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Stämpf’s «Microcosmic» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

Stämpf’s «Microcosmic» im Soundcheck

Druckvoll und mit ziemlich viel Metal-Attitüde startet das neue Album mit dem Track «Pedal down». Das schnelle Werk, welches sich auch im Repertoire von den Foo Fighters ganz formidabel machen würde, beweist eindrucksvoll, dass Stämpf nichts an Härte verloren hat und immer noch nur eine Richtung kennt: Mit Vollgas nach vorne!


Stampfend oder kann man auch sagen «Stämpfend» (?) dringt das Lied «Alibies and Lies» aus den Boxen. Dieses ist eine Abrechnung mit einer unbenannten Person aus dem Showbusiness, welche sich durch Alibis und Lügen über Wasser hält und nicht bemerkt, dass ihn alle schon lange durchschaut haben. Der Rhythmus fährt ziemlich in die Beine und könnte bei zukünftigen Trainings auf diversen Playern für neue sportliche Höchstleistungen sorgen. Der Flow hat nämlich eine ziemlich packende und motivierende Wirkung.


Das Titelstück «Microcosmic» ist ein punkiger Kracher, der sicher live ziemlich viel Spass spenden könnte, aber doch auch durch den sich kaum ändernden Groove ein wenig eintönig klingt. Die Chöre am Schluss und die kurzen Stoppsequenzen sorgen glücklicherweise noch für die nötige Würze und beweisen, warum das Lied unbedingt einen Platz auf der CD verdient hat.


Zum regelrechten Hit mit viel Popappeal mausert sich die Nummer «Chances», an der auch ein Tom Petty eine Heidenfreude gehabt hätte. Der spannende Mix zwischen knackigen Gitarren, einer Melodie, die Feriengefühle weckt und einem Refrain, der direkt zum Mitsingen einlädt, machen dieses Lied zu einem wahren Ohrenschmaus. Wenn Stämpf zu dem kein Video dreht, verstehe ich die Welt auch nicht mehr ganz.


«Lost it» zeigt, dass Stämpf sein Händchen für catchy Gesangsmelodien und treibenden Rocksound nicht verloren hat, sondern mit diesem Opus hochleben lässt. Das geniale Gitarrensolo vom unglaublichen Ainga Dobbelaere ist die Tüpfelchen auf dem i und beweist den ganzen Kids da draussen, warum es sich eben doch lohnt, die ganzen Skalen immer wieder rauf und runter zu pauken.


Etwas zurückgelehnter klingt «Let it rain», welches melancholisch durchtränkt ist und wieder mit toller Gitarrenhandarbeit aufwartet. Spannend thematisieren Stämpf und seine Jungs, die Phase kurz vor dem grossen Regen und man hört ihn nicht nur kommen, man hat fast ein bisschen das Gefühl sein Duft liege in der Luft und es schütte bald wie aus Kübeln.


Die erste Single «Lost and found» ist voller positiver Energie und gefällt mir auch noch nach dem zehnten Hören ziemlich gut. Es ist meiner Meinung nach der perfekte Vorbote des Albums, denn hier sind alle Stärken eines typischen Stämpfsongs gebündelt und es wird klar, welches feine Händchen er nicht nur als Melodienjäger, sondern auch als Geschichtenerzähler vorzuweisen hat. Sehr gelungen.


Das Metalbrett «Say hey» hätte ich Stämpf in diesem Stil jetzt nicht wirklich zugetraut. Das Lied ist einiges härter als seine Vorgänger und knallt richtig schön rein. Spannend, dass der Bündner fast mit jedem Song nochmals eine weitere Facette der harten Gangart seiner Hörerschaft vorstellt.


«Save me» ist leicht mystisch verworren und trieft vor Nachdenklichkeit. Es ist ein spannendes Liebeslied, welches direkt ans Herz geht und die weiche Seite des harten Rockers offenbart. Spannend, was die Herren hier noch zusätzlich an Produktion auffahren, um der Ballade das verdiente, epische Fundament zu erschaffen. Gänsehaut!


Der Abschlusssong «Along» hat mächtig viel Zug und zeigt, dass der alte Punker seine Roots nicht vergessen hat. Fast ein wenig schade, dass wir auf die Livepremiere dieser Werke noch ein wenig warten müssen. Dafür gibt’s noch eine Radioedition von «Save me» obendrauf und die neue Songsammlung von Stämpf ist komplett.


Schlussfazit:
Die lange Wartezeit hat sich gelohnt, denn das Album «Microcosmic» von Stämpf ist kompromissloser Rock mit viel Druck nach vorne. Der Bündner schafft es dabei spielerisch, dass jeder Song auf dem Album anders klingt und moderne Rocktunes mit klassischen verschmelzen. Es ist ein rundes Werk und ich hoffe doch sehr, dass wir auf den nächsten Longplayer vom Mann mit dem Stirnirokesen nicht wieder sieben Jahre warten müssen. Stämpf bringt mit seinem Sound eine Klarheit und Gradlinigkeit zurück ins Spiel, welche in der experimentierfreudigen Bündner Musikszene fast ein wenig gefehlt hat. Denn trotz virtuosen Momenten und viel Abwechslung steht bei ihm und seinen Jungs immer der Song und die tragende Melodie im Fokus.


Das Album «Microcosmic» von Stämpf kann unter diesem Link auf Cede.ch erworben werden.

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