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Rosenhügel 2.0 – 3. Teil: Die rosige Zukunft

Was lange währt, wird endlich gut. Begonnen hatte es aber schon viel früher, und zwar im Jahre 1848, vor 132 Jahren, im noch jungen Bundesstaat Schweiz. Bis dahin war der einstige Galgenbühel seit 1389 Hinrichtungsstätte der Hauptstadt des Gotteshausbundes.


Moritzis Erbe

Der Botaniker Alexander Moritzi begann 1848 zusammen mit dem Ingenieur Coaz auf der Parzelle 2491 mit den ersten Erdarbeiten. Auf dem oberen Hügel wurden das ovale Aussichtsplateau und die dazugehörige Böschung angelegt. Weiter erarbeitete Moritzi mit Coaz einen Bepflanzungsplan der 1849 vom wohllöblichen Rat der Stadt Chur genehmigt wurde. Oberst Ulrich von Planta-Reichenau übernimmt zwei Jahre später nach dem Tod Moritzis das Präsidium der «Stadternannten Kommission zur Umgestaltung des Galgenbühels». Ab 1855 wird er auf dessen Vorschläge hin «Rosenhügel» genannt. 1880 errichtete die Stadt Chur zu Ehren Moritzis den Gedenkstein am Füsse des oberen Hügel, der noch an dieser Stelle vorzufinden ist. 1894 mussten bereits die ersten Abholzaktionen folgen, der Garten drohte zu verwildern. Die zugewachsene Lichtung versperrte die Sicht auf die Stadt. 1917 wurde vom Stadtverein das «Projekt zur Verbesserung und zur Verschönerung des Rosenhügels» initiiert. Der Bau der Arosabahn 1914 habe den Rosenhügel zusätzlich ins Abseits bugsiert und er verlor den Anschluss an die damalige Flaniermeile auf der Grabenstrasse.


Nach der Beendigung dieses Engagements entschied der amtierende Stadtrat, dass von einer weiteren Ausgestaltung des Rosenhügels abzusehen sei. Das blieb auch so bis 1937. Dann musste nämlich die Malixerstrasse verbessert werden. Diese verbindet Chur über die Lenzerheide mit Chiavenna, aufgrund deren Bau im Übrigen der Galgen 100 Jahre zuvor überhaupt auf die Richtstätte beim Kalkofen verlegt wurde. Gleichzeitig mit der Strassenkorrektur erweiterte die Stadt Chur die Parkanlage um das Grundstück mit dem Gabentempel, auf seinem alten Standort bis 1985, am Fusse des Rosenhügels. Mit dem Zonenplan von 1980 wurden zwei weitere angrenzende Grundstücke am Hirschbühl zur Grünzone ... und hier sind wir jetzt wieder. Am Anfang. 30 Jahre hat es nach dem städtischen Erwerb 1990 gebraucht, um die heutige Situation vorzufinden.


Ein botanischer Garten für die Stadt

Auf den Sommer 2020 plant die Stadt Chur einen botanischen Lehrpfad. Neue, wie alte Bäume werden einheitlich beschriftet und laden Interessierte und Schulklassen dazu ein, sich mit der Bündner Botanik auf dem Rosenhügel zu befassen. Auch Grosseltern können sich auf Ausflüge mit ihren wissensdurstigen Grosskindern freuen. Dazu findet am kommenden Wochenende am 13. Juli ab 15 Uhr mit Harry Wolfensberger, Landschaftsarchitekt und Leiter der Freiraumplanung der Stadt Chur, eine Führung zur Zukunft des Rosenhügels statt.

Hier können sie sich anmelden.


Der Medizinalgarten

Unterhalb des Gabentempels, in die Wiese integriert, wirkt ebenfalls der Verein Churer Medizinalgarten mit. Die Stadt Chur stellt den Boden dem Verein mit bereits 31 Mitgliedern zur Verfügung. Seit diesem Frühjahr hat die Stadt den Wasseranschluss für den Medizinalgarten fix installiert. Derzeit kann man beobachten, wie die Vereinsmitglieder den Boden stellenweise mit Plastik abgedeckt und am Rande mit Steinen beschwert haben. So stirbt die Wiese darunter ab. Im Herbst können auf den kahlen Stellen Kräuter gesetzt werden. Im Frühling erwartet man die ersten Durchbrüche an der Erdoberfläche. Es stehen dabei vorwiegend einheimische und evidente Pflanzen im Fokus. Aus ihnen können heilende Wirkstoffe gewonnen werden. Die Kräuter werden unseren Organen zugeordnet. Interessierte und «Gwundrige» können gemütlich durch die Beete laufen und sich im Schaugarten darüber aufklären, welche Kräuter für welches Organ geeignet sind. Über einen QR-Code wird man zukünftig mehr über das Gewächs erfahren, erzählt die Präsidentin Christiane Mani sichtlich erfreut. Man kann natürlich auch das grosse Kräuterheilbuch von Dr. Pfarrer Künzle mitnehmen und die Pflanzen selber bestimmen. Dieses gehört seit der Veröffentlichung der Erstausgabe 1945 stets, und vermutlich bis heute, in jedes Bündner Familienregal.


Zusammen mit der Landschaftsarchitektin Carolina Lüscher erarbeitete der Verein die Gartenfläche gestalterisch. Geplant ist auch ein natürlicher Staketenzaun, der die Beete vor vierbeinigen Eindringlingen schützt. Der minimalistische Eingriff in die Landschaft hat zum Ziel, dass die Kräuterbeete möglichst natürlich im Hang liegen. Verschiedene Obstbäume werden langfristig auch die Früchte der Natur auf den Rosenhügel bringen. Sie werden dem Kirschbaum beim Eingang zum Gabentempel Gesellschaft leisten.


In Zukunft können sich Schulklassen, sowie Maturandinnen und Maturanden aktiv mit der Biodiversität auf dem Rosenhügel beschäftigen. Der Verein unterstützt und fördert diese Projekte gerne. Denkbar sind Bienenhotels, Igelhäufen und Workshops zur Anfertigung von Salben und Tinkturen. Ein sozio-ökologisches Projekt also, das auf Menschen wartet, die ein Grundinteresse an der Natur und an der Artenvielfalt haben und sich aktiv dafür einsetzen wollen. Der Medizinalgarten schafft so einen Möglichkeitsraum für Ungeplantes und Spontanes. Unumwundene Begegnungen gehören in jede urbane Stadt.


Was lange währt, wird endlich gut.


Art-Public Chur

Für die Daheimgebliebenen finden am 13. Juli wieder Führungen auf dem Rosenhügel statt.

Am 28. Juli kann um 14:00 auf der Tanzlinde wieder getanzt werden. Die Kapelle Grünberg spielt auf: Silla Battaglia (Handorgel), Alfred Egli (Handorgel), Madleine Glauser (Bass), Ralf Niederdorfer (Klarinette, Sax, Sopran), Treffpunkt: Moritzi-Gendenkstein,

Eintritt: CHF 5.–


Yvonne Michel Conrad

Architektin, Mutter und Stadtfan

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