Reisen mit dem Rollstuhl
Bild/Illu/Video: zVg.

Reisen mit dem Rollstuhl

Ich heisse Sabrina Amstutz, bin 36-jährig und wohne in Chur. Als Mitglied der Kantonalkommission von Pro Infirmis GR vertrete ich als Rollstuhlfahrerin gerne die Interessen und Bedürfnisse von Menschen mit einem Handicap. Gleichwohl macht es mir auch Freude und es ist wichtig, einen Beitrag für Verbesserungen leisten zu können. In meiner Freizeit reise ich oft und gerne, meist alleine und dann ausschliesslich mit den ÖV. Da ich als 12-jähriges Mädchen erstmals mit dem Zug unterwegs war, kann ich heute auf viele erlebnisreiche Erfahrungen zurückblicken.


Ein Beispiel von vielen: Letztes Jahr tagten die Vertreterinnen und Vertreter der Kantonalkommissionen von Pro Infirmis in Neuenburg. So planten wir die Reise mit den Öffentlichen Verkehr. Wer ein Handicap hat, weiss dass so eine Reise mit gewissem Aufwand verbunden ist. Diesmal waren die Züge, die wir nehmen wollten für Rollstuhlfahrende nicht autonom benutzbar. Also meldete ich unsere Fahrten von Chur nach Neuenburg und zurück beim SBB Handicap Callcenter an. So erhalten wir entsprechend Hilfe beim Ein-, Aus-, und Umsteigen.


Schon bei Reiseantritt auf dem Bahnhof ging das Suchen los. Wo ist der Mobihelfer der mir in den Zug hilft? Wenn noch niemand auf dem Gleis steht weiss ich, dass es am besten ist beim gelben Mobilift zu warten. In Chur ist der recht schnell gefunden, da die Perrons nicht so lang sind und auf dem Gleis nur ein einziger Mobilift steht. Da wir einen der ersten Züge morgens nahmen, wussten wir erst mit der Einfahrt des Zuges wer hilft einzusteigen. An diesem Morgen war es das Zugpersonal. Ich stelle immer wieder fest, wie schwierig für sie die Bedienung des Mobilifts ist. Ich habe ein gewisses Verständnis dafür, denn der Mobilift ist, gross, sperrig und muss von Hand bzw. Fuss betrieben werden. Die Rampe dann auch noch in der schmalen Wagontüre zu positionieren, braucht etwas Geschick und auch Zeit. Zeit, die auf einem Bahnhof nicht vorhanden ist. Nun, wir kamen gut in den Zug hinein. Am Umsteigebahnhof Zürich hoffte ich, dass der dortige Mobihelfer mit dem Lift gleich an der richtigen Stelle wartet. Das würde bedeuten, dass die Kommunikation zwischen den Bahnhöfen klappt. Leider war das dann nicht so. Zum Glück hatte ich diesmal auf meiner Reise eine Begleitperson dabei, welche sich nach dem Mobilift umsehen konnte. Dies bedeutete Zeitverlust. Was mir und meiner Begleitperson nebst dem Zeitdruck auch noch zusetzte war die Tatsache, dass der Verlad mit dem Mobilift ausserhalb des überdachten Bereichs des Perrons stattfand. Bei der Hinreise mussten wir bei strömendem Regen und bei der Rückreise unter sengender Sonne warten. Zweimal nass!


In Neuenburg angekommen ging es in Richtung Veranstaltungsort zuerst mit einer Zahnradbahn den Berg hoch. Ich war einmal mehr erstaunt, wie gut solche Bahnen mittlerweile für Menschen mit einem Handicap und gerade für uns Rollstuhlfahrer ausgestattet sind. Eine geräumige Kabine, die ebenerdig ohne Rampe zu befahren war. Danach hatten wir noch einen Fussmarsch von einer Viertelstunde vor uns. Ich stellte bald fest, dass ich ohne Begleitung im schönen Neuenburg viel länger gebraucht hätte. Die Bordsteine der Trottoirs sind bekanntlich nicht überall gleich und für uns Rollstuhlfahrende oft ein grosses Hindernis.


Fazit dieser Reise auch diesmal: Selbst wenn die Reise angemeldet ist, damit Hilfe kommt -  ganz entspannt zu reisen, kenne ich eigentlich nicht. Mein Anliegen und auch das Anliegen vieler Menschen in meiner Situation an die SBB - insbesondere ans Callcenter: Bitte verbessert die Kommunikation untereinander und unbedingt auch gegenüber uns Reisenden. Mit einer guten Kommunikation ist für alle Beteiligten ein Reisen ohne Hektik und Zwischenfälle möglich. Das wollen wir doch alle, oder?

Themenverwandte Artikel

«Musik unterscheidet nicht! Sie verbindet!»
Bild/Illu/Video: Sascha Gregori

«Musik unterscheidet nicht! Sie verbindet!»

Pro Infirmis feiert 100-jähriges Bestehen
Bild/Illu/Video: zVg.

Pro Infirmis feiert 100-jähriges Bestehen

«Musik unterscheidet nicht» öffnet Türen
Bild/Illu/Video: zVg.

«Musik unterscheidet nicht» öffnet Türen

Empfohlene Artikel