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Rucksackreisen
Bild/Illu/Video: Lucas J. Fritz

Rucksackreisen

Ist der Rucksack zu schwer, meldet das der Körper und der Kopf beginnt auszusortieren. Verzicht ist freiwillig. Er ist kein Mass und kein Muss, nur Hilfsmittel. Niemand kommt beim Gepäck fürs Reisen an ihm vorbei. Alles Reisen ist Verzicht. Alles Sesshaft-Sein ist Verzicht. Irgendwie verzichtet man überall auf irgendeine Art und Weise. Man hat nicht, um mehr sein zu wollen oder zu können. Man tut wenig um die Seele zu fühlen. An mögliche Unfälle denkt man zwangsläufig irgendwann. Jede Möglichkeit birgt neue Ideen, was man sonst noch brauchen könnte. Der eigene Kopf schaltet sich kaum aus, weil in Sorge um die eigene Habe. Je weniger man dabei hat, desto verzichtender, umso geringer sind die Sorgen.


In Angesicht von Unabänderlichkeit schwindet jedwelche Existenzangst. Wie ein Höhenängstiger, an einem steilen Abhang plötzlich all seine Angst verliert, weil er den Tod akzeptieren kann. Sorgen und Ängste kommen wieder, doch für einzelne Augenblicke schwelgt man in Frieden und völliger Ruhe. Das Sein ist vollkommen. Rucksackreisen, manchmal schläft man draussen im Wald oder auf Wiesen, manchmal bei den Obdachlosen in der Stadt oder auch allein am Meer unter freiem Sternenhimmel oder in einem verlassenen Haus. Schlafen benötigt nicht viel. Eine ordentlich aufblasbare Isomatte, einen Schlafsack und ein Dach über dem Kopf. Rücken- und Seitenschläfer brauchen vielleicht noch ein Kissen.


Die Ruhe einer abgeschiedenen Landschaft betört die Sinne. Langes Gehen macht müde Beine, langes in die Ferne sehen, müde Augen. Draussen lebt sich das eigene Leben sorgloser. Draussen ist das wahre Leben. Man braucht keine Angst vor dem Einsturz eines Daches zu haben. Das eigene Sein ist Verzicht auf haben. Was Priorität hat, ist Trinkwasser, Nahrung, Kleidung, Schlafzeug und Vertrauen in die Welt. Man muss gar nicht so viel Vertrauen um glücklich zu sein. Es ist ein leichtes draussen zu schlafen und sich in der Stille eines fremden Ortes wohl zu fühlen.


Ein warmer Schlafsack und ein aufblasbares Mättli für die Nacht sind von Vorteil, in schwülen Sommernächten, reichen schon eine Hängematte mit Mosquitonetz sowie eine leichte Decke. Das Geld nützt im Notfall, falls das Wasser nicht direkt in der Natur abgeschöpft werden kann und sich keine Tiere töten und Pilze fangen lassen. Die Pilze verstecken sich gerne gut. Und dann sucht und sucht man sie und erst nach Stunden findet man welche.

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