fan von Rasereien. 80 Km/h reichen mir. Beim Reisen entschleunige ich. Dass die Autobahn fürs Entschleunigen nicht das Richtige ist, ist mir absolut bewusst. Trotzdem muss/darf/sollte ich irgendwie nach Holland kommen.


Amsterdam ist das erste Ziel. Über neun Stunden fahren wir mit unserem kleinen Sohn. Wir fahren abends weg, machen Strecke, schaffen fast die Hälfte des Weges bis Mitternacht, während Sohnemann in seinem super umklappbaren Sitzlein bequem und natürlich sicher angeschnallt schlummert. Park for night und ein Handy Abo ohne Roaminggebühren sind für uns wichtige Begleiter. Die App zeigt Übernachtungsmöglichkeiten auf abgelegenen Parkplätzen auf. Ich lese einen davon aus, kurz vor Frankfurt und lotse meinen Piloten dahin. Am nächsten Morgen, nach einer geräuschreichen Nacht nahe der Autobahn, wacht Sohnemann voller Vorfreude auf und fragt: «Sind wir schon in Holland?» Nein…nur nochmal soweit fahren.


Amsterdam; nun ja, was soll ich sagen? Dreckiger als erwartet, viel zu viele Menschen auf einem Haufen, unzählige schummrige Kifferläden mit Space Cakes und zigtausend verschiedenen Marihuana Sorten, Seeds, Rotlichtviertel (das haben wir nur gestreift) und Souvenirläden Reihe an Reihe. Ernüchternd. Aber ehrlich gesagt, habe ich nichts anderes erwartet. Die Freude an Städtereisen ging mit dem Mutterwerden. Die Euphorie verflogen, jede Stadt fühlt sich für uns Landeier wie die reinste Tortur an. Stress pur. Wir sind es tatsächlich nicht mehr gewohnt, so viele Leute um uns rum zu erleben. Und all diese Fahrräder! Das Parkhaus am Hauptbahnhof allein zählt 2400 davon!


Mit dem Fahrrad kommen wir auch. Und zwar von einem etwas abgelegenen Campingplatz (De Badhoeven), am Stadtrand. Das ist schon was Tolles, dass wir uns mit den Velos unter die Einheimischen mischen können, und so tun, als wären wir Teil von ihnen. Doch auffallen tun wir trotzdem; wir sind die einzigen drei Menschen in ganz Amsterdam die Helme tragen.


Der Veloweg in die Stadt lässt sich sehen. Durch kopfsteingepflasterte Vororte mit niedlich kleinen Häuschen, (von denen ein Durchschnittshaus mit 80qm 1Mio.! kostet), vorbei an grasgrünen Feldern auf denen Kühe ohne jegliche Zäune grasen. Die Amsterdamer Bauern brauchen diese nicht- sie haben Wassergräben.


Zwei Tage reichen uns für Amsterdam. Wir nehmen in Kauf, dass wir Einiges von dieser Weltmetropole auslassen, was wir uns als Paar reisend sicher nicht entgehen lassen hätten. Zum Beispiel das Sexmuseum oder Körperwelten, bestimmt hätten wir auch mal so ein Guätzli probiert oder uns die Frauenschaufenster am Abend angesehen. Aber mit Kind ist Amsterdam nicht wirklich empfehlenswert. Finde ich. Dafür schlenderten wir durch die Flohmärkte Waterlooplein und Noordermarkt, waren aber schon mittags fix und fertig von den Eindrücken. Machten eine obligatorische Bootsrundfahrt durch die Grachten, währenddessen uns alle wichtigen Sehenswürdigkeiten per Kopfhörer und Sprachauswahl verklickert wurden. Typisch Touris. Aber jetzt haben wir es gesehen. Weiter geht’s, ab nach Texel!

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