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Unterwegs
Bild/Illu/Video: zVg.

Unterwegs

Manchmal beklage ich mich, jedoch lediglich über Kleinigkeiten. Wenn ich zu meiner Familie, den Freunden und den Bergen zurückkehre, freue ich mich stets. Und ebenso jedes Mal, sobald ich das Haus, die Menschen und die Berge der Heimat wieder verlasse, freue ich mich erneut. Ich fühle mich überall dort wohl, wo ich schon gelacht, geweint, geschlafen und gegessen habe. Fühle mich dort wohl, wo ich Freunde habe, auf die ich zählen kann. Ich bin kein Landmensch im eigentlichen Sinn des Wortes. Ich bin ebenso kein Stadtmensch. Ich bin ein Reisender auf der Suche nach dem Weg, dem Sinn im Leben.

Zwei grosse Pläne für mein Leben habe ich bereits. Australien für fünf Jahre zu erleben und die drei Pilgerwege der Christenheit zu gehen. Viele weitere Pläne schwirren in meinen Kopfe herum, doch ich wage es nicht, diese Pläne zu Papier zu bringen, da ich eines ums andere erleben möchte. Will ich etwas erleben, so will ich keineswegs in Eile sein. Ich möchte den Weg gehen, Stück für Stück. Jeder Weg lehrt den Menschen etwas übers Leben. Warum möchte ich meinem Weg im Unterwegssein finden? Weil es die natürlichste Art zu leben ist. Der Mensch war über Jahrtausende hinweg Jäger und Sammler und lebte mal hier und dann wieder dort. Weshalb soll ich sesshaft bleiben, und die Laster meiner Mitmenschen übernehmen. Wer sesshaft ist, wird gierig, weil er mehr haben kann, als in sein Auto oder Rucksack passt. Wer sesshaft ist, ist meistens weniger glücklich, weil er weniger Macht über sein eigenes Leben hat. Der Sesshafte hat zwar ein sicheres Leben, jedoch gibt er einen Teil seiner Freiheit dafür auf.

Der Sesshafte muss an einem Ort bleiben, weil er dort seine Arbeit, seine Besitztümer sowie Freunde und Familie hat. Er sieht sich gezwungen, das Beste aus dieser Situation zu machen und deckt sich mit weiteren, teils unnötigen Besitztümern ein. Der moderne Mensch ist traurigerweise faul und gierig geworden, dass er sich ein Haus voller Dinge wünscht, aber im gleichen Atemzug so wenig wie möglich dafür tun möchte.

Unterwegs zu sein, bedeutet frei zu sein. Im Moment zu leben. Die Vergangenheit belassen wie sie war, die Gegenwart wie sie ist zu geniessen und nicht zu weit in die Zukunft zu sehen. Man weiss nicht wo man am Abend schlafen wird, oder wo man das nächste Mal eine Arbeit erhält. Doch genau diese Ungewissheit, diese ständige Spontanität macht das Leben unterwegs, das Leben als Nomade, aus.

Das ständige Erleben der Unsicherheit, führt dazu, dass jeder Moment einzigartig ist.

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