Sonntagsgedanken: «Wie schön die Ferne doch ist…»
Bild/Illu/Video: Marcus Duff / cascadas

Sonntagsgedanken: «Wie schön die Ferne doch ist…»

Bei diesen Gedanken ist es verlockend sich zu überlegen, diesen Zustand soweit wie möglich zu verlängern. Weitere Tage am Strand liegen oder fremde Dörfer und Städte kennen lernen und herum zu reisen. Vielleicht haben wir sogar die finanziellen Möglichkeiten diesen Wunsch für weitere Wochen, Monate zu erfüllen.

Aber irgendwann wird uns auch in dieser anderen/neuen Realität der Alltag einholen. Was einzigartig war, wird zur Normalität. Und dann bemerken wir plötzlich, dass wir vielleicht auch vor etwas weggelaufen sind. Etwas, dass uns jetzt in dieser neuen Umgebung wieder einholt.


Deshalb sind die Ferien vielleicht ganz nützlich sich die Frage zu stellen: Was muss sich in meinem Alltag verändern, damit ich mich auch in meinem vertrauten Umfeld wohl fühle? Bin ich vielleicht mit meiner jetzigen Arbeit über- oder unterfordert? Oder hat sich im Freundeskreis etwas verändert, was mich bedrückt? Möchte ich in meiner Beziehung etwas verändern?


Sich solchen Fragen zu stellen ist nicht einfach. Lieber weichen wir diesen Fragen aus. In der Bibel gibt es die Geschichte mit dem Propheten Jona. Jona erhält von Gott den Auftrag die Bevölkerung von Ninive darauf hinzuweisen, dass sie in ihrem Leben etwas radikal verändern müssen. Jona als Überbringen dieser Botschaft bekommt kalte Füsse und besteigt absichtlich ein falsches Boot, dass ihn in die entgegengesetzte Richtung bringt. Es folgt die Geschichte mit dem Sturm und dem Wal (Jona wird vom Wal geschluckt und gerettet). Schlussendlich ist Jona durch dieses Abenteuer von Gott gestärkt und getraut sich, die Menschen von der Umkehr zu überzeugen.

Diese Geschichte zeigt uns, dass es nicht immer einfach ist, sich unbequemen Fragen zu stellen. Jona musste den Sturm und die Zeit im Wal ausharren. Es benötigt einen Prozess, der vielleicht auch schmerzhaft ist. Wir werden geschwächt, weil es in unserem Leben zu Veränderungen kommt. Aber schlussendlich werden wir gestärkt aus dem ganzen Prozess hervorgehen.


Und denken wir daran, Gott ist auf der Seite der Schwachen. In 2. Korintherbrief 12,9 steht: «Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet. Viel lieber will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit ein Kraft Christi auf mich herabkommt.»

Dies bedeutet nicht, dass wir uns einfach sagen «Ach, ich bin ein so armer Kerl. Kaum bin ich wieder aus den Ferien zurück, werde ich mit Email-Anfragen überhäuft und mein Stapel auf dem Bürotisch ist riesig.» Nein, es bedeutet, dass ich in diesem Moment zugeben muss, dass mich dieser Teil von Arbeit überforderte und es Veränderung braucht. Ich kann in diesem Moment der Schwachheit Gott um Hilfe bitten: «Gott stärke mich in meiner Schwachheit, hilf mir und gib mir die nötige Kraft.» Durch so ein Gebet kann die Kraft aktiviert werden, die bereits in uns steckt. Und wir finden Mut zur Veränderung im Kleinen. Sodass wir unseren Alltag am Schluss so gestalten können, dass wir uns auch unter dem Jahr wohl fühlen und Glücksmomente haben. Wir müssen also nicht davonlaufen.


Ich wünsche allen einen guten Start in die Woche und ein gutes Wiederankommen im Alltag, vielleicht mit der einen oder anderen Veränderung.


Ich jedenfalls freue mich bereits jetzt wieder auf den Start und die Herausforderungen nach dem Urlaub.


Lars Gschwend, Religionspädagoge

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