Sea-watch: She-watch: We-watch
Bild/Illu/Video: fabio-marciano.com

Sea-watch: She-watch: We-watch

Superwoman kann zusammenpacken. Jetzt kommen die Kapitäninnen unserer Zeit. Captain Rapinoe, Captain Climate, sowie Captain Rackete sind die echten Heldinnen unter uns.


Sea-watch

Die Letztere ist die deutsche Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete. Sie ist wieder frei, der Streit um Europas Einwanderungspolitik geht aber weiter. Diskutiert wird über private Seenotretter, gesperrte Häfen, über die Menschen, die nach Europa flüchten. Die Flucht und Migration über das Mittelmeer nach Europa ist eine Migrationsbewegung aus dem Nahen und Mittleren Osten, Nordafrika und Subsahara-Afrika. Diskutiert wird auch über die, die es nicht schaffen und im Mittelmeer ertrinken. Es ist in der Verantwortung Europas diese Missstände aufzuheben und sich aktiv an der Verbesserung der Situation zu beteiligen. Zu Recht fordert Rackete die europäischen Staaten auf, ihre Pflichten zu erfüllen.  


She-watch
Feminismus ist heute viel mehr als sich für Rechte von Frauen einzusetzen. Es ist eine Bewegung für eine faire und sozialere Welt. Die wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten auf dem Erdenrund sind Grund für Krieg und Ausbeutung. Das bringt Menschen dazu, ihre Kinder in unsichere Boote zu setzen, weil der mögliche Tod anscheinend der bessere Ausweg bedeutet, als das Leben, dass sie in der Furcht führen.


Der Weg über das Mittelmeer war im Jahr 2014 nach einer Studie der Internationalen Organisation für Migration die weltweit gefährlichste Route für Migranten. Seit dem Jahr 2000 starben geschätzt 23 000 Personen bei dem Versuch Europa zu erreichen. Diese grausame Bilanz verdeutlicht, dass die Menschen verzweifelt sind. Sie fürchten um ihr Leben. Sie suchen nach Schutz und nach einem Neuanfang. Sie sehen in ihrer Heimat oder den angrenzenden Nachbarländern keine Perspektive mehr – weder für sich, noch für ihre Kinder. Darum wagen sie die Flucht in seeuntauglichen Schlauchbooten und in den Händen skrupelloser Schlepper. Viele unter ihnen werden auch dann Opfer von Gewalt und Ausbeutung. UNHCR veröffentlicht hierzu regelmässig den Report «Desperate Journeys». Der Bericht informiert über die Situation ankommender Flüchtlinge in und ausserhalb Europas und liefert Statistiken über die Entwicklung von Migrations- und Fluchtbewegungen auf internationaler Ebene.


Seit November 2017 war die Sea-Watch 3 an der Rettung von über 3'000 Menschen beteiligt. Das Schiffbietet mit 55 Metern Länge und einer hohen Ausfallsicherheit die Garantie bei Bootsunglücken schneller, sicher und effizienter zu handeln. Die Sea-Watch 3 patrouilliert vor der libyschen 24-Seemeilen-Zone und suchte dort bis vor kurzem aktiv nach Booten in Seenot. Von Malta aus stechen sie mit der mehrheitlich ehrenamtlichen Crew in See. Sobald sie das Suchgebiet erreicht haben, beginnen sie mit der Arbeit. Die Suche erfolgt per Radar, auf Sicht mit Ferngläsern und mit Kameras. Häufig bekommen sie auch vom zuständigen MRCC (Maritime Rescue Coordination Centre) in Rom oder durch Aufklärungsflugzeuge wie die Moonbird Positionen von Booten mitgeteilt. Sie fahren zu der gemeldeten Position und suchen dort schnellstmöglich nach dem Boot in Seenot. Wenn sie das Boot gefunden haben, werden sofort die nötigen Rettungsmassnahmen eingeleitet.


Vor Ihnen haben das auch schon sehr viele getan. Ihre Schiffe wurden beschlagnahmt und liegen in den Häfen. Im Hintergrund kämpfen Anwalte auf beiden Seiten.


Die zunächst 53 Personen waren am 12. Juni 2019 von der Sea-Wach 3 aus einem Schlauchboot in internationalen Gewässern gerettet worden. Die libysche Küstenwache hat versucht, die Sea-Watch an einer schweren Menschenrechtsverletzung mitschuldig zu machen und hat Tripolis als «sicheren Ort» benannt. Das Schiff wurde aufgefordert, die Überlebenden illegal nach Libyen zurückzubringen.

Der italienische Minister Matteo Salvini, der Sea-Watch aufforderte, den libyschen Anweisungen zu folgen, hat sogar die EU-Kommission dazu veranlasst darauf zu reagieren: «Alle Schiffe, die unter EU-Flagge fahren, sind verpflichtet, das Völkerrecht bei Such- und Rettungsaktionen einzuhalten, wozu auch die Notwendigkeit gehört, gerettete Personen an einen sicheren Ort zu bringen. Die Kommission hat immer gesagt, dass diese Bedingungen in Libyen derzeit nicht gegeben sind


Diesem Vorfall folgte ein zwei-wöchiges Standoff vor dem in der Nähe liegenden sicheren Hafen Lampedusa. Italien verweigerte dem Schiff die Einfahrt und setzte hastig ein neues Dekret des Innenministeriums durch, das Seenotretter mit Geldbussen und Strafverfolgung bedroht. Die italienischen Behörden haben am 15. Juni 2019 aus medizinischen Gründen 10 Überlebende sowie am 21. Juni 2019 einen weiteren Notfall evakuiert. 42 Menschen wurden an Bord zurückgelassen, darunter drei unbegleitete Minderjährige. 36 der verbleibenden Personen stellten anschliessend beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einen Eilantrag auf einstweiligen Rechtsschutz der am 25. Juni abgelehnt wurde. Die Kapitänin und ihre Crew hatten sich daraufhin dazu entschlossen ohne Erlaubnis in den Hafen Lampedusas einzufahren. Carola Rackete wurde verhaftet, aber nach kurzer Zeit von der zuständigen Richterin freigesprochen.


We-watch
Heute kann man nicht mehr so einfach über die Köpfe von Menschen hinweg schalten und walten wie man will. Wir wehren uns vermehrt, wir setzen uns gemeinsam für faire und soziale Bedingungen auf unserem Planeten ein, kämpfen gegen Ausbeutung von Menschen und Natur und für faire und sozialere Lebensbedingungen für alle. Sei es die Klimajugend, Fussballweltmeisterinnen oder Aktivistinnen auf dem Meer: Wir kuschen nicht mehr vor mächtigen, weissen Männern. Wir können zusammen die Welt verändern und müssen uns tagtäglich gemeinsam dafür einsetzen: Für eine schöne neue Welt.

Weitere Infos gibt's hier.


Foto gestaltet und zur Verfügung gestellt von Fabio Marciano.

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