«S`Füfi lo grad si»
Bild/Illu/Video: Heidi Troisio

«S`Füfi lo grad si»

Mein Sohn ist nach einem Besuch bei Nonnina im Auto eingeschlafen? Kein Problem. Dann wird eben im Schlaf die Windel gewechselt und erst am nächsten Morgen gebadet und Zähne geputzt.


Bei der Arbeit habe ich oft keine andere Wahl, als «s’Füfi lo grad si». Beim Radio fehlt einfach die Zeit, den Einstieg oder den Schluss des Beitrags noch ein drittes Mal umzuschreiben, damit er noch besser auf die Hörer wirkt. An erster Stelle stehen schnelle und korrekte Informationen, einfach und verständlich aufbereitet! Als Perfektionistin verzettelt man sich dabei gerne in unwichtigen Details.


Am Schwersten fällt es mir zu Hause, ein Auge zuzudrücken. Ich habe es einfach gerne ordentlich und sauber – zum Glück meiner Familie. Denn ich gehöre nicht zu dieser Art Frauen, die beim Putzen entspannen. Im Gegenteil: Ich rege mich regelmässig auf, wenn ein freier Tag mit Putzen draufgeht. Ich mag aufräumen, putzen und waschen nämlich gar nicht. Und trotzdem muss ich es, damit ich mich wohl fühle.


Bei einer 5.5-Zimmer-Wohnung mit Garage/Waschküche inklusive Treppenhaus und kleinem Spielplatz schaffe ich es aber nicht mehr, dass alles immer picobello ist. Unsere frühere 3.5-Zimmer-Wohnung habe ich jeweils vor jedem angekündigten Besuch geputzt. Darüber schmunzle ich inzwischen nur noch. Hat sich heute Besuch angekündigt, sorge ich einfach dafür, dass es im Haupt-Wohnbereich und Gästebad ordentlich und sauber ist. Das schliesst aber da und dort einen Krümel beziehungsweise Fleck am Boden oder Abdruck eines Patschhändchens auf dem Glastisch oder der Balkontüre nicht aus. Denn diese sind oft schneller wieder da, als ich putzen kann. Und wenn spontan Besuch kommt? Kaffee gibt’s immer, aber die Wohnung sieht dann eben halt so aus, wie sie ist: Einmal mehr und einmal weniger ordentlich und sauber!


Denn: Ich habe weder die Zeit noch die Musse, wenn ich nicht arbeite, rund um die Uhr zu putzen. Und das müsste ich wahrscheinlich, um meinen Anforderungen an mich gerecht zu werden. Darum musste ich meine Ansprüche runterschrauben. Ich möchte meine kostbare Zeit nämlich nicht mit Haushalten verschwenden. Lieber konzentriere ich mich an meinen freien Tagen auf meinen Sohn: Schlafe mit ihm aus (so bis 8 Uhr ;-)), setz mich mit einem Kaffee zu ihm ins Spielzimmer, gehe mit ihm auf dem Spielplatz, koche meinem Mann etwas Leckeres zum Mittagessen und mache anschliessend ein Mittagsschläfchen mit meinem Kind.


Ok, ich gebe es zu. Immer schaffe ich das auch nicht. Und nicht selten stehe ich noch einmal auf, wenn mein Sohn nach dem Mittag eingeschlafen ist, und erledige noch das eine oder andere, das ansteht – Sei es der Haushalt, die Wäsche (Ooops, die wartet eigentlich auch schon darauf, getumblert zu werden) oder Bürokram. Aber an diesen Tagen gebe ich mir Mühe, nur das Nötigste zu machen.


Staubwischen, Bäder Putzen und feucht Aufnehmen verschiebe ich auf die Abende oder Wochenenden, wenn mein Mann fussballfrei hat. Dann helfen meine Jungs auch regelmässig mit (auch hier kann es hilfreich sein, ein Auge zuzudrücken ;-)) und anschliessend können wir dann die freie Zeit gemeinsam geniessen. Es lohnt sich einfach, zwischendurch «s’Füfi lo grad si». Ich würde sogar behaupten, es ist ein Schlüssel zum Erfolg einer Mutter – egal ob berufstätig oder nicht!


Zum Schluss noch ein paar Worte zum Bild:

Auf dem Schild steht frei übersetzt: «Das Haus war gestern sauber, du hast es leider verpasst!»

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