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Sonntagsgedanken: Das Wunder der gemeinsamen Sprache
Bild/Illu/Video: zVg.

Sonntagsgedanken: Das Wunder der gemeinsamen Sprache

An Pfingsten möchte ich etwas zum Wunder der gemeinsamen Sprache sagen: «Alle Menschen hatten die gleiche Sprache und gebrauchten die gleichen Worte», so beginnt die Geschichte vom Turmbau zu Babel im Buch Genesis. Dieser Satz aus dem Alten Testament passt gut in die Zeit um Pfingsten. Ja, wie schön wäre es, wenn wir alle in einer Sprache reden könnten, das Verstehen würde dann so selbstverständlich wie das Atmen. Es gäbe kein Stottern mehr in einer fremden Sprache, keine Unsicherheit unter fremden Menschen. Wir würden uns alle verstehen - weltweit!

Dieser menschliche Traum, diese Sehnsucht gibt es wohl schon seit Beginn der Menschheit. Und das ist bestimmt auch der Grund, dass die Leute vor langer Zeit die Stadt Babel gebaut haben und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel, damit sie für immer dort bleiben konnten, wo sie sind und sich nicht über die ganze Erde verstreuen müssten.

Aber es ist anders gekommen. Der Grössenwahn, die Ehrsucht und die Arroganz haben dazu geführt, dass die Menschen die Sprache vom Herz, die Sprache vom Verstehen, von der Wertschätzung und vom Wohlwollen verloren haben und sich auch dann nicht verstehen, wenn sie in der gleichen Sprache reden.

Aus unserem Alltag kennen wir genug solche Situationen. «Wir haben uns einfach nicht mehr verstanden» - das ist oft die bittere Begründung, wenn eine Freundschaft zerbricht, eine Ehe auseinandergeht, wenn nahestehende Menschen sich entfremden. Trotz grosser persönlicher Nähe zu merken, dass man aneinander vorbeiredet, ist eine harte, traurige Erfahrung.

Dabei ist uns Menschen der Wunsch nach Beziehung, nach Kontakt und gegenseitigem Verstehen in die Wiege gelegt, sozusagen angeboren. Zur menschlichen Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen gehört aber auch, dass wir uns darum bemühen müssen, dass es nicht einfach so passiert.

Die Botschaft von Pfingsten im Neues Testament ist: Wir können uns gegenseitig verstehen, auch wenn wir in verschiedenen Sprachen reden, ja sogar dann, wenn wir zu unterschiedlichen Völkern und Religionen gehören. Entscheidend ist, dass wir Menschen einander freundlich, wohlwollend, mit Interesse und Respekt begegnen.

Ich wünsche, dass wir uns nicht nur an Pfingsten öffnen, uns vom Heiligen Geist - wie die Apostel und die Frauen und Männer damals - begeistern lassen. So können wir aufeinander zugehen und uns bemühen, die Mitmenschen zu verstehen. Mit gegenseitiger Achtung und viel Vertrauen können wir alle dazu beitragen, dass unsere Welt ein wenig friedlicher wird.

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