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Vaduz als Fair Trade Town ausgezeichnet

«Es macht Freude und ich bin stolz drauf.» Mit diesen Worten umschrieb der Vaduzer Bürgermeister Manfred Bischof bei der Begrüssung, was die Auszeichnung ihm bedeutet. So etwas habe eine Signalwirkung und er hoffe doch sehr, dass zahlreiche Unternehmen oder auch andere Gemeinden in Liechtenstein mitziehen werden.


Verzicht macht glücklich

Angestossen und Vaduz auf das Projekt aufmerksam gemacht habe Cornelia Wolf vom Hoi-Laden, erklärte Gemeinderat Stephan Gstöhl. Es sei dann alles recht zügig gegangen: Ein Beschluss vom Gemeinderat, die Gründung einer Arbeitsgruppe und Menschen aus verschiedenen Arbeitsgruppen seien sofort dabei gewesen. Nach einem kurzen Nachzeichnen der Zeitlinie überliess er die Bühne der Leiterin vom Liechtensteinischen Entwicklungsdienst Nicole Matt-Schlegel. Sie machte mit ihrem Vortrag verständlich, wie sie vom LED mit Nichtregierungsorganisationen am anderen Ende der Welt dafür sorgen, dass fair gehandelt wird. Sie gab den Interessierten noch den Tipp mit auf den Weg, sich die Ausstellung «Global Happiness» im Landesmuseum zu Gemüte zu führen. Auch sei es ratsam in der vom Konsum beherrschten Welt es mal mit Verzicht zu versuchen, denn dieser mache einfach glücklich.


Fair Trade braucht Individualistinnen

Der Wortbeitrag von Rudolf Batliner vom Verein Tellerrand zeigte eindrücklich, wie viel schon passiert ist. Auch wenn bei den Detailhändlern noch oft von Kolonialwaren gesprochen werde, sei Fair Trade glücklicherweise inzwischen im Mainstream angelangt. Heute werden kaum noch Bananen ohne Max Havelaar-Kleber verkauft, doch er könne sich noch gut an den Anfang erinnern. Früher wurde in den Läden ein «Kässeli» platziert und über die Feldkircher «Bananenfrauen» Geld an die Produzenten gespendet. Fair Trade brauche Individualistinnen, die den Anstoss geben. Zudem sei ein langer Schnauf nötig bis durch die «Spinnereien» auf der Welt wirklich was bewirkt werde, aber es lohne sich allemal. Fair Trade schaffe eine Win-Win-Situation für alle, während die «Geiz ist geil»-Mentalität das glatte Gegenteil bewirke. Durch sie verliere erst der Produzent, da er weniger bekomme. An zweiter Stelle leide die Umwelt darunter, da es leider billiger komme, die Waren um die halbe Welt zu karren als lokal zu beschaffen. Am Schluss falle ausserdem alles auf den Konsumenten zurück, da bei dem ganzen Spardrang, die Qualität des Produkts auch noch leide.      


Eine Auszeichnung mit Aufgabe

Tobias Meier, Präsident von Swiss Fair Trade betonte bei der Zertifizierung von Vaduz, wie wichtig er den lokalen Fokus gerade in der Pandemiezeit finde. Es sei die richtige Zeit, lokal aufeinander zu schauen und dabei auch international fair zu bleiben. Eine solche Auszeichnung sei aber nicht als Abschluss zu verstehen, sondern immer mit der Aufgabe des Weitermachens verbunden. Inzwischen gebe es über 2000 Fair Trade Towns auf der Welt und vielleicht entbrenne bald ein Wettlauf und Liechtenstein werde nach Wales das zweite komplette Fair Trade Land. Er habe da ein ganz gutes Gefühl, da er solche Szenarien in der Vergangenheit in der Schweizer Nachbarschaft auch schon erlebt habe.  


Um als Fair Trade Town ausgezeichnet zu werden, müssen laut deren Webseite folgende fünf Punkte erfüllt sein:

1. Die Stadt/Gemeinde bekennt sich zum Fairen Handel.

Die zuständige politische Instanz beschliesst, die Auszeichnung als «Fair Trade Town» anzustreben.

Die Stadt/Gemeinde verwendet in ihrer Verwaltung mindestens 3 Fair Trade-Produkte.

Die Stadt/Gemeinde verpflichtet sich, für die Auszeichnung als «Fair Trade Town» eine offizielle Veranstaltung zu organisieren.


2. Eine Arbeitsgruppe koordiniert das Fair Trade-Engagement.

Eine Arbeitsgruppe wird eingesetzt, welche die Umsetzung der Ziele von «Fair Trade Town» koordiniert und überprüft.

Die Fair Trade-Arbeitsgruppe trifft sich regelmässig und dokumentiert die Einhaltung der einzelnen Kriterien.

Die Fair Trade-Arbeitsgruppe stellt sicher, dass in der Stadt/Gemeinde mindestens 1 Mal pro Jahr eine Fair Trade Town-Aktivität stattfindet.


3. Detailhandel und Gastronomie/Hotellerie bieten Fair Trade-Produkte an.

Lokale Detailhandelsgeschäfte führen mindestens 5 Fair Trade-Produkte im Sortiment und kommunizieren dies ihren KundInnen.

Gastronomie- und Hotelleriebetriebe integrieren mindestens 3 Fair Trade-Produkte in ihr Angebot und kommunizieren dies ihren KundInnen.

Detailhandel und Gastronomie-/Hotelleriebetriebe beteiligen sich an lokalen Aktivitäten zum Fairen Handel.


4. Institutionen und Unternehmen verwenden Fair Trade-Produkte.

In Institutionen wie Schulen, Kindertagesstätten und Alterszentren, in Vereinen oder Kirchgemeinden werden regelmässig Fair Trade-Produkte verwendet.

Unternehmen setzen auf Fair Trade-Produkte.

Institutionen und Unternehmen beteiligen sich an lokalen Aktivitäten zum Fairen Handel.


5. Durch Öffentlichkeitsarbeit wird der Faire Handel der Bevölkerung nähergebracht.

Der Faire Handel wird durch regelmässige Berichterstattung in lokalen Publikationen, in Aussendungen und auf der Webseite der Stadt/Gemeinde zum Thema gemacht.

Die jährliche Veranstaltung zum Fairen Handel wird in der lokalen Presse und in allen Kanälen der Stadt/Gemeinde kommuniziert.

Die Stadt/Gemeinde plant und organisiert eine öffentliche Veranstaltung zur Verleihung der Auszeichnung als Fair Trade Town und lädt die lokale Presse ein.

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